Der Flug von Stuttgart nach Frankfurt dauerte nur 31 Minuten. Hinzukommen jeweils gefühlte 60 min im Flugzeug auf dem Rollfeld (Boarding/Sicherheitseinweisung/etc.), sowie in Frankfurt 15 min Busfahrt vom Flugzeug, welches irgendwo die "Parking Position" eingenommen hat. Auf der Fahrt sind die mehrere Jumbo Jets in nächster Nähe des Busses vorbeischoben worden bzw. gerollt. Die Größe des Flughafens und auch mancher Flugzeuge war und ist beeindruckend!
Mein Handgepäck besteht aus einem Rucksack mit Laptop, einer externen Kamera für Videotelefonie, einem Adapter für den kanadischen/amerikanischen Netzstecker, einer Mehrfachsteckdose, sowie einiger Ladekabel und noch ein bisschen Kleinkram. Da noch Platz im Rucksack war exportiere ich auch noch Süßigkeiten für meine Gastfamilie auf meiner Farm. Zudem habe ich mein Lieblingskissen unter dem Arm und meine Skijacke an - welche sich aufgrund der vielen Taschen als sehr nützlich herausstellte!
Während des Fluges konnte man zwischen vielen Filmen etc. im Entertainment System wählen, die aktuelle Position auf der Weltkarte ansehen, sowie Geschwindigkeit/Höhe/Flugdauer/etc. betrachten. Ebenso war ein WIFI Zugang vorhanden, welcher mir für 17€ allerdings zu teuer gewesen ist, weshalb ich auf eine Internetverbindung bis zur Landung in Vancouver aushalten musste... Während sich meine Position über Grönland befand, freute ich mich schon sehr auf meinen Aufenthalt im kanadischen Winter mit hoffentlich Unmengen an Schnee! :) Als die Flugzeit von knapp über 10 Stunden zu Ende war, freute ich mich schließlich auf jegliche Art von Bewegung.
Das wohl wichtigste Dokument wird in der nächsten Zeit mein Reisepass sein. In Verbindung mit einem Work and Holliday Visum - welches mir am Flughafen in Vancouver nach wochenlanger Beantragungsdauer von einem netten Officer der Einwanderungsbehöre ausgestellt wurde - kann ich mich ein Jahr lang in Kanada aufhalten und (fast) jede Tätigkeit ausüben. Die Bewerbung um dieses Visum war aufwendig, zeitraubend sowie mit ungewissem Ausgang, denn die Visavergabe erfolgt aus einem stark begrenzten Pool. Ich denke aber, dass man durch alltägliches arbeiten besser in die Gesellschaft integriert wird - und ich dadurch auch die alltägliche englische Sprache besser/schneller drauf haben werde!
Jetzt bin ich die ersten 3 Nächte in einem Hostel in Vancouver - an der Bucht zum Pazifischen Ozean wird es zwar zu kalt zum Baden sein, allerdings freue ich mich darauf über die Nord-/Ostsee und Mittelmeerdimensionen hinauszugehen und den größten Ozean der Erde zu sehen!
Es sind bereits einige Bilder in der Bildergalerie (unter Navigation "Bilder") vorhanden.
08.11.2017
8. bis 11. November 2017
Nachdem mir das Visum ausgestellt wurde und ich meinen Koffer geholt habe, verließ ich den Vancouver Flughafen. Zu meiner Überraschung gab es keine offensichtliche Zollkontrolle - mit rotem und grünem Ausgang - wie ich sie von Europa kenne, allerdings musste man zuvor an einem Terminal eingeben, ob man die jeweiligen Zollfreimengen überschreitet bzw. nicht erlaubte Gegenstände dabei hat. So wie ich es erlebt habe beruht die Zollkontrolle also auf Vertrauensbasis, wobei ich Stichproben vermute.
Dank eines Gutscheins, welchen ich von meiner Agentur ausgestellt bekommen habe, konnte ich kostenlos mit dem Taxi zum Hostel fahren. Aufgefallen sind mir sofort die amerikanischen Schilder, sowie Ampeln, welche sich hinter der jeweiigen Kreuzung befinden - stark gewöhnungsbedürftig... Im Hostel angekommen musste ich die Check-In Zeit noch abwarten und legte einen Spaziergang ein.
Beim "Coal Harbour Flight Centre" konnte ich einigen Wasserflugzeugen bei Start und Landung zuschauen und die Skyline des Stadteils betrachten.
Am nächsten morgen gab es ein kleines Frühstücksbuffet, wobei man sich in der großen Küche nach vorherigem Einkauf auch selbst bekochen könnte. Nach dem Abspülen machte ich mich auf den Weg zu der ersten Infoveranstaltung von Work and Holliday. Beginnend mit allgemeinem "Schön, dass Ihr (Die Gruppe, welche am selben Tag wie ich angereist ist) da seid" blabla ging es unter anderem mit wichtigen Kontaktdaten, Mitgliedschaften und dem erstellen eines kanadischen Bankkontos - da die meisten Arbeitgeber nicht auf ein deutsches Konto überweisen bzw. man den Gehaltscheck angeblich nicht darauf einlösen kann - weiter. Anschließend wurden verschiedene Telefon- & Datentarife vorgestellt, welche mir jedoch, beginnend bei 30$, zu teuer sind. Zunächst muss ich also mit free Wifi-Hotspots und meiner deutschen Telefonnummer leben.
Am nächsten Tag bekamen wir einige Infos zur Jobsuche. In einen kanadischen Lebenslauf kommen übrigens recht wenig persönliche Daten (Geburtsdatum, Familienstand oder Herkunft sind
Mit dem SeaBus durchquert man innerhalb weniger Minuten den Hafen und gelangt nach North Vancouver. Dort angekommen lief ich zum "Waterfront Park" und genoss die wärmenden Sonnenstrahlen am Ufer bei traumhafter Aussicht.
Bei Dämmerung erreichte ich mein letztes Tagesziel: Chinatown. Bis auf ein paar Skulpturen, einem Tor und den roten Straßenlampen unterschied sich recht wenig von anderen Teilen Vancouvers. Ich habe eigentlich Staßenimbiss an Straßenimbiss erwartet, denn ich hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen ... Allerdings habe ich nur wenige authentisch erscheinende, chinesische Restaurants gesehen.
An meinem letzten Tag in Vancouver wurde ich von dem lauten Schnarchen einer meiner drei Zimmerkameraden grausam geweckt... um 6AM entschloss ich mich dann dazu, zu duschen und anschließend Wäsche zu waschen. Während des Frühstücks war die Wäsche dann im Trockner und ich konnte ausgiebig Essen. Dann galt es zu packen und auszuchecken. Für den letzten Tag habe ich mir den "Stanley Park" als Aufentaltsort vorgenommen. Der Rundweg am Ufer entlang ist knapp 10 km lang und als Fußweg und Fahrradweg ausgebaut. Auf halber Strecke begann es dann zu regnen ... und ich eilte die letzten Kilometer am Ufer entlang. Durchnässt erreichte ich dann das Hostel, wo ich mich noch einige Zeit in der Lobby trocknete. In einer kurzen Regenpause hurtete ich dann in Richtung Flughafen und erreichte diesen, nach ca. 30 minütiger Zugfahrt, 5 Stunden vor Abflug. Ich konnte mir dann seeehr viel Zeit lassen, um zum Gate zu gelangen. Da ich zugegeben trotzdem über vier Studen zu früh am Gate war, kotte ich mich bequem einrichten. Zum Glück ist eine Steckdose und schnelles WiFi vorhanden!
Ich hoffe auf dem Nachtflug nach Toronto schlafen zu können, um nicht völlig kaputt anzukommen.
11.11.2017
11. bis 12. November 2017
Vor nun etwas mehr als einer Stunde landete ich am Toronto Pearson International Airport. Da ich im Flugzeug in der hintersten Reihe saß, dauerte das Aussteigen aus der Boeing 777 300ER eine ganze Weile. Dann aber verlief alles schnell und reibungslos. Am Gepäckband angekommen freute ich mich, dass mein Koffer ebenfalls gut angekommen ist.
Nun sitze ich in der Ankunftshalle des Flughafens an Gate A und warte auf Marius. In den nächsten Stunden wird er mit seinem Auto eintreffen und mich zu meiner Farm fahren. Das Warten ist dank WiFi und einem Powerport auch an diesem Flughafen erträglich. :)
Als ich den orangeroten Suzuki sah, freute ich mich rießig über seine Ankunft. Den Koffer eingeladen, ging es auch zügig weiter. Die ertsen Kurven und Kreuzungen liegen hinter uns und die Straße führt einfach nur geradeaus. Zunächst vierspurig, wurde die Straße immer kleiner bzw. schmaler, bis einige Kilometer entfernt vom Flughafen schließlich noch eine Spur weiterführte. Der Schnee am Straßenrand, welcher am vergangenen Freitag gefallen war schmilzt zwar bei den akteull steigenden Temperaturen, aber der nächste Schnee kommt gewiss!:) Als wir eine unscheinbare Ausfahrt verpassten, mussten wir wenden. Der letzte Straßenabschnitt wurde zunehmend schlechter und führte schließlich in einem Schotterweg weiter. Es ging den Berg hoch - aber weiterhin führte die Straße stur geradeaus und macht keine Kurven, um die Steigung zu verringern. Dank des Allradantriebes überstanden wir aber auch den steilen und Schnee-/Eisbedeckten und letzten Streckenabschnitt. :) Ohne Marius würde ich zu dieser Zeit noch immer am Flughafen sitzen und auf den Bus warten... DANKE Marius!
Gepäck ausladen, check. Da mein Zimmer noch mit Zeug zugestellt war, erkundete ich die Farm und hatte vermutlich ein breites Grinsen im Gesicht, während ich durch den Schnee stapfte. Mein Zimmer bezog ich dann anschließend. Zum Mitarbeitereingang geht es geradeaus durch und links eine seehr schmale, enge und notdürftig angebrachte Wendeltreppe nach unten. Dort geht es dann die nächste rechts, dann die übernächste rechts und schließlich findet man mein Zimmer hinter der ersten Tür auf der linken Seite. Ein sehr großes Haus! - welches zumindest im für die Gäste zugänglichen Bereich sehr liebevoll dekoriert und eingerichtet ist! Der Koffer war schnell ausgepackt und ich legte mich kurze Zeit ins Bett.
Denn wenige Stunden später gab es Abendessen - im privaten Haus der Eigentümer. Dieses Haus ist ein absoluter Traum! So steht zum Beispiel im Mittelpunkt des ca. 20x20 Meter großen Wohnzimmer ein ca. 3x3 Meter Kamin mit Sitzbänken! Da lässt es sich im kanadischen Winter aushalten. :)
12.11.2017
Demnächst werde ich auch wieder ein paar neue Bilder in die Bildergalerie laden!
Am heutigen Freitag, den 17.11.2017, habe ich meinen ersten freien Tag.
Die Farm:
9 Pferde (eines davon Schwanger), 5 Hühner (welche aber keine Eier legen), 2 Rentiere (2 weitere sind dieses Jahr schon gestorben). Zudem hat es eigentlich duzende Schweine, welche für den Winter aber alle geschlachtet worden sind. Ein paar Reihen Apfelbäume, ein angrenzender Wald unter anderem mit ein paar Ahornbäumen (#Ahornsirup) und essbaren Pilzen, sowie ein kleinerer und ein größerer Teich gehören zu dem Grundstück. Die Farm gehört einem netten Ehepaar, welche sich das riesige Grundstück (und ein weiteres in der Nähe) gekauft haben, als sie in Rente gekommen sind. Ich vermute, dass beide so um die 70 Jahre alt/jung sind. Neben der Landwirtschaft betreiben sie auf dem Gelände auch ein "Inn" (Hotel mit Frühstück). Auf der Website des Inns könnt ihr stöbern oder eines der recht hochpreisigen Studios oder Suiten buchen (Ich bin noch bis nach Weihnachten hier).
Wenn die Gäste mit dem Frühstück fertig sind, werden die Reste in die Küche gebracht und man kann essen was man will (sollte halt für die anderen meist 3-5 Leute auch noch was übrig lassen...). So gibt es an manchen Tagen ein sehr ausgiebiges, leckeres Frühstück! Zu Mittag kann man sich am Kühlschrank bedienen. Abends kommt Linda oder Paul (Die Eigentümer) und bringen unsere Bezahlung für den Tag - Das Essen :). Bisher gab es jeden Tag etwas anderes leckeres, was bis auf einen Kuchen alles selbstgemacht war. Auch die selbstgemachten Kekes, welche eigentlich nur für die Gäste bestimmt sind, schmecken sehr gut :)! Abspühlen muss man immer von Hand. Die Spühlmaschine habe ich noch nicht in Betrieb gesehen... vielleicht ist sie kaputt.
Am Montag haben wir die Schneezäune, welche vor starken Windverwehungen schützen sollen, und Schneestäbe, um den Straßenverlauf auch noch bei viel Schnee sehen zu können, in den gefrorenen Boden geschlagen. Da bei den Temperaturen um den Gefrierpunkt die Genauigkeit mit der Zeit nachließ, blieben unsere Hände nicht vom Vorschlaghammer verschont. Am heutigen Freitag kann ich aber auch meine rechte Hand fast wieder normal bewegen.
An den darauffolgenden Tagen half ich beim täglichen Ausmisten sowie beim Füttern der Pferde, Hühner und Rentiere. Mittags arbeiteten wir dann im Haus und füllten Löcher und Unebenheiten an den Wänden mit einem Fertiggips aus der Plastikpackung. Anschließend haben wir ein Treppenhaus gestrichen. Dabei habe ich mit Ian zusammengearbeitet, welcher immer wieder sagte „Good enough for me“, wenn er eine Stelle nicht perfekt hinbekommen hat.
Das Haus in dem mein Zimmer ist verfügt über ein Lüftungs- bzw. Heizungssystem und man kann in jedem Raum über einen Regler die gewünschte Temperatur einstellen. Zudem sind in manchen Räumen offene Feuerstellen vorhanden, welche aktuell aber noch nicht sehr häufig befeuert werden.
Aktuell liegt nur eine sehr dünne Schneeschicht. Mir wurde zwar von allen versichert, dass in diesem Gebiet abartig viel Schnee fallen wird – sollte ich jedoch enttäuscht werden, könnt ihr mich ab Januar im Yukon finden.
17.11.2017
Am späten Samstagabend habe ich erfahren, dass ich am Sonntag frei habe. Dies habe ich sofort Marius geschrieben, da er am nächsten Tag einen Ausflug zu den Niagara Fällen machen wollte – Diese Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Und so machte er sich am frühen Sonntagmorgen, bei einigen Zentimetern Neuschnee, auf den Weg mich abzuholen. Um halb neun kam er an und wir fuhren gemeinsam in Richtung Süden. Der Schnee wurde schnell weniger und ab Toronto lag gar keiner mehr. Nach einer Pause beim „Tim Hortons drive thru“ und einem Tankstopp kamen wir nach circa 3 Stunden Fahrt beim Parkplatz an den Niagara Fällen an.
Nach einem kleinen und unebenen Weg mit einem umgestürzten Baum kamen die Niagara Fälle in unser Blickfeld. Die kleineren amerikanischen Fälle und die größeren, hufeisenförmigen kanadische Fälle wurden anschließend ausgiebig beobachtet und fotografiert. Wir waren natürlich nicht alleine an einem Sonntag, allerdings habe ich mit mehr Menschen gerechnet – auch der riesige Parkplatz war fast leer. Das Wetter war zunächst ganz akzeptabel. Wind und Regen/Schneeregen/Schnee machten es aber zunehmend ungemütlicher. Die Sonne war die ganze Zeit über hinter den Wolken, sodass ein Regenbogen, durch die Wasserwolke an den Fällen, leider nicht zu beobachten war. Zum Mittagessen machten wir uns auf die Suche nach einem bezahlbaren Restaurant oder Imbiss. Nach Blicke in verschiedene Speisekarten (alles war teuer…) gingen wir schließlich zum Subway (War auch nicht sooo billig)… Wir gingen wieder zu den Fällen und liefen Hin und Her und Auf und Ab, wobei vor allem Marius mit seiner Kamera viele Bilder gemacht hat – Das Finden der richtigen Einstellung hat allerdings immer ein wenig gedauert :D. Die Brücke zu den USA konnten wir nicht passieren, da wir beide unsere Pässe und Arbeitsgenehmigungen nicht dabei gehabt haben….
Die Dämmerung setzte ein. Erwartungsvoll schauten wir auf das hinabstürzende Wasser, bis die riesigen Scheinwerfer kurz vor Sonnenuntergang endlich erleuchteten. Die Zeit verging schnell und die Farben änderten sich circa alle halbe Stunde. Auch die Weihnachtsbeleuchtung der Umgebung war sehr schön anzusehen. Da wir noch eine lange Autofahrt vor uns haben, war es so gegen halb Sieben an der Zeit zum Auto zurückzugehen. Da ein Schild auf dem Parkplatz durch den starken Wind umgeflogen war, verpassten wir die Ausfahrt und drehten eine extra Runde. Die Frage nach dem Abendessen beschäftigte uns schon von Beginn … und nach nicht einmal einer Stunde Fahrt saßen wir bei BostonPizza an irgendeiner Ausfahrt des Highways. Die anschließende Zeit im Auto verging zunächst schnell. Auf Höhe von Toronto setzte dann leichter Schneefall ein und die Sicht wurde zunehmend schlechter. Je weiter wir Richtung Norden fuhren, desto stärker war der Schneefall, bis schließlich die Fahrbahn komplett bedeckt war. Die Straße ist in jede Richtung nur noch einspurig und an beide geteerten Fahrbahnränder schließt ein circa 5 Meter breiter Schotterweg an. Bei starkem Schneefall und Wind war die Fahrbahn nicht mehr zu erkennen und wir gerieten mehrmals auf den durchlöcherten Schotterweg. Zudem tauchten Autos im Gegenverkehr aus dem Nichts auf. Schilder waren schlecht zu lesen aber wir schafften es, die Richtigen Ausfahrten nicht zu verpassen. Der letzte Abschnitt führte über einen kurvigen (eine der wenigen kurvigen Abschnitte!) Schotterweg mit mittlerweile ungefähr 10 Zentimetern Neuschnee darauf. Langsam näherten wir uns meiner Farm. Dort angekommen mussten wir nur noch den Privatweg den Berg hoch, wobei wir trotz Allradantrieb stecken geblieben sind. Ich war an meinem Schlafplatz, Marius musste jedoch nochmal 1,5 Stunden durch Nacht und Schnee fahren. Aber auch er kam, kurz nach Mitternacht, sicher an.
Der Montag begann mit einem gigantischen Frühstück und ging weiter mit dem Putzen von zwei Zimmern - gefällt mir nicht. Am Dienstag habe ich nach dem Füttern und Ausmisten beim Bürsten der Pferde geholfen. Anschließend haben wir ein Pony – Una – zu der Reitarena geführt und ein bisschen gespielt/trainiert. Nachdem ich eine Protektorenweste und einen Reiterhelm angezogen habe, saß ich das erste Mal auf einem Pony und bin geführt geritten. Die Pferdeleckerli schmecken übrigens nach Heu und manche ein wenig nach Apfel.
Mittlerweile ist der Schnee fast wieder komplett geschmolzen/weggeregnet...
21.11.2017
Am Donnerstagabend, den 23.11.2017, fuhr Linda mit uns zu einer Art Museum. Nach ungefähr 35km Fahrt in nordöstliche Richtung kamen wir bei Sainte-Marie among the hurons an. Die vielen Kerzen am Wegesrand führten durch das historische Gebiet. Linda war irgendwie gleich weg und ich lief anschließend mit Ina die Wege ab. Um 19 Uhr war das Feuerwerk zur Eröffnung und anschließend gingen die meisten Besucher wieder… wir blieben aber noch. Nach einer heißen Schokolade für 1CAD$ (leider mit Wasser aber einem Marshmallow) liefen wir einfach weiter über die Wege im Kerzenschein zu Hütten mit unterschiedlichen Themen (z.B. Schmid, Räucherkammer, Kinderbasteln oder durch Reibung selber Feuer machen…) und schließlich in eine größere Halle mit allen möglichen Souvenirständen mit meist selbstgemachtem Zeug. Man konnte auch Eulen streicheln und in einem kleinen Stall waren kleine aber abartig fette Ziegen und Miniponys. Mir ist der Hintergrund des Museums, mit dem Bezug zu den Massakern der Europäer (Briten/Franzosen) gegenüber der indigenen Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Titel/Motto/Name „First Light“ und den damit verbundenen Kerzen, leider nicht ganz klar geworden.
Am nächsten Tag bin ich aufgestanden, hab mich gerichtet und bin in die Küche gegangen. Dort hab ich erfahren, dass ich am heutigen Tag frei hab… also habe ich mich wieder ins Bett gelegt. Samstags war bis auf die Tiere nichts für mich zu tun und ich half in der Küche bei den Vorbereitungen fürs morgige Frühstück.
Auch am Sonntag hatte ich wieder frei. Und um nicht immer auf der Farm festzusitzen habe ich mich, nach dem Verzehr der legendären Sonntagmorgenfrühstücksbuffetreste, nach Collingwood fahren lassen. Dort bin ich zuerst in die eine Richtung am Hafen entlang gelaufen und nach einer kurzen Pause beim McDonald in die andere Richtung und schließlich zum Sunset Beach Point. Es war recht kalt und der frische Wind trieb mich nach einigen Stunden wieder weg vom Wasser. Collingwood besteht eigentlich nur aus dem Hafen und zwei sich kreuzenden Einkaufsstraßen in einer Länge von circa 500 Metern. Der Rest sieht für mich nach überwiegend Wohngebiet oder Industriegebiet aus. In dem Stadtzentrum sieht man neben den großen Fastfood Ketten auch viele kleine Boutiquen, die großen Banken und so Zeug wie das Rathaus. In einem Supermarkt habe ich noch ein paar Sachen eingekauft und als es schon dunkel geworden ist kam Linda zurück um mich abzuholen. Die Fahrt dauert keine 15 Minuten.
Am Abend wollte nach dem Essen keiner abspühlen. Um ein Opfer zu finden beschlossen wir unsere Socken auszuziehen und barfuß in den Schnee zu stehen - Wer als erster reinrennt muss abspühlen. Als unsere Füße blaurot und taub wurden beschlossen wir aus gesundheitlichen Gründen reinzugehen. Nach einem Fußbad spühlten wir dann gemeinsam ab.
27.11.2017
Am Dienstag habe ich mit dem Pony Una gearbeitet/trainiert. Linda ist sehr überzeugt vom "Natural Horse-man-ship" ~ Pat Parelli. Also musste ich mit Una ein paar Spiele durchgehen, wobei man sehr auf die Körperhaltung achten muss - sonst macht das Pferd nicht das was man eigentlich will... Nach der Bodenarbeit durfte/sollte ich dann das erste mal alleine reiten. Die Protektorenweste und der Helm sind zwar viel zu klein und ich sah bestimmt wackelig aus, aber immerhin bin ich nicht runtergefallen. Das aufrecht Sitzen und die Füße runterdrücken ist ungewohnt, jedoch war es nicht unbequem - auch als ich es dannach ohne Sattel ausprobiert habe.
Nach den Pferden hatten wir Hunger und ich hab Spätzle geschabt. Es war kein Schabbrett vorhanden, weshalb Improvisation gefordert war... Auch das Mehl ist irgendwie anders als unser Mehl in Deutschland. Und als ich bei meinem letzen Aufenthalt in der Stadt bei der Suche nach einem geeigneten Käse fast verzweifelt bin, hab ich halt einen Pizzakäsemix gekauft... Das Käseregal besteht hier zur Hälfte aus Scheibenschmälzkäse und zur anderen Hälfte aus einem Mix von Cheddar, Mozzarella und Pizzakäse... SCHREKLICH! Die Kässpätzle waren zwar irgendwie anders als gewohnt, aber trotzdem lecker!
Beim Hühnerstallausmisten am Freitag wurde ich von einem Ei überrascht. Denn die Hühner haben schon viele Monate keine Eier mehr gelegt! Zum Abendessen wurde dann ein Spiegelei geteilt. Auch an den darauffolgenden Tagen war je ein Ei im Stall - Also legt nur ein Huhn... Was ja schonmal besser ist als gar keins :).
Samstag und Sonntag hatte ich frei. Da mir abartig langweilig war, habe ich Cookies gebacken - und gegessen. Und am Sonntag hat mich Linda für einige Stunden nach Collingwood gefahren. Das Wetter war überragend, der Himmel meist ohne Wolken und die Temperaturen zu hoch, um eine Jacke anzuhaben. Laut meiner Wetterapp kommt aber demnächt wieder der Schnee zurück!:)
Heute musste ich nach den Tieren beim Housekeeping helfen... D.h. Abspühlen und anschließend vier Studios und eine Suite putzen... Ich wäre froh, morgen wieder Holz zu hacken oder im Matsch spielen zu können.
04.12.2017
Die letzten Tage ist eigentlich nichts Außergewöhnliches passiert. Bis ich am Freitag beim Stallausmisten Schläge und Tritte gehört hab. Beim aus dem Stall Schauen, sah ich zwei sich bekämpfende Pferde! Oder spielen die nur - ich weiß es nicht... Das Ende hab ich dann auf Video festgehalten (siehe Bildergalerie).
Arschkalt und windig ist es die letzten Tage und der Schnee wird immer mehr! 5 bis zu circa 30 Zentimeter hab ich am Freitag gemessen. Denn aufgrund des starken Windes sammelt sich viel Schnee im Windschatten oder in Senken. Am Samstag und Sonntag kam es dann immer wieder zu starkem Schneefall - Ich hatte diese Tage frei und musste deswegen nicht Schneeschippen (hab aber trotzdem geholfen). Jetzt ist es dunkel und ich liege in meinem Bett, aber ich würde schätzen, dass aktuell um die 20-50cm Zentimeter liegen.
Am heutigen Sonntag war ich kurz in der Stadt (Collingwood hat übrigens knapp 20.000 Einwohner). Nach einer knappen Stunde im Starbucks, um das schnelle WiFi für Busbuchungen zu nutzen (Um die Spannung aufrechtzuerhalten, wo es mich als nächstes hinzieht, erfahrt ihr mein nächstes Reiseziel erst später :P), ging ich noch einen Kuchen kaufen #Nachtisch. Anschließend wartete ich in mäßigem Schneefall bei starkem Westwind über eine halbe Stunde auf Linda&Paul, um zurück zur Farm zu gelangen. Währenddessen wurde ich mehrmals gefragt, für was ich denn Geld sammle - der Kuchen sah für Manche nach einer Spendenbox aus... :D
10.12.2017
Die letzten Tage hat es immer wieder geschneit und in der Nacht zum Montag kamen nochmal über 20cm dazu. Morgens mussten wir dann erstmal die Wege für die Gäste schippen und uns erst anschließend um die Tiere kümmern. Um zum Rentiergehege zu gelangen zog ich die Schneeschuhe an um nicht bis knapp zum Knie im Schnee zu versinken. Die Rentiere sind - wie ich - sehr glücklich über den Schnee :). Am Montagnachmittag war nichts anderes zu tun und ich ging mit Dan holzhacken. Auch dazu Schneeschuhe angezogen und anschließend den Holzberg mit einem Besen vom Schnee befreit. Das Holz ist zwar feucht und dadurch gefroren, aber es war trotzdem spaltbar. Das Holz was wir gehackt haben wird im Februar für die Ahornsirupproduktion verwendet. In den nächsten Tagen ließ der Schneefall nach, allerdings wurde es noch kälter. So um die -10°C bis -20°C im Tagesverlauf.
Am Freitag habe ich am Rasentraktor gearbeitet und das Mähwerk entfernt. Jetzt muss man nur noch die hintere Baggerschaufel abschrauben und dann kann man die Schneefräse anbringen :). Auch für den großen Traktor gibt es eine Schneefräse und die kleinere Schneefräse im Rasenmäherformat ist weiterhin kaputt... Auf jeden Fall kam während dessen ein UPS Lieferwagen mit durchdrehenden Reifen den Berg hoch und fragte mich, ob hier jemand mit dem Namen "Oliver" wohnt. Das Paket kam von meinen Eltern und beinhaltete: Schwäbische Eiernudeln, verschiedenen Teepackungen, Einlegesohlen, zwei lange Unterhosen, zwei Tafeln Schokolade, 3 Tüten Plätzchen und ein paar Ausstecherformen. Danke dafür!
Samstags konnte ich ausschlafen, wurde aber von den Schritten der anderen noch vor neun geweckt... Dann wartete ich bis Linda mich in die Stadt gefahren hat. In Collingwood war ich dann in dem unverpackt Laden "Bulk Barn" und hab mir jede Menge Süßigkeiten gekauft. Anschließend wollte ich beim McDonald die 20er Chicken McNuggets im Menü haben, was aber aus für mich unerfindlichen Gründen nicht möglich gewesen ist... Dann halt nur 20er ohne Menü. Daraufhin bin ich in Richtung Hafen gelaufen und konnte hunderte Enten und eine gigantische Eismasse beobachten, denn Nahe der Küste war der See nach mittlerweile mehreren Tagen unter -10°C zugefroren. Ein Warnschild vor extremen Winterbedingungen außer Acht gelassen, stand ich kurze Zeit später bis zum Oberschenkel im Schnee :). Im Starbucks habe ich das Wifi genutzt um Flüge zu buchen und Bilder in die Cloud zu laden. Zuletzt noch einen Kuchen und Schokoladeneis gekauft und ich wurde wieder abgeholt.
Der Sonntag war sehr entspannt. Tiere, Frühstück, Pause, Mittagessen, Mittagsschlaf, Tiere und Feierabend.
17.12.2017
Am Montag setzte Tauwetter ein, wodurch der Pulverschnee zu Packschnee wurde und Schneebälle einfach zu formen waren. Diese Chance habe ich genutzt um einen Schneemann zum Leben zu erwecken. Am Ende war der Schneemann größer als ich und es war recht aufwendig die großen Schnee/Eiskugeln zu heben. Der Schal auf dem Bild in der Galerie geht mir 3mal um den Hals - um euch einen Größenvergleich zu geben. Dekoriert habe ich mit Zeug was so rumgelegen ist und dann ging ich durchnässt wieder ins Haus zurück.
In der Nacht hat es dann geregnet und gestürmt. Am nächsten Morgen war vom Schneemann dann nur noch ein großer Ball übrig, denn die oberen Kugeln sind zerfallen/geschmolzen :(.
Eigentlich hätte ich letzten Sonntag frei gehabt, aber ich konnte meinen freien Tag auf den Mittwoch verlegen. Denn am Mittwoch wollte ich Skifahren gehen! Das Skigebiet ist nur etwa 20 Minuten mit dem Auto entfernt - Blue Mountain. Wobei es sich nicht unbedingt um einen "mountain" handelt - es ist eher ein "hill" wie die Schwäbische Alb. Da es die Tage zuvor warm war, war ich in Sorge um die Schneebedingungen. Weil alle Pisten künstlich beschneit werden, war teilweise schon eine dicke Eisschicht vorhanden, welche recht gut präpariert waren. Nur in den ganz steilen/schwarzen Hängen war brauner/dreckiger Schnee zu sehen. Aber nochmal einen Schritt zurück. Da ich keine Skiausrüstung in Kanada habe, musste ich mir das Zeug leihen. Die Skihose und Jacke, sowie Brille und Sturmhaube habe ich von Linda (Zeug von ihrem Sohn) geliehen bekommen. Ski, Skistiefel und Helm musste ich dann im Skigebiet noch leihen. Da wir schon um 8 Uhr losgefahren sind, war der Andrang noch nicht sehr groß und alles ging sehr schnell. Der Tagesskipass und das Ausleihen waren in Summe 145,77 CAD. Linda zückte ihre Kreditkarte und zahlte die umgerechnet etwa 100€. Bockstark! Und sie steckte mir noch 25$ für das Mittagessen. Ein toller Tag - und völlig kostenlos für mich! Laut meiner Skitracker App legte ich insgesamt 107,9 km zurück. 58,5 auf den Ski und 45,1 Kilometer in den Sesselliften - die restliche Distanz bin ich gelaufen, wobei man auch eine Messtoleranz beim GPS bedenken muss... Nach insgesamt 51 Abfahrten, mit einer Mittagspause dazwischen, war der Skitag auch schon wieder vorbei. Ich hab den 8 Stunden Skipass voll ausgenutzt, da Verletzungen aber äußerst ungünstig wären, reizte ich die Ski und meine Beine nicht bis zum Sturz aus. Top-Speed unter 70km/h. Auf den schwarzen Pisten (most difficult und experts only) waren sehr wenige Leute und der Lift war quasi leer, wodurch ich keine Zeit mit Anstehen verbracht habe. Top! Beschneit wird auch während des Tages, wodurch man an manchen Stellen durch eine Wand aus Schnee/Wasser/Eis fahren und anschließend eine Pause einlegen muss, um das Eis von der Skibrille zu entfernen. Als es dunkel wurde gingen die Flutlichter an und ich hatte noch ein paar Abfahrten bis ich erschöpft im Tal stand und meine Skiausrüstung zurückgab. Nachdem ich noch eine halbe Stunde im Starbucks verbracht habe, und zuvor durch die Blue mountain village gelaufen bin, hat mich Linda wieder abgeholt.
Der nächste Morgen war grausam und das Bewegen viel nicht leicht... Nach dem täglichen Tierrundgang half ich bei Linda & Paul im Haus aufräumen und putzen und bei dem anschließenden Dekorieren für Weihnachten. Dies beinhaltete ungefähr 50 Nussknacker in einer Größe von 10cm bis circa einem Meter auf der Treppe im Wohnzimmer zu verteilen - da kann man jetzt nicht mehr laufen. Der Weihnachtsbaum ist riesig und wird morgen dekoriert. Bis dahin steht aber noch eine ganze Menge Arbeit an... Das Haus ist wirklich noch größer als zunächst gedacht - heute hab ich das Kino, einen Raum mit einem Poolbillardtisch und eine Sauna gefunden... und überall ist Unordnung :D! Mal schauen, ob das bis Weihnachten noch was wird.
21.12.2017
Am 23.12. und 24.12. hatte ich frei und konnte mich vollständig vom Skifahren erholen. Pünktlich zum Heiligen Abend kam dann ein Schneesturm, welcher bis in die späten Morgenstunden des 1. Weihnachtsfeiertages anhielt. Zum Abendessen gab es Raclette. Essiggurken, Silberzwiebeln, Rote Beete, Chicken, Beef und mehr wurden mit geschmolzenem Käse überzogen. Lecker! Vor lauter Essen kann ich mich gerade nicht mal mehr an den Nachtisch erinnern.... Zur Vorspeise gab es Schrimps mit einem Dip. Neben Linda und Paul waren auch John (Sohn) mit Frau und 14 Monate alter Tochter, Paul Jr. (Sohn), Conny (Freundin/Nachbarin) und Jeremy (neben mir aktuell der andere WWOOFer) anwesend.
Nachdem mein Wecker am heutigen Morgen klingelte, sprang ich aus meinem Bett auf, zog mich an und rannte in den Schnee. In der Nacht fielen ca. 20cm und in den nächsten Stunden kam nochmal einiges dazu! Die Rentiere waren sehr glücklich und voller Schnee/Eis - die Pferde ebenfalls mit Eiszapfen versehen. Durch die starken Windverwehungen kamen teilweise über 50cm Neuschnee zusammen und es wird immer kälter. Laut Wetterbericht ist es die nächsten Tage in Teilen Ontarios kälter als am Nordpol. Da über Weihnachten keine Gäste im Inn sind, war der Rest des Tages eher wie ein freier Tag. Um halb elf ging es zum Frühstück in der Homefarm. Dazu mit Champagner und O-Saft angestoßen und die ersten Geschenke überreicht und anschließend gab es Waffeln mit Erdbeeren und Heidelbeeren, sowie Schlagsahne und eigenem Ahornsirup. Anschließend: Schneeschippen.
Um 1:30 kam dann Paul Jr. und ich ging mit ihm Schneeschuhwandern. Nach über 1,5h durch den Wald und durch kleine Bäche stapfen kamen wir, nach ein paar Pausen, wieder zum Ausgangspunkt zurück. Während dieser Zeit haben wir nicht mal das Privatgelände verlassen... ein abartig großes Grundstück!
Und zurück zum Essen: Truthahn gab’s zum Abendessen. Nachtisch: Käsekuchen. Zurück zum Schnee: Die nächsten Tage werden nochmal mindestens 30cm erwartet.
25.12.2017
Die letzten Tage in Kanada waren sehr kalt. Da über Weihnachten keine Gäste im Inn waren, ging ich in den Outdoor Hot Tub. Traumhaft! Umgeben von ganz arg viel Schnee und Eis, sowie einer Außentemperatur von -20°C an der Luft und +41°C im Wasser. Auch die Düsenfunktionen waren sehr entspannend und nach einigen Sekunden gefroren die abstehenden Haare - nach ca. 10 Minuten hatte ich dann einen Eiskalten Kopf und musste immer wieder untertauchen. Das abschließende sich aus dem Wasser bewegen viel unglaublich schwer ... da will man wirklich nicht lange im arschkalten Wind stehen!
Der Mittwoch war mein letzter Arbeitstag auf der Farm und in der Nacht kam jede Menge Schnee (ca. 15cm) zum Schippen. Da das Inn nach Weihnachten voll ausgebucht ich, checkten heute sehr viele Gäste ein, weswegen alle beim Räumen und Präparieren der Wege und Straßen halfen. Anschließend fuhr ich mit Linda in die Stadt - mit der Absicht Stiefel zu kaufen. In einem Farmer Store (Canadian Tire) fand ich nach einer Weile zwei geeignete Paare und entschied mich dann für die teureren mit einer Komfort Zone von bis zu -74°C (laut Etikett). Zudem legte ich mir recht teure aber auch hochwertige Handschuhe zu. Nach kurzen Komplikationen mit allen meinen Giro-/Kreditkarten ging es noch eine gute Stunde nach Collingwood mit Stopp: KFC zum Mittagessen.
Zurück auf der Farm stopfte ich alles in die Waschmaschine und anschließend in den Trockner, um am Abend mein Zeug packen zu können. Aufgrund der neuen Stiefel musste ein paar Schuhe mehr in den Koffer gequetscht werden - ich hoffe ich hab nichts vergessen.
29.12.2017
Am Donnerstagmorgen um 8:15am fuhr mich Linda nach der Verabschiedung nach Collingwood. Über eine Stunde zu spät kam dann mein Greyhound Bus nach Toronto. Fahrtdauer: um die 3 Stunden... Dort angekommen kurz zum Subway gegangen und anschließend in den Megabus eingestiegen. Sitzplatzreservierung auf Sitz Nr. 1 bedeutete für mich in einem Doppeldeckerbus im oberen Deck in der ersten Reise zu sitzen und die Aussicht während der Fahrt genießen - zudem hab man auch einen größeren Fußraum und eine kleine Ablagefläche. Mein Nebensitzer war ein 25 jähriger Kevin aus Texas, welcher in NYC studiert und über Weihnachten seinen Cousin in Toronto besucht hat. Mit ihm hab ich mich einen großen Teil der Fahrt über diverse Themen unterhalten. Durch einen Stau vor Hamilton verzögerte sich auch diese Busfahrt. Nach 3h erreichten wir die Grenze zu den Vereinigten Staaten von Amerika am Immigration office Fort Erie, nachdem wir über die Peace Bridge gefahren sind. Dort mussten wir im Bus einige Minuten warten auf Anweisungen und anschließend alle mit all unserem Gepäck den Bus verlassen und in einen Raum mit ganz vielen Grenzpolizisten und Kofferscaner undso gehen. Dort ging es für alle recht schnell wieder raus. Außer für mich... Da ich kein ESTA habe, musste ich mein Zeug auf einem grünen Papier angeben und dem Herrn am Schalter sowas wie den Grund meiner USA Reise, mein Ausreisedatum, meine Adresse in den USA, etc. mitteilen. Der Officer war recht witzig drauf, stempelte ein Paar Mal in meinen Reisepass, ich musste 6$ zahlen (anstatt 14 für ESTA) und mein Gepäck wurde gescannt. Da alle anderen schon seit über 10 Minuten wieder im Bus waren, ging es nach meiner Ankunft direkt weiter :).
Anschließend Stopps in: Buffalo, Rochester und Syracuse. Die Scheiben im Bus beschlugen mit der Zeit und da es auch im Bundesstaat New York sehr kalt ist gefror die Scheibe von Innen... nach zahlreichen Eiskratzversuchen und anschließendem Wiedergefrieren deutete ich das als guten Zeitpunkt um versuchen zu schlafen. War aber nicht so erfolgreich. An der gefrorenen Scheibe spielte ich mit Kevin ein paar Runden TicTacToe und anschließend bestand unser Abendessen aus zwei Tafeln Schokolade, einer kleinen Tüte Chips, einer Praline, zwei Fruchtgummis und einem Kokosnuss-Ananas-Drink. Die Fahrt zog sich eeeewig hin und der einzige Stopp, an dem wir aussteigen konnten war Syracuse um 10pm. Dort hatten wir 20 Minuten Zeit, um beim Subway was zu bekommen, aufgrund der Schlange hat es für mich aber nicht mehr gereicht - Der sehr nette Kevin hat seinen Sub dann mit mir geteilt! Im Letzen Teil der Fahrt wurde es dann sehr ruhig im Bus und viele konnten schlafen. Die Busfahrt dauerte über 13h und ich kam um kurz vor 3am in NYC an.
Dort wartete ich auf Moritz, welcher in der 5. und 6. in meiner Klasse war, bis er nach NewYork gezogen ist. Meine neuen Stiefel und Handschuhe sind sehr warm und so stand ich ne knappe halbe Stunde ohne zu frieren :). Über seine Ankunft freute ich mich natürlich trotzdem! Eigentlich wollte er ein Uber nehmen, da aber sein Handy bei Temperatur: arschkalt den Geist aufgegeben hat, mussten wir halt die Subway nehmen. Zwei Blocks mussten wir dann noch laufen, um seine Wohnung zwischen dem Central Park und Hudson River zu erreichen. Im 8. Stock angekommen zeigte er mir grob die Wohnung und führte mich in das Zimmer seiner Schwester, welche gerade in Deutschland ist. Dort werde ich die nächsten Tage schlafen. Das Zimmer ist sehr klein - ich würde schätzen 6-7 Quadratmeter - allerding habe ich auch noch ein kleines eigenes Bad mit Dusche und WC. Die Matratze ist sehr bequem und die Wohnung sehr modern und platzsparend eingerichtet. Um halb fünf bin ich dann glaub eingeschlafen. Um elf rum gab es Frühstück und anschließend ging ich mit Moritz raus.
Ein Wochenticket für Bus&Bahn erwarb ich mit ganz vielen Münzen und ein paar Scheinen, welche ich aus Deutschland mitgebracht habe. Ich bin noch sehr verwirrt vom Straßen und U-Bahnnetz undso, aber das wird schon noch... :). Wir waren auf einem Weihnachtsmarkt und entschieden uns für Raclette zum Mittagessen, wobei es sich eher um ein Sandwich handelte, welches mit ganz viel Käse sehr lecker schmeckte. Zahlen kann man übrigens mit Kreditkarte. Ein kurzer Abstecher zur Grand Central Station und in der New York public libary. Dann wollten wir aufgrund der Kälte in ein Museum, vor dem Museum im Central Park war dann aber eine sehr lange Warteschlange und wir beschlossen eine Pause bei ihm zuhause einzulegen.
Dort schauten wir Dr.Strange auf Netflix und gingen danach wieder raus. Am Times Square blinkten die Werbelichter der Nacht und die Vorbereitungen auf die Silvesterparty laufen. Gegessen haben wir in einem sehr kleinen Thai-Restaurant. Weinend habe ich nach einer Serviette gefragt, aber die Suppe mit Meeresfrüchten war sehr gut! Jetzt bin ich wieder im Bett und bin müde. Diese Kombination bedeutet: schlafen.
30.12.2017
Am Samstagmorgen planten wir beim Frühstück den heutigen Tag und buchten schließlich Tickets für das National 9/11 Memorial and Museum für 1:30pm. Dank einer Baustelle in der Subway, kamen wir einige Minuten zu spät, mussten aber aufgrund unseres Online Tickets nicht mehr in der Schlange anstehen und konnten direkt durch die Sicherheitskontrolle. Die Jacken konnte man dann wenigstens kostenlos an einer Garderobe abgeben und anschließend liefen wir durch Unterirdische Museum. Am Anfang sah für mich alles sehr beeindruckend aus und die großen Wasserwürfel zeigen den ursprünglichen Grundriss der Twin Towers. Nach einer Weile machte sich dann Wut und Machtlosigkeit in mir breit. Die Konfrontation mit den tausenden Toten an diesem Tag direkt über und neben mir ist sehr gut aufgearbeitet und das Museum auf jeden Fall die ca. 20€ Wert!
In dem Hauptteil des Museums durfte man dann keine Bilder machen - ich denke wegen Copyright und Respekt gegenüber der Opfer. In diesem Teil lief man dann wie an deiner Zeitlinie in Kurven an Bildern, Videos und Texten, sowie Fundstücken und zerstörten Rettungsfahrzeugen vorbei. Die Videos vom Einschlag der Flugzeuge, von Menschen die aus über 80 Stockwerken runterfallen oder dem Zusammensturz der Tower sind deprimierend. In diesen Räumen gab es auch Taschentuchspender. Auch der Hintergrund der Al-Qaida Terroristen wird dargestellt und man stellt sich die Frage was wäre wenn Fragen. Nach dem zeitlichen Durchlaufen der Ereignisse gab es noch Ausstellungen zu der Zeit vor und nach dem Anschlag. Dazu gab es auch originale Sprachaufnahmen, Vermisstentexte und mehr.
Nachdem wir rausgegangen sind schauten wir uns noch das Memorial von außen an und gingen schließlich in das neue One World Trade Center, warteten ca. eine Stunde auf einen freien Tisch und aßen schließlich Pizza mit sehr guter Aussicht. Nach einem Abstecher bei Moritz zuhause gingen wir zu einer Freundin von Moritz und verbrachten den Abend mit einem Spiel, Snacks und Getränken in einem Apartment direkt am Central Park. Am nächsten Morgen gingen wir heim und um 11 gab es dann Frühstück. Da Moritz gerade Bewerbungen für die Uni schreiben muss, hatte ich Zeit für meinen Blog. Nachher gehen wir nach Chinatown - wir wissen aber noch nicht, was wir gegen Mitternacht machen werden.
Ich bin noch bis einschließlich 04.01. in NYC, fahre dann wieder mit dem Bus nach Toronto und verbringe dann eine Woche in Bolton, Ontario bei einer Verwandten einer guten Bekannten. Danach fliege ich zurück in Richtung kanadische Westküste mit Zwischenstopp Vancouver und Ziel: Whitehorse, Yukon. Dort ist meine nächste Farm! Ich freue mich sehr auf die nächsten Monate bei Durchschnittstemperaturen unter -20°C Eisfischen zu gehen und die Polarlichter zu beobachten
Euch allen viel Spaß heute Abend und einen schönen Jahreswechsel!
31.12.2017
In Chinatown liefen wir herum und besuchten unter anderem einen kleinen Tempel. Die größte Chinesische Gemeinde Nordamerikas macht dieses Gebiet wirklich zu einem krass unterschiedlichen Straßenbild. Viele kleine Läden mit Gewürzen, Snacks, Fisch, Fleisch oder Souvenirs wechseln sich ab mit chinesischen Restaurants und in vielen verwinkelten Kellerhalbgeschossen werden Massagen angeboten. Wir besuchten einen Süßigkeiten Laden und konnten uns durch verschiedene Süßigkeiten oder sowas wie getrockneten Fisch testen. Ich legte mir eine Tüte mit getrockneten und gezuckerten Früchten und Moritz eine mit Bonbons zu. Anschließend liefen wir herum, kamen aber bald wieder zurück, da ein Freund von Moritz ebenfalls in Chinatown war und denselben Süßigkeiten Laden besuchte. Der Plan für den Jahreswechsel - mittlerweile noch knapp 9h bis Mitternacht - war übrigens immer noch nicht vorhanden. Zu Abend aßen wir dann relativ früh im "Red Egg". Dort kann man aus Menüs auswählen oder sich sein eigenes Menü zusammenstellen, wodurch ich mich ein bisschen durch die chinesische Küche essen konnte. War ungewohnt aber gut und der Nachtisch, eine junge Kokosnuss mit Kokospudding gefüllt, war überragend! Danach ging es wieder in die 99th Str. und wir warteten auf einen Plan für die Nacht.
Die sehr spontane Planung geriet gegen 20 Uhr nochmal ins Schwanken, letztendlich ging es aber zu einem Freund von Moritz in der 125th Str. im 26Stock. Dort hatten wir eine hervorragende Aussicht über den Central Park und konnten dahinter die Downtown erkennen - da sich das Apartment fast über ein ganzes Stockwerk erstreckte war das Panorama dementsprechend gut. Es hatte auch einen Pooltable und im Allgemeinen sehr viel Platz - es waren glaub 10 Leute da. Um Mitternacht schauten wir in den TV und konnten das Feuerwerk am Times Square mit einer unglaublichen Menschenmenge beobachten. Das Feuerwerk im Central Park war aus dem Fenster gut zu sehen, jedoch ist das Feuerwerk im Vergleich zu der Größe der Stadt ein Witz. Angestoßen haben wir mit drei Flaschen sehr teurem Champagner. Nach einer Weile wollten einige noch in Clubs gehen und ich ging mit Moritz und der anderen Hälfte mit einem Uber in eine Bar. Anschließend in einen Kuchenladen, wo wir duzende Ballons mitgenommen haben, und zum Schluss noch zu einem anderen Freund von Moritz nach Hause. Dort mussten wir allerdings leise sein und blieben nicht allzu lange, bis wir um kurz vor 5 die Subway nach Hause nahmen wo ich sofort einschlief.
Das Aufwachen war dann kein soooo gutes Gefühl und nach dem Frühstück blieb ich noch bis 4pm im Ruhemodus. Da Moritz sich wieder um die Universitäten kümmern musste, ging ich anschließend bei Sonnenuntergang zum Hudson (ca. 1 min Fußweg) und lief sehr weit runter, wobei es am Wasser sehr kalt war. Ich lief zum Columbus Circle, dann besuchte ich den Trump Tower, kam anschließend beim Rockefellercenter vorbei und genoss die Weihnachtsbeleuchtung und ging dann zur UNO. Diese hat mich allerdings nicht so beeindruckt (unter anderem weil halt keine Flaggen wehten) aber auch den Rest habe ich mir größer vorgestellt. Dann hat auch mein Handy Akku den Geist aufgegeben, aber ich schaffte es irgendwie zur U-Bahn. Am Chelsea market traf ich dann Moritz und wir aßen Taco. Dort trafen wir Morgan und verbrachten daraufhin noch einige Zeit in seinem Apartment.
Auch die letzte Nacht war länger als geplant und ich ging am 2.1. müde durch den Central Park spazieren, um zum Metropolitan (kurz: Met) Museum zu gelangen. Die Warteschlange zog sich sehr lange und ich verbrachte ungefähr 1h mit Warten um Tickets zu Kaufen und meine Jacke an der Garderobe abzugeben. Das Met ist abartig groß und ich begann einfach mit dem Flügel der römischen und griechischen Geschichte. Ich war sehr überrascht, dass ich immer noch Zeug auf Latein lesen kann, verbrachte allerdings zu viel Zeit damit und ging anschließend zügiger weiter. Die Räume waren sehr unterschiedlich klimatisiert und die Raumaufteilung sehr verwirrend. Ausstellungsstücke aus Afrika oder Südostasien sahen sehr interessant aus. Ein weiterer großer Teil über die amerikanische Geschichte war mit verschiedensten Räumen und interaktiven 3D Karten ausgestattet - Super Art & Weise die Geschichte aufzuarbeiten und zu zeigen! Auch der ägyptische Flügel war sehr interessant, allerdings waren einige Räume aus irgendwelchen Gründen geschlossen. Gegen Ende besuchte ich noch die Galerie zu europäischen Gemälden und erinnerte mich an meine Zeit im Kunstunterricht. Unter anderem Vincent van Gogh oder Rembrandt van Rijn in Originalen zu sehen war überragend! Vor allem in diesen Räumen war sehr viel Security und ich wurde rausgeschmissen, weil die Galerien schon um 17:15 Uhr schließen. Da Moritz dann Feierabend hatte trafen wir uns und kehrten im Baohouse ein, liefen ein bisschen herum und legten uns Cookies zu.
Am nächsten Morgen plante ich meinen Tag und buchte Tickets für "The Top of the Rock" für 2:15pm. Bis dahin ging ich ins Museum of Modern Art (MoMA) und sah sehr interessantes Zeug - Kunst oder auch nicht... Die Ausstellung von Cindy Sherman, welche wir in der Schule ausführlich behandelt haben, war allerdings nicht mehr da - oder ich habe sie nicht gefunden. Um auf das Rockefeller Center zu gelangen musste ich noch eine Weile in der Schlange anstehen und auf den Aufzug warten. Oben angekommen lief ich herum und machte sehr viele Fotos. Als ich einen sehr schönen Platz gefunden habe, wartete ich an dieser Stelle über eine Stunde auf den Sonnenuntergang, wobei ich die letzten Sonnenstrahlen sehr genoss. Das Wetter war sehr gut, was bedeutete fast keine Wolken und recht klare Sicht in alle Richtungen. Als alle Lichter angingen stellte ich mich in die Warteschlange und konnte nach knapp 30 min wieder den Aufzug nach unten nehmen. Auch heute traf ich mich anschließend mit Moritz und er zeigte mir unter anderem Flatiron, die Wallstreet und den Battery Park. Zum Abendessen gingen wir zum Shake Schak nahe des World Trade Centers und ich genoss einen Burger, Bacon Cheese Fries und einen saltet caramel Shake.
Zurück Zuhause angekommen schauten wir TV. Als ich meine E-Mails checkte erfuhr ich, dass mein morgiger Bus aufgrund des Schneesturms storniert wurde... Dann verbrachte ich den Abend damit einen anderen Bus zu buchen und fahre jetzt mit Greyhound - dieser fährt heute hoffentlich, da es kein Doppeldecker ist oder was auch immer - Bis jetzt habe ich noch nichts anderes mitgeteilt bekommen. Draußen sieht es allerdings sehr ungemütlich aus, wobei man außer Schnee eigentlich wenig bis gar nichts sieht. Meine Wäsche ist gewaschen und mein Koffer gepackt. Wenn der Bus heute Abend aber nicht fährt, kann ich auch nochmal bei Moritz schlafen.
04.01.2018
Bis ich zum Bus gehen konnte musste ich noch ein bisschen warten und spielte mit Moritz Risiko auf dem IPad. Meinen Koffer über die Mischung aus Schnee und Salz zu tragen war anstrengend, aber ich kann mich ja die nächsten Stunden ausruhen. Das Busterminal war mit der U-Bahn Station verbunden und ich reihte mich zum Boarding ein. Im Bus wählte ich mir einen Fensterplatz und organisierte mein Zeug unnatürlich lange, sodass die Wahrscheinlichkeit einen Nebensitzer zu bekommen nicht allzu hoch war. Da der Platz sehr begrenzt ist und ich mit vollem Rucksack, Kissen, Jacke, Schal, Mütze und Handschuhe sehr viel Zeug dabei habe, war ich unglaublich froh in einem nicht ausgebuchten Bus zu fahren. So blieb der Platz neben mir frei, wobei es trotzdem noch recht eng war... Ich verließ den Bus anschließend nur für eine kurze Pause beim Burger King und an der kanadischen Grenze. Die Fahrt dorthin hat sich in Teilen sehr rutschig angefühlt. An der Grenze mussten wir wieder kurz warten und dann wieder alles aus dem Bus mitnehmen. Ich war diesmal einer der Ersten und musste nur meinen Pass und mein Arbeitsvisa vorzeigen, kurz mit dem Officer reden und konnte anschließend wieder zurück in den Bus. Aufgrund meines Visa habe ich nicht mal einen neuen Stempel in meinen Pass bekommen - so wird der ja nie voll... #Papierverschwendung :(.
Mit 1,5h Verspätung kam ich um 7:30 in Toronto an. Ich steckte meinen Koffer in ein Schließfach und wollte zum Sonnenaufgang zum Wasser runter laufen. Der Weg war länger als gedacht und es war arschkalt - laut Wetter App gefühlte -30°C. Der See war dann weitestgehend zugefroren und teilweise mit Schnee bedeckt, weshalb sich das Sonnenlicht sehr schön reflektierte. Zum Aufwärmen ging ich in einen Tim Hortons und genoss zwei Donuts und eine heiße Schokolade, welche leider auf Wasserbasis war... Im Wifi eingeloggt konnte ich mit Elke schreiben, welche sich auf den Weg zur Yorkdale Mall machte, um mich abzuholen. Also hurtete ich in Eiseskälte zurück zum Schließfach und nahm anschließend die U-Bahn für 2CAD.
In der Yorkdale Mall musste ich dann nur noch ein paar Minuten warten. Elke ist eine Verwandte einer guten Bekannten und sie lebt in Kanada. Bei ihr und ihrer Familie (Mann und Sohn - Tochter ist in London) durfte ich die nächsten Tage bleiben und wurde sehr freundlich aufgenommen. Auf dem Weg nach Bolton fuhren wir noch zu einem Outdoorzeug Laden und ich fand eine Jacke, welche hoffentlich geeignet ist für Whitehorse. Sie war im Sale, zudem legte ich mir noch eine Skihose zu, welche auch im Angebot war. Dadurch, dass der Euro aktuell so stark ist, war der Einkauf recht günstig. In Bolton angekommen wurde mir kurz das Haus und mein Zimmer gezeigt, bis der Tag nach einer Dusche endete. Ausschlafen war dann nötig und am Nachmittag kam Marius den kurzen Weg aus Aurora auf einen kurzen Besuch. Am nächsten Tag ging er dann mit Elke und mir Skifahren - Crosscountry skiing. Der Sonntagmorgen fühlte sich dann nicht mehr so kalt an, wie die letzten Tage, allerdings sind Temperaturen unter -10°C immer noch frostig. Wir packten und warm ein und fuhren wenige Minuten mit Ziel: Albion Hills Conservation Area. Elke hat ihre eigene Ausrüstung und aufgrund ihres Familienpasses kamen wir kostenlos in den Park. Dort mussten Marius und ich dann nur noch das Ski Zeug ausleihen. Ich benötigte Schuhgröße 44, was mich wieder beunruhigte, denn eigentlich hab ich 42... Auch beim Kauf der Jacke vor ein paar Tagen war meine normale Größe zu klein. Die Ski waren dann 2 Meter lang und die Stöcke gingen bis unter die Achseln. Einklicken muss man über eine kleine Metallstange an der Schuhspitze - die Schuhe sind übrigens sehr bequem und nicht so klobig wie Skistiefel - und die ersten Meter waren sehr ungewohnt. Da ich bisher nur Downhill Ski gefahren bin vermisste ich die Kanten an den dünnen und langen Latten. Wackelig und langsam bewegten wir uns fort, gewöhnten uns aber an die Bedingungen und genossen das Workout in Wald. Um die 8 Kilometer legten wir auf den einfachen Pisten an diesem Tag zurück bis wir das Skizeug zurückgeben mussten. Abends fiel das Laufen schwer und wir saßen gemütlich bei Elke am Tisch und im Wohnzimmer. Es war ein super Tag! Da Marius montags arbeiten muss, machte ich mich diesmal nur mit Elke auf den Weg zum Skifahren. In der Nacht hat es geschneit, weshalb wir uns super Bedingungen erhofften. Im Park angekommen begegneten uns allerdings einige enttäuschte Skifahrer, da der Schnee aufgrund der Temperaturen um den Gefrierpunkt unten an den Ski klebt - wovon wir uns aber nicht abhielten ließen. Auch heute musste ich wieder die Ski ausleihen, welche wir anschließend mit Wax präparierten. Die 20-30 Minuten waren aber definitiv wert, da der Schnee bei uns anschließend nur ganz leicht hingeklebt ist. In den Spuren zu fahren war dann angenehm und auch die Berge kam ich heute schon besser hoch als gestern. Wir wagten uns an die längeren Strecken und waren nahezu alleine auf den Pisten. Da an manchen Stellen ein Supergenie die Spurrinnen zerstörte und damit lockerer Schnee unter unsere Ski kam, klebte sich dort Schnee unter uns fest, was das Fahren/Laufen sehr ruckelig machte und stark erschwerte. Anstrengend war es auch heute und die Bedingungen waren gestern definitiv besser. Dienstag war mein fauler Tag und ich verließ nicht mal das Haus.
Mittwochmorgens fuhr uns Alfio (Mann von Elke) zur Subway nach Toronto. Wir liefen sehr lange in der Queen Street auf und ab und staunten über viele kleine, spezielle Läden - macht teilweise ein bisschen den Anschein nach einem Hipster Viertel. In dreckigen Hinterhöfen befindet sich dort die Graffiti Alley, mit teilweise schönen Kunstwerken und weitestgehend unlesbaren Schriftzügen. In einem Kaffee gab es "Apple Streusel" und anderes Gebäckzeug - die Aussprache der Bedienung war dann sehr lustig :D. Nach einem kurzen Abstecher in Chinatown und im Kensington Market, liefen wir über Umwege zum Eaton Center. Der Untergrund von Toronto (PATH) läd zum Shopping oder Rumlaufen ein, wobei man Toronto im Untergrund erkunden kann und nicht nach außen in die Kälte muss, um sein Ziel zu erreichen. Zum Schluss betrachteten wir den CN-Tower aus nächster Nähe und konnten durch kleine Fenster ins Rogerscenter hineinschauen. Dort wurde gerade das ganze Stadion mit Sand/Dreck gefüllt und Bagger bereiteten die Kulisse für eine Monstertruck Show vor. In der Union-Station stiegen wir wieder in die Subway zurück.
Eigentlich hätte ich dann schon packen anfangen können, hatte aber keine Lust. Um kurz nach 7pm fuhren wir bei gefrierendem Regen nach Brampton und gingen dort in die Kirche. Der Chor bestand aus 3 Leuten, welche "Linguala" sangen - vielleicht wird es anders geschrieben ist aber die Sprache im Kongo - und wie ein großer Chor klangen. Der Gottesdienst war recht kurz und ich denke ich habe das meiste verstanden. Beim Verabschieden waren Einige besorgt, da ich nach Whitehorse gehe und alle waren sehr offen und nett - ein Großteil der Leute war dunkelhäutig und ergeben einen interessanten Mix in der Gemeinde, was hier allerdings normal ist. Zurück in Bolton musste ich dann noch ein bisschen in die Waschmaschine stopfen und packte dann halt Notgedrungen mein Zeug zusammen.
Am Flughafen war mein Koffer mit 23,3 kg dann zu schwer #NoRiskNoFun und ich musste noch ein Handtuch im Handgepäck mitnehmen... Aktuell bin ich in einer Höhe von 10.972 Metern und habe einen Fensterplatz. Der Sitz neben mir ist leer und ich kann mich ein bisschen mehr Ausbreiten als beim letzten Flug. Die Sicht auf Kanada ist aktuell recht gut und alles ist weiß. Mit Position kurz vor Calgary werde ich demnächst die Rockey Mountains überqueren. Mein Flug ist relativ pünktlich und ich werde in Vancouver genug Zeit zum Umsteigen haben. Final Destination: Whitehorse.
11.01.2018
Das Flugzeug nach Whitehorse war dann vergleichsweise sehr klein. Auch hier saß ich am Fenster und konnte die circa 2,5 Stunden ganz viel Schnee und Berge von oben betrachten. Das Boardentertainment System im Vordersitz war sehr veraltet beziehungsweise gähnend lahm ... Das Auswählen eines Films dauerte dann eine Weile. Gefühlt raste der Pilot mit ungewohnt hoher Geschwindigkeit auf den Flughafen in Whitehorse zu und legte dann eine krasse Bremsung hin. Am Gepäckband stand dann Robert, welcher mich anhand Bildern erkannte. Das Gepäckband sowie der gesamte Flughafen sind ungewohnt winzig :D. Bei -35°C lud ich mein Zeug in den Pick-Up und wir fuhren zum Farmer Store. Der Farmer Robert´s Store ist ein kleiner Bio-öko-regional-Nachhaltigkeit Supermarkt. Da Robert diesen donnerstags um 6pm abschließen muss, gingen wir erst danach weiter zur Farm. Diese liegt so 30 Minuten von Whitehorse entfernt. Robert wohnt mit seiner Frau Victoria und den drei Kindern (James (7), Maja (5) und Henry (2)) in einem großen Blockhaus mit großflächigen Fensterfronten. Mein Zuhause für die nächsten circa 2 Monate ist ein (Garten)Haus mit Küche (ohne Fließend Wasser), einem Bett, einem Stuhl, einem Gasofen, einem kleinen Schrank, einem Bücherregal und einem kleinen Holzofen - und das alles auf ca. 4x5 Metern. Bei einer Außentemperatur von -38°C fühlen sich die 60°F Innentemperatur wie eine Sauna an - Ich könnte die Temperatur von Gasofen hochsetzen, allerdings bin ich bisher mit der Temperatur zufrieden und den Holzofen werde ich in den nächsten Tagen mal befeuern.
Freitagmorgens starteten wir dann um 9am im Dunkeln mit den Hühnern. Robert weiß nicht genau wie viele Hühner er hat, es sind aber einige hundert. Zudem 18 Enten. Und zwei Hunde, um Wölfe, Kojoten und Bären hauptsächlich durch Bellen fernzuhalten. Die Hühner bekommen Wasser und Futter im Morgen und nochmal Wasser am Abend. Das Eiersammeln verärgert die Hühner sehr und es wird recht laut im Stall :D. Liegt ein Huhn tot auf dem Boden wird es rausgelegt - Geierfütterung - und einige Tage später sind nur noch die Knochen vorhanden. Robert ist von England und anschließend war eine Teepause angesagt. Dann ging es wieder in den Farmer Store nach Whitehorse und dort füllte ich das Zeug in der Unverpackt Abteilung auf. Das Wifi auf der Farm ist übrigens stark begrenzt und der Empfang in meiner Hütte sehr madig, weshalb hauptsächlich der Store als Internetzugangspunkt genutzt wird.
Der erste Arbeitstag war okay und am Wochenende hab ich mehr oder weniger frei - muss nur die etwa eine Stunde für die Hühner aufbringen. Dann gingen Robert, James, Henry und ich in das Sportcenter von Whitehorse, besuchten dort das Hallenbad und genossen das warme Wasser, während es draußen leicht schneite. Zurück auf der Farm wurden die Kinder dann wieder verrückt und tobten, schrien, rannten im Haus herum - auch das Essen war chaotisch :). Dann wurde es immer wärmer draußen :( Am Sonntag konnte man sich dann ohne Jacke um die Hühner kümmern ... und die Polarlichter letzte Nacht habe ich verschlafen.
Am heutigen Montag ist nur noch sehr wenig weiß zu sehen und alles ist eisig rutschig oder matschig dreckig ... Mit dem Anhänger fuhren wir dann zu einem kleinen Schlachter und beluden den Pick-Up mit 4 Schweinen, welche wir im Farmer Store ins Kühlhaus legten. Im Store wird täglich ein Selbstbedienungsmenü angeboten an welchem ich mich immer bedienen kann. Außerdem kann ich alles aus dem Store mitnehmen was ich will - außer Süßigkeiten. Beim Verräumen der Lieferung von lediglich 4 Paletten sind dann alle in Hektik ausgebrochen und ich hab beim Regale Auffüllen geholfen. Die heutige Höchsttemperatur von +7°C ist hier zu dieser Jahreszeit sehr ungewöhnlich und verunsichert mich - wo soll ich denn sonst hingehen um einen richtigen Winter zu erleben, wenn nicht in Yukon ... Der Kommentar von Robert, dass bei diesen Temperaturen möglicherweise die Bären aufwachen, war so kurz vor der Nacht nicht besonders hilfreich :D - meine Hütte ist übrigens direkt am Waldrand.
15.01.2018
Die Schweine lagen dann zwei Nächte im Kühlhaus bis Robert und ich sie zerlegt haben. Jeweils einen Sägeschnitt hinter der Schulter und einen nach den Rippen. Robert hat das Filet rausgeholt und ich hab mit ein bisschen Fleisch von überall Schweinehackfleisch gemacht, verpackt, etikettiert und ins Tiefkühlfach gelegt. Am Donnerstag hat Robert dann den Bacon rausgeschnitten und ich habe ihn mit Salz eingerieben. Insgesamt drei verschiedene Geschmacksrichtungen: Salz, Salz + Brauner Zucker, Salz + Anis - mal schauen ob das nachher schmeckt. Die nächsten 5 Tage ist es dann meine Aufgabe den Salz-Fleischsaft wegzuschütten und ein bisschen nachzusalzen. Dann wird das Salzzeug abgewaschen und der Bacon ruht weitere 5 Tage, bis er fertig ist. Ich bin ziemlich gespannt den frischen und selbstgemachten Bacon zu probieren :).
Im Farmer Store muss ich jetzt auch an der Kasse arbeiten. Das Kassensystem ist einfach und intuitiv bedienbar. Der Umgang mit einer anderen Währung ist seeehr ungewohnt, da ich bisher das Meiste mit Kreditkarte gezahlt habe... Neben der Kasse mache ich aktuell auch die Preisauszeichnung - da bei vielen Artikeln die Etiketten fehlen.
Einmal war ich abends in einem Restaurant zum Burger Essen. Die restlichen Abende aß ich mit Robert, Victoria und den drei wilden Kindern auf der Farm.
Nachdem ich den halben Freitag im Store verbracht habe, ging ich mittags am Yukon River spazieren bzw. hab versucht auf den eisigen Wegen nicht hinzufallen. Am Samstagmorgen musste ich mich sehr schnell um die Hühner kümmern, denn wir mussten um 10am in Whitehorse sein und den Store aufmachen, da eine Mitarbeiterin am Morgen krank absagte. Frühstück hatten wir dann erst im Store - Bacon, Eier und Brot. Robert hat danach den Schweineschinken eingenetzt und in irgendeiner Lake eingelegt. Heute habe ich frei und verbringe den Tag im Store an meinem Laptop im schnelleren Wifi. Hier ist der Winter wieder zurück - die letzten Tage hat es sogar leicht geschneit.
21.01.2018
Das Schweinehackfleisch haben wir am Abend aus der Gefriertruhe geholt und ließen es über die Nacht zum Dienstag auftauen. Am nächsten Morgen war es dann noch ein bisschen eisig und genau richtig um Würste zu machen. Auf 50lbs Schweinehackfleisch kommen 1.7 Kilogramm Brotkrümel und 215 Gramm (3/4 cup) Salz. Sowie 10 tsp Salbei und je 5 tsp Thymian, mace (vielleicht kann jemand rausfinden was für ein Gewürz das ist/und-oder mir die deutsche Übersetzung mitteilen *** für mich wurde herausgefunden, dass es sich bei "mace" um die Muskatnussblüte handelt. Danke dafür ***), Muskatnuss & Pfeffer. So sagt es das vorliegende Rezept für "Lincolnshire Sausage". Die Naturdärme sind in Wasser eingelegt um sie geschmeidig zu machen. Das Hackfleisch und das restliche Zeug mit einem sehr großen Rührgerät gemixt und in den großen Wurstpressbehälter gefüllt - möglichst ohne Lufteinschlüsse. Die Därme überzustülpen war recht zeitaufwändig - unter anderem auch deswegen, da die circa 10 Därme gefühlt tausendfach miteinander verknotet waren... Die Wurstpresse ist rein mechanisch und über eine Kurbel bedienbar. Ein paar Stellen der Därme platzen auf oder wir versagten mit der Geschwindigkeit - die fehlerhaften Würste mussten dann natürlich von uns probiert werden und waren sehr lecker. Die selbe Sorte Wurst haben wir in einer dickeren und einer dünneren Version produziert und ich hab sie anschließend vakuumverpackt und etikettiert. Die Organe der Schweine habe ich gemixt und verpackt - werden den Hunden gefüttert, da hier keiner Interesse daran hat es zu kaufen.
An einem anderen Tag kam eine Alkohollieferung und ich hab das Weinregal aufgefüllt. Wiederum an einem anderen Tag stellten Robert und ich uns der Herausforderung das Warenhaus (mehr oder weniger ein Lager oder eine sehr große Garage) aufzuräumen. Werkzeuge, Maschinen und alles Mögliche sind überall auf dem Boden oder in Regalen verteilt und es war unmöglich alles an einem Tag zu schaffen. Somit wurde der Rest auf unbekannte Zeit verschoben.
Die letzten knapp zwei Wochen probiert Marvin (arbeitet in der Küche) verschiedene Kuchenrezepte aus und lässt alle probieren - bisher fast immer mit sehr positivem Feedback. Nur irgendein englisches Gebäck war staubtrocken :D.
Im Vorraum zum großen Kühlhaus habe ich die zwei Regale aufgeräumt und das willkürlich verteilte Zeug (Beutel, Handschuhe, Papier, Etiketten, Stifte, Messer, Sägeblätter, Maschinenteile, Gewürze, u.v.m.) in Ordnung gebracht sowie Kartons beschriftet... Zudem bin ich aktuell dabei das Lager für die unverpackt Abteilung zu organisieren was mich insgesamt um die 3 Tage beschäftigen wird. Auch auf meiner letzten Farm war ein recht großes Chaos - das kann man jetzt jedoch nicht auf die Kanadier schieben, denn sowohl Linda und Paul (Schottland) als auch Robert (England) und Victoria (Schweden - geboren in Korea) sind vor 10-20 Jahren nach Kanada ausgewandert.
Der Bacon war zwei Nächte in den Gefriertruhen verteilt, um ihn gefroren schneiden zu können. Das Schneiden des Bacons von den vier Schweinen beschäftigte uns (in den meisten Teilen war ich jedoch alleine) dann drei Tage lang (schneiden, vakuumverpacken und etikettieren). Währenddessen hat Robert einen Teil des Schinkens genommen und irgendwie mit einer Glasur aus braunem Zucker und Senf gekocht und anschließend irgendwas im Backofen gemacht - vielleicht kann ich noch rausfinden was genau er gemacht hat. Den warmen und frischen Schinken konnte man dann im ganzen Store riechen und er war hervorragend. Nur auf das Putzen der stark in die Pfannen eingebrannter Glasur hätte ich anschließend verzichten können. Beim Bacon sind alle Geschmacksrichtungen sehr sehr sehr sehr lecker. Natürlich gehört auch hier viel probieren dazu - den frisch geschnittenen Bacon UND gebraten auf einem Sandwich, jeden Tag :).
Es ist kalt, aktuell extrem kalt. In der letzten Woche habe ich kochendes/heißes Wasser in die Luft geworfen und es stiegen Unmengen an Wasserdampf auf und das Wasser kristallisierte sofort zu Schnee bzw. erstarrte zu Eis bis es zum Boden fiel - das ganze hab ich bei -29°C auf Videos aufgezeichnet. Heute und Morgen sind vermutlich die kältesten Tage des Jahres. Heute Morgen bekam ich nach nicht mal 5 Minuten draußen Eiskristalle im Gesicht - Autothermometer zeigte -40°C an. Auf der Farm ist es allerdings auch circa 5 Grad kälter als in Whitehorse und diese Temperaturdifferenz fühlt man sehr! James und Maja haben heute neue Ski bekommen und sind jetzt sehr ungeduldig Skifahren zu gehen, allerdings ist es die nächsten Tage zu kalt dazu. Gestern hat ein Wettkampf über verschiedene Distanzen gestartet - ich glaube mit verschiedenen Distanzen so zwischen 20 und 200 Meilen - und ist aktuell unterbrochen, da schon einige mit Frostbites oder anderen Erfrierungserscheinungen ins Krankenhaus mussten. Mir geht es gut und meine Heizung in der Hütte funktioniert bisher zuverlässig.
02.02.2018
Mein 19. Geburtstag am Montag ist der erste ohne das Zusammensein mit meiner Familie gewesen. Meine Volljährigkeit in Kanada begann wie jeder Tag mit den Hühnern und dem anschließenden Arbeiten im Farmer Store. Wir mussten zu einer Bäckerei und dort eine Lieferung abholen. Der Eigentümerin teilte Robert folgendes mit (Ich versuch es so zu schreiben, wie er es gesagt hat): "Das ist Oliver main Woofer aus Deutschland. Und eute ist seins Gebuatstag". Da in den vergangenen Jahren vorwiegend deutsche Woofer auf der Farm waren, wusste ich von den stark begrenzten deutsch Kenntnissen Roberts. Ich war aber sehr beeindruckt über die ersten zusammenhängenden Worte von ihm in deutscher Sprache :D. Die Bäckerei gehört Leuten aus Deutschland und macht unter anderem recht deutsches Brot - lecker. Im Store habe ich die Lieferung verräumt und anschließend bei den nächsten zwei Paletten, welche mit zwei unterschiedlichen Trucks angeliefert wurden, geholfen. In der Mittagspause habe ich sehr kurz mit meiner Oma telefoniert. Ich weiß nicht genau was mein Handyguthaben zuvor war, aber es hat so um die 10€ gekostet - war aber schön euch zu hören Oma und Opa! :) . Dann habe ich mit meinen Eltern geskyped und meine Mutter hat in Deutschland ein Glas Sekt auf mich erhoben. Am Nachmittag wurde ich zur Kasse gerufen und bekam dann ein Happy Birthday gesungen und einen Kuchen. Die Kerze auf dem Kuchen war batteriebetrieben und ich durfte den Schalter als Ersatz fürs Auspusten umlegen :) #Willkommen im 21. Jahrhundert. Der Schokokuchen ist lecker, sehr schokoladig und süß. Nach einem (großen) Stück war dann sogar ich voll (:. Von Robert habe ich dann noch ein in Papier verpackten LEATHERMAN bekommen - bisher das einzige Geschenk, welches ich zu meinem Geburtstag auspacken durfte, da das Paket aus Deutschland noch nicht da ist bzw. möglicherweise im DHL-Shop in Whitehorse liegt. Den Rest vom Kuchen habe ich mitgenommen und die nächsten Tage zum Frühstück verspeist. Auf dem Heimweg haben wir noch einen Anhänger mit 10 Bigpacks Woodchips abgeholt und auf der Farm nur abgestellt. Da es im Moment zu kalt war um den Gabelstapler zu starten haben wir erst zwei Tage später abgeladen. Zum Abendessen habe ich eine Packung Reis & Quinoa Spagetti mit Tomatenmark (war von einem der letzten deutschen, denn es ist von der Edeka Marke "GUT&GÜNSTIG Tomaten Mark") gegessen. In meiner Hütte habe ich den Holzofen angeworfen und musste schwitzend bei 88°F Innentemperatur und -30°C Außentemperatur das Fenster für ein paar Minuten öffnen. Danke für die Glückwünsche und Nachrichten zu meinem Geburtstag.
Im Hühnerstall habe ich es mittlerweile hinbekommen ein Huhn auf meiner Hand sitzend ein bisschen rumzutragen. Der nächste Schritt ist dann die Schulter und dann auf dem Kopf :). Im Laufe der Woche haben Robert und ich ein paar Mal in der Garage am Anhänger für das Snowmobile gearbeitet und die Verbindung neu geschweißt. Eigentlich wollten wir am Freitag dann auf eine Testfahrt rausgehen - es war mit -32°C und Wind dann aber zu kalt und riskant einen ganzen Tag draußen zu sein. Ist vermutlich auf nächste Woche verschoben. Heute half ich im Store aus, da Krischa krank ist. Nach einem kurzen Abstecher im Canada Game Center auf dem Fußballfeld mit James war der Tag dann auch schon fast vorbei. Zu Abend gab es Rippen vom Bison mit knusprigen & fettigen Kartoffeln. In den letzten Tagen habe ich am Abend ein paar verschiedene Whiskeys probiert. Robert gab mir dann einen verachtenden Blick als ich sagte es sei ähnlich wie Schnaps.... :D. Mit meiner kanadischen Volljährigkeit kann ich jetzt auch hier alles machen, kaufen, trinken, essen, etc.
Ich versuche demnächst neue Bilder hochzuladen. Habe bisher aber keine Zeit im Farmer Store gehabt - oder ich hatte meinen Laptop nicht dabei.
10.02.2018
Am Samstag sah ich beim abendlichen Rundgang ein blutendes Huhn und habe es zunächst (wie mit allen blutenden Hühnern) in einen abgetrennten Bereich isoliert. Beim genaueren Betrachten stellte ich dann fest, dass die Haut von den anderen Hühnern aufgepickt wurde und am Oberschenkel aufgeplatzt war, weshalb der Knochen frei lag. Da es mit dieser Verletzung keine Überlebenschance hätte und nur zu Tode leiden würde musste ich es töten und sah es anschließend noch eine Weile zucken.
Zum Frühstück bekam ich einen Pancake mit Ahornsirup von Robert. Anschließend gingen wir mit Maja und Henry zu den Takhini Hot Springs, welche etwa 30 Minuten entfernt sind. Am Ende der Straße ist ein sehr kleiner Parkplatz mit im Moment ungefähr 15 parkenden Autos. Der Eingangsbereich war veraltet und an der Kasse war aktuell kein Mitarbeiter - also zahlten wir erst als wir rausgegangen sind... Die Umkleiden und die Sanitäranlagen sind ebenfalls stark stark stark veraltet und teilweise fallen die Fließen von den Wänden. Aus der Umkleide führt ein schmaler Gang mit Glas und dickem Eis und Eiskristallen – nicht isoliert und mit Lücken bei -23°C in Badehose - zum Wasser. Am Ende des Tunnels kann man sich entscheiden, ob man in das warme oder in das kalte Becken die Treppe hinab steigen möchte - wir entschieden uns einstimmig für warmes Wasser. Die Becken sind dann komplett im Freien und umgeben von Schnee und aufgrund des Wasserdampfes unvorstellbaren Eiskristallen, welche teilweise wie eine große Feder auskristalliert sind. In der Mitte vom Becken strömt aus einem Rohr das heiße Wasser und speist beide Becken, welche durch kleine Türen miteinander verbunden sind. Da kein Filter- oder Reinigungssystem vorhanden ist wird das ganze Wasser am Ende eines jeden Tages abgelassen und neu aufgefüllt - das kann man auch nur machen solange man genug Wasser hat, und die Hydrothermalquelle scheint schon seit langer Zeit zuverlässig zu funktionieren. Da es quasi nur ein Becken ist, in dem man sich aufhalten kann, verbrachten wir nur etwas über eine Stunde dort und mussten anschließend durch den besagten Gang in nasser Badebekleidung wieder zu den Umkleiden frieren. Es war schön warmes/heißes Wasser, allerdings sollte extrem dringend mal renoviert werden...
Dann ging es in ein nahegelegenes Café und dann ins Yukon wildlife preserve, welches ebenfalls nur eine kurze Fahrt entfernt liegt. Wir liefen den kleinst möglichen Rundweg ab und zogen Henry in einem Schlitten hinter uns her. Bei den Elchen am Anfang sagte Robert, dass sie Elche auf dem Grundstück hatten, bis sie die Hunde bekommen haben. Die Wood Bison waren sehr nah und beeindruckend groß und bei nur noch -15°C wurde uns nicht kalt beim Tiere Betrachten. Da der Park jedoch bald schließen wird mussten wir uns etwas beeilen und haben nur noch einen Stopp bei den Moose gemacht, welche aufgrund des Futters ebenfalls sehr nah beim Zaun waren. Ich muss auf jeden Fall nochmal kommen und den ganzen Park ablaufen um den Rest zu sehen! Da Robert einen Anruf bekommen hat, dass ein Gefrierschrank im Store kaputt ist, mussten wir noch einen Abstecher nach Whitehorse machen und aßen erst um 8 zu Abend. Es hab Huhn, welches vor wenigen Monaten noch auf der Farm gelebt hat und seitdem in der Gefriertruhe wartete gegessen zu werden. Es war sehr lecker.
Heute hielten wir auf dem Weg nach Whitehorse auf dem Alaska Hwy. kurz nach Woodland Rd. an einem Truck mit Anhänger und Warnblinker und einem Mann unter dem Fahrzeug liegend. Der Mann war auf dem Weg nach Alaska, Robert hat mit ihm geredet und wir haben ihn anschließend im Schneckentempo zur Farm geleitet. Dort konnte er sich dann in der Garage mit allen möglichen Werkzeugen austoben. Es sah so aus als ob er weiß was er da tut - auch wenn ich nicht genau verstanden hab was das Problem war. Während er unter seinem Truck lag ging ich mit Robert ins Haus auf eine Tasse Tee #EnglishBreakfast. Nach einer halben Stunde schien er sein Problem provisorisch gelöst zu haben, bedankte sich ca. 5-mal und machte sich weiter auf den Weg nach Hause - Alaska. Wir machten uns dann ein zweites Mal auf den Weg nach Whitehorse. Dort musste Robert dann zwei Bigbags von einem LKW abladen und ich wollte zu Mittag essen. Dann wurde ich allerdings gerufen und musste als Gewicht an der Hinterseite des Gabelstaplers hängen. Denn die Vorderreifen haben sich unter der Last und vermutlich wegen zu geringem Drucks von den Felgen gelöst und der Gabelstapler hing mit einem Bigbag schräg auf dem LKW. Mit dem Truckfahrer hing ich dann eine Weile da hinten bis Robert den Bigbag - mit dem Gabelstapler auf Felgen fahrend - irgendwie und unsanft abgeladen hatte. Dann haben wir die Vorderfelgen abgeschraubt und Robert hat alles zu einer Werkstatt gefahren. Ich habe solange den Schinken geschnitten, verpackt und etikettiert. Als er wiederkam war das Gummi wieder auf den Felgen und musste nur wieder angeschraubt werden. Da wir die Drehrichtung missachtet haben durften wir es glatt nochmal machen - aber dann war alles wieder in Ordnung und funktionsbereit. Auf der Fahrt zur Farm zeigte das Autothermometer teilweise +1°C an. Der zweite extreme Temperaturanstieg während ich hier bin. Wobei ich sagen muss, dass das Arbeiten im Freien aktuell um einiges leichter fällt. Auch das Plumpsklo ist im Vergleich zu -40°C angenehmer.
12.02.2018
Mittlerweile habe ich es hinbekommen ein Huhn auf meinem Kopf durch den Stall zu tragen und ich konnte es sogar auf Foto festhalten :).
Am Mittwoch war dann alles anders als geplant. Eigentlich wollten Robert und ich nach wochenlangem zusammensuchen, kaufen und packen der Ausrüstung mit dem Snowmobile raus und ein Bison schießen gehen. In der Nacht bekam er jedoch einen Anruf von seinem Freund Deren mit etwa dem Inhalt, dass Wasser aus seinem Store in Whitehorse kommt - mehr wusste er dann nicht. Da wir am Tag zuvor die kalt und warm Wasserleitungen zum Eier Raum erneuert haben - diese waren zuvor eingefroren - dachte Robert es sei unsere Schuld und raste zum Store um das Wasser abzustellen. Dort traf er dann auf geflutete Straßen und eine Fontaine vor seinem Store in die Luft schießend. Der Grund war ein Wasserrohrbruch einer Leitung zu einem Hydranten vor dem Store. Die bisher einzige und logische Erklärung ist, dass sich das Wasser aufgrund des tief gefrorenen Parkplatzes und der Umgebung den Weg zum nächstgelegenen Hotspot freigespühlt hat - dem Store. Direkt vor dem Store wo die abgeleitete Wärme des Fundaments auf arschkalten Untergrund trifft ist jetzt eine ca. 20 cm hohe Erhebung mit einem Riss am Hochpunkt wo das Wasser herausspritzte. Der herausgespühlte Dreck und Schlamm hat sich dann mit dem Wasser im Store verteilt und auch die umliegenden Straßen geflutet. Da manche Teile des Gebäudes über Abflüsse im Boden verfügen, sind nicht alle Teile gleich stark betroffen und das Meiste der Lebensmittel war höher gelegen als das Wasserlevel. Auf Facebook gibt es ein paar eindrucksvolle Bilder klick hier. . Und unter dem CBC Artikel ist ein Twitter Video verlinkt in dem Robert ein Interview gibt. Nachdem er mir das alles erzählt hat beschloss er einen Mittagsschlaf einzulegen bevor wir den Rest der Ausrüstung für das Snowmobile zusammenpackten. Dann fuhren wir nach Whitehorse und schauten James beim Fußballspiel zu. In einem China Restaurant aßen wir dann zu Abend. Bei einem kurzen Abstecher im Store beschlossen wir das Wasser von dem Teil ohne Abflüsse im Boden zu dem nächstgelegenen Abfluss zu schieben, um den Store austrocknen zu lassen.
Die Versicherung kommt am Montag mit einem Ingenieur und bis dahin können wir mehr oder weniger nichts machen. Deswegen sind wir am Donnerstag endlich mit dem Snowmobile raus. Von der Farm aus ging es über den Alaska Hwy. und anschließend über eine mehr oder weniger private Straße zum Takhini River. Dort dann mit Vollgas über das dicke Eis geheizt und am anderen Ufer gestoppt um eine geeignete Stelle zu finden um auf den höher gelegenen Dawson Trail zu gelangen. Ich stieg ab und rannte anschließend wieder zum Snowmobile, denn Robert hat es am Hang umkippen lassen. Zu zweit konnten wir es schnell wieder aufrichten und es ging weiter. Der Dawson Trail war dann angenehm und mehr oder weniger Eben - im Vergleich zu dem Weg zuvor. Nach wenigen Minuten bremste Robert ab und wir sahen eine Herde Rentiere unseren Weg in wenigen Metern Entfernung kreuzen. Leider darf man Rentiere in diesem Gebiet nicht schießen. Nach einer Weile Nichts sahen wir dann auf einer Lichtung mehrere Elche in optimaler Entfernung. Da Robert nur über eine Bison Lizenz verfügt - und sich die 15CA$ für eine Elch Lizenz gespart hat - durften wir auch diese nicht schießen und Robert fuhr verärgert weiter :D. Aufgrund der starken Bewölkung und des Schneefalls war die Sicht nicht gut und wir konnten trotz zahlreichen Pausen selbst mit den Ferngläsern keine weiteren Tiere Sehen und damit auch kein Bison mit nach Hause nehmen. Um circa 1pm drehten wir dann um und es ging denselben Weg zurück. Auf einem geraden Wegstück stieg Robert dann ab und ließ mich nach vorne. Die nächsten 30 Minuten war das Snowmobile dann unter meiner Führung. Es macht sehr viel Spaß aber man muss in Kurven sehr stark aufpassen das Umkippen zu vermeiden - was mir im Gegensatz zu dem rasenden Robert gelang. Als vor mir ein Snowmobile mit vorgespannten Schlittenhunden auftauchte tauschten wir wieder die Positionen. Wir haben sehr viele Spuren von Tieren im Schnee gesehen und auch mehrmals welche von Bisons. Auf dem Takhini River trafen wir dann auf eine Gruppe mit 5 Snowmobilen und 2 Hundeschlittengespanne, welche uns eine bessere Stelle zeigten um auf dem Dawson Trail zu gelangen :).
Freitags ging es dann wieder in den Store und ich fuhr die Tüten Mehl, welche unten im Regal gelagert waren, raus und lud sie auf den Truck - Hühnerfutter. Überall sind jetzt riesige Ventilatoren und Luftentfeuchter aufgestellt und eine Reinigungsfirma beseitigt den Schlamm. Draußen ist jetzt ein großes Loch mit 4 Pumpen - und trotzdem noch Wasser drin - und sehr vielen Leuten mit roten Helmen, wobei mehr als die Hälfte nur zuschaut :D. Die Eier werden seit heute übergangsweise im Fish-Shop nebenan und in einem Baumarkt um die Ecke verkauft. Mit Robert bin ich dann ins Canada Game Center um im Hot Tub, der Sauna und dem Dampfbad zu entspannen - ohne Kinder! Am Wochenende war ich dann Fußball spielen mit James und am Sonntag Skifahren. Die Ski habe ich von Robert ausgeliehen bekommen, nur seine Stiefel waren mir - und sind auch ihm - zu eng. Deswegen musste ich die ausleihen. Der Helm war dann umsonst und Maja und James konnten endlich ihre neuen Ski ausprobieren. Da Maja eine Pause wollte war ich anschließend mit James alleine unterwegs. Der 4er-Sessellift ist sehr langsam. Der Schnee war dafür überragend und die Abfahrten ausreichend lang. James wollte jedes Mal den Funpark durchmachen und ist einmal tief im Schnee eingesunken. Sonst ist er sehr gut gefahren für seine sieben Jahre. Die 3 Stunden gingen am Mount Sima sehr schnell rum.
Da Victoria seit Neuem bei Canada Post arbeitet habe ich sogar mein Geburtstagspacket bekommen, welches aufgrund des geschlossenen Stores sonst noch mehrere Tage auf sich warten hätte lassen :). Zudem kam ein Brief von meiner Oma an, als der Store noch offen hatte. Dankeschön :). Heute füllten wir das Obst und Gemüse auf, denn morgen ist Wiedereröffnung! Der Ingenieur erklärte das Gebäude gestern für sicher - zumindest solange der Untergrund gefroren ist - und aktuell sind arbeiten im Gange um die Eingangstür wieder öffnen zu können. In der Werkstatt haben wir dann noch die Zündkerzen des 6 Zylinder Landrovers ausgetauscht, welcher nun wieder funktioniert. In den nächsten Tagen wird die Versicherung undso abgeklärt und dann hab ich für die Dauer meines Aufenthaltes auf der Farm ein Auto.
20.02.2018
Am Landrover haben wir am Mittwoch dann noch einen Ölwechsel gemacht und den Ölfilter ausgetauscht. Zudem hat Robert neue Vorderbremsen bestellt, welche hoffentlich demnächst mal ankommen. Die Versicherung läuft auf Victoria.
Robert war dann von Donnerstag bis Montag in Vancouver. Dort hat er Freunde und einen Farmer Markt besucht und die Zeit ohne Kinder genossen. Allerdings war aufgrund der wenigen Zentimetern Schnee ein totales Verkehrschaos was ihn sehr verärgerte :D. Am Donnerstag hab ich dann das Warenhaus voll ausgeräumt und alle Lebensmittel (hauptsächlich Marmelade und Ahornsirup) in die Regale vom Store gefüllt. Jede Menge Kleinzeug aufgeräumt und schließlich durchgekehrt. Jetzt sind nur noch größere Sachen zu beseitigen, wozu wir den Anhänger benötigen. Da das Warenhaus vermietet werden soll geschieht das vermutlich in den nächsten Wochen. Deren Keitzer ist ein Freund von Robert und arbeitet auch im hinteren Eck der Farm als Logworker und baut gerade ein Blockhaus (wird dann wieder abgebaut und wo anderst aufgestellt. Diese arbeiten hat er dann für ein paar Tage unterbrochen um im Store den großen Kühlraum zu Teilen. Der vordere Teil ist weiterhin ein Kühlraum und der hintere Teil wird an eine Frau vermietet, welche dort Schokolade ("Yukon Chocholate Factory") machen und im Store verkaufen will.
Am nächsten Tag war aus irgendwelchen Gründen schulfrei und wir gingen Skifahren. Victoria hat sich zunächst um Henry gekümmert, welcher das zweite Mal auf Ski stand. Mit Maja und bin James war ich dann alleine unterwegs. Da Maja sehr schnell müde/hungrig wurde bin ich noch zweimal mit Henry zwischen den Beinen den Anfängerlift hoch und schließlich alleine mit James weiter. Die anderen haben eine Pause eingelegt. Am Schluss wollte auch James nicht mehr und ich hatte eine Abfahrt für mich alleine. Die Kinder waren dannach verrückt und schrieen rum. Am Parkplatz sind sie dann in den Schneehaufen gesprungen und sind stecken geblieben. Henry hat beide Stiefel verloren, welche Victoria und ich nicht wiederfinden konnten. Jetzt rennt Henry halt mit den alten Stiefeln von Maja rum und Victoria war sehr aufgebracht. Maja und Henry haben dann auf der Autofahrt rugeschriehen, was die Stimmungslage nicht verbesserte. Am Flughafen war am nächsten Tag eine kleine Veranstaltung im Rahmen des Yukon Sourdough Rendezvous Festivals. Dort waren ein paar Militarflugzeuge und Hubschrauber aufgestellt und vor allem Henry war davons ehr beeindruckt. Es war direkt neben dem Rollfeld mit einer schmalen roten Linie abgetrennt, wobei an dem Flughafen auch nur so 10 Flugzeuge am Tag landen :D. Trotzdem hätte ich mehr Sicherheitspersonal und vor allem eine richtige Absperrung erwartet. Es war kalt und James hat rumgeweint, weshalb wir uns anschließend im Store aufwärmten. Aufgrund der starken Schneeverwehungen sind wir zum Abschluss des Tages auf dem Weg zur Farm mit dem Van stecken geblieben (nur Zweiradantrieb). Dann musste ich sehr viel Schnee schaufeln und anschließend auch den Weg zum Hühnerstall räumen, um mit dem Schubkarren fahren zu können.
Zum letzten Tag des Yukon Sourdough Rendezvous Festivals bin ich dann alleine zu ein paar Veranstaltungen und habe den "Chainsaw Chuck", "Axe Throw" und "Swede Saw/Split" bestaunt. Das Schwert der Motorsäge war mit Stahl verstärkt, sodass es nicht abbricht. Zudem war keine Kette aufgezogen (Sicherheit) und ich vermute/hoffe, dass ebenfalls kein Sprit und kein Öl im Tank war. Der Gewinner hat die Motorsäge ein bisschen mehr als 40ft geworfen und der Artikel im Magazin sagt etwa sowas wie "Chainsaw Chuck ist eine Mischung aus Technik und Muskelkraft - kann aber auch helfen den Frust abzulassen" :D. Das ganze Fesival ist extrem voll von Werbung und Produktplatzierungen, was ein bisschen nervt wenn der Kommentator alle 5 Minuten die Sponsoren verliest... Aber sonst ist das Festival sehr nett aufgebaut. In eine Pause habe ich die Schneeskulpturen angeschaut und den Bagger als meinen persönlichen Favoriten gefunden. Beim swede Saw/Split musste man ein Stück Holz absägen und anschließend einmal durchhacken. Dabei sah es bei manchen Teilnehmern so aus, als ob sie das zuvor nicht geübt haben bzw. vllt noch nie eine so große Säge in der Hand hielten :). Das Axt Werfen war dann wieder sehr beeindruckend, wobei nur etwa ein drittel der Teilnehmer die Holzscheibe trafen und sich somit alle für dn finalen Durchgang qualifizierten. Für jeden Wettbewerb gibt es Preisgelder mit bis zu 100CA$ für den Sieger.
Am Montag holte ich Robert vom Flughafen ab und durfte ne Weile auf ihn warten, da er 6 Gepächstücke aufgegeben hatte - Geschenke für die Kinder und ein Schrank vom Ikea... Maja hat eine Karaoke-Maschine bekommen, James ein Modell eines Panzers und Henry einen Lego duplo Bagger und einen Kleiderschrank (der Kleiderschrank wurde vom Flughafenpersonal demoliert, weshalb Robert nochmal warten musste, um den Schaden zu melden...). Am Abend habe ich nach den Hühnern dann eine komische Wolke gesehen, welche sich als beginnende Polarlichter herrausstellte. Diese waren ein paar Minuten später extrem beeindruckend und die beste Phase dauerte etwa 15 Minuten. Meine Kamera ist leider nicht gut genug um ein gutes Bild zu machen, aber vielleicht könnt ihr auf den Bildern etwas erkennen... Das grün der sich bewegenden Polarlichter führte in einem breiten Bogen von Nordwest nach Nordost und war von der Farm auf einer Anhöhe überragend zu sehen!
Die nächsten Tage habe ich dann in dem neuen Raum im Store verbracht und alte Farbe vom Boden gekratzt... Zudem haben wir neue Steckdosen und Lampen angebracht und ich habe alles gestrichen. Der Raum sieht jetzt sehr schön aus und am Montag kommt die Schokoladenfrau und richtet sich ein :). Bin gespannt die Schokolade zu probieren! Zudem habe ich den Kühlraum ausgeräumt und gestrichen und zuvor ein paar Löcher und Spalten ausgeschäumt.
Am Wochenende habe ich wie immer frei. Morgen früh fliegt Victoria nach Korea und Robert und ich sind zunächst alleine mit den Kindern #Hilfe. Die Hilfe kommt dann irgendwann in ein paar Tagen und besteht aus zwei Leuten, welche den Haushalt und die Kinder regeln sollen. Hoffentlich gehen die 10 Tage oder so schnell vorbei ...
03.03.2018
Unglaublich früh am Morgen bin ich aufgestanden und habe James zu der sonntäglichen Schwimmstunde im Canada Game Center gefahren. Während er von 8:45 bis 9:30 im kalten Schwimmerbecken verbracht hat, habe ich mich in Hot Tub, Sauna und Dampfbad gekocht. Der Store hatte dann noch geschlossen und James zeigte mir den Weg zu "Rickyes". Wir genossen die Waffeln und heiße Schokolade zum Frühstück. Die Bedienung kennt James, da er jeden Sonntag dort zum Frühstück is(s)t, und wusste auch was er bestellt #JedesMalDasSelbe. Danach war der Store immer noch nicht offen und wir beschlossen zurück ins Canada Game Center zu gehen. Diesmal konnte auch James in den Hot Tub gehen und aufgrund einer Reservierung für Synchron Schwimmer war das große Schwimmerbecken komplett gesperrt. Mit einem überdimensional großen Wassermelonenwasserball verbrachten wir dann die meiste Zeit. Zurück im Store verbrachte James dann den restlichen Sonntag am PC im Büro und spielte begeistert "World of Tanks", welches schon seit Monaten sein Lieblingsspiel darstellt. Das Hühnerfutter ist seit gestern alles aufgegessen und wir benötigten dringend mehr, da die neue Lieferung noch eine Weile auf sich warten ließ... Robert ging dann mit den Kids zu Freunden und ich fuhr den Pick-up-Truck zur Yukon Grain Farm. Diese liegt etwa 45 Minuten entfernt am Klondike Hwy. in Richtung Dawson City. Dank eines kleinen Schildes am Straßenrand habe ich sie auch ohne große Probleme gefunden. Mit dem Gabelstapler wurden dann 29x25kg Säcke auf einer Palette auf den Truck geladen. Nachdem ich in Bar dafür gezahlt habe bekam ich noch je einen Beutel Kartoffeln und Karotten geschenkt. Auf dem Heimweg war dann ein deutlicher Leistungsunterschied zu spüren. Der 5.7L Motor ist aber trotzdem noch überragend (braucht halt generell Unmengen an Sprit...) und im Vergleich zu dem Fiat Panda #Mutter und Opel Meriva #Vater fühlt man sich wie in einem Sportwagen. Da Robert mir gesagt hat ich soll den Truck nicht zerstören, habe ich es sicher und langsam angehen lassen (keine Sorge liebe Oma :) ). Kurz bevor der Woodland Road überquerte dann eine Herde Rentiere den Alaska Hwy. und ich musste abbremsen und das Warnblinklicht für den Truck hinter mir einschalten. Im Nachhinein hätte ich vielleicht eins überfahren sollen (Die Stoßstange vom Truck ist sowieso kaputt und die Plastikblende halb abgebrochen) und wir hätten ein paar Tage ein überragendes Abendessen. Man darf Rentiere zwar nicht jagen aber wenn man eins überfährt darf man es behalten :). Ich kam dann aber sicher und ohne Rentier auf der Farm an.
Da Robert mit den Kindern am Montag sehr spät zur Farm zurückgekommen ist, habe ich mir selber mein Abendessen machen müssen. Dies bestand aus drei zweitages Eiern, Karotten, Salami und Käse. Alles vermixt in die Pfanne geschmissen und es kam ein leckeres Omelette heraus :). Mittwochs kamen dann die zwei Franzosen. Deshalb musste ich die Gasflaschen vom sehr großen Wohnwagen nach Whitehorse bringen und an der Tankstelle mit Propan auffüllen lassen. Da es nicht mehr so kalt ist wird der Wohnwagen mit Gasheizung warm genug sein - zudem haben sie eine elektrische Heizdecke. Jetzt haben wir wieder ein tägliches Abendessen :D und Hilfe mit den Kindern... Dies war dann auch überragend als Henry am Donnerstag krank wurde. Nachdem es ihm den ganzen Tag schlecht ging, brachte Robert ihn zum Doktor. Er kam dann mit der Diagnose "Chicken pox" zurück und ich musste erstmal googlen um herauszufinden, dass es sich um Windpocken handelt. Da Maja und James diese bisher noch nicht hatten, werden die nächsten Wochen geprägt sein von kranken Kindern... Am Freitagmorgen kam ich dann um 8:15am zum Haus und hab dort erfahren, dass ich Maja und James zur Schule fahren muss. Diese beginnt um 8:35 und liegt ca. 15 Minuten entfernt. Da Maja und James etwas getrödelt haben beim ins Auto steigen kamen wir mit zwei Minuten Verspätung (#GermansAreNeverLate) an der Hidden Valley Elementary School an. Robert gab mir am Samstag eine Einkaufsliste und ich fuhr mit James nach Whitehorse um das Zeug zu beschaffen. Das Meiste konnte ich einfach im Farmer Store zusammenpacken, jedoch musste ich zur Konkurrenz gehen, um Früchte wie Mango, Mandarinen, Papaya & Granatapfel sowie eine Creme für Henry zu kaufen. Zudem hatte ich heute ein zweites kurzes Gespräch bezüglich eines Jobs als Canoe/Hiking Guide im Yukon (hauptsächlich um Whitehorse). Dabei handelt es sich um ein hauptsächlich für deutschsprachige Reisegäste ausgelegtes Unternehmenskonzept, da der Chef, Thomas, selbst aus Deutschland kommt. Mit meinem Deutsch als Muttersprache und meinem Working Holliday Visa bin ich dazu mehr oder weniger perfekt geeignet. Ich muss nur ein paar Guide Lizenzen und unter anderem auch eine Canadian Drivers License der Klasse 4 machen... Die nächsten Tage habe ich mir das dann nochmal gut überlegt und mich schließlich dafür entschieden den Job anzunehmen. Nähere informationen folgt in den nächsten Tagen. Da die Saison hier im Yukon nur sehr kurz ist, und die Flüsse erst ab Ende Mai eisfrei sind, muss ich die ganze Saison bzw. Hauptsaison hier bleiben. Diesbezüglich habe ich dann meine Flüge umgebucht und meine Auslandsreisekrankenversicherung verlängert. Ich bin nicht überragend glücklich mit der Situation erst wenige Tage vor meinem Ausbildung Beginn im September zurückzukommen, jedoch ist dies eine einmalige Chance den Yukon kennenzulernen und gleichzeitig Geld zu verdienen. Ich werde nun endgültig am Mittwoch, den 05. September 2018 um 13:35 Uhr am Stuttgarter Flughafen landen. Bis dahin ist es noch eine Weile hin, allerdings bin ich davon überzeugt einen unvergesslichen Sommer zu erleben #Bären. Aktuell gehe ich davon aus mich ab Juli wieder ein bisschen mit Mathematik, Physik, Informatik, etc. zu beschäftigen, um nicht komplett unvorbereitet in das erste Ausbildungsjahr zu starten... (der gute Vorsatz ist da *Traktor).
Am Sonntagmorgen habe ich James dann wieder zum Schwimmunterricht gebracht. Jedoch war hier in der Nacht die Umstellung zur Sommerzeit, weshalb es nochmals eine Stunde früher war als letzte Woche !!! Zum Glück ist Victoria nächste Woche wieder da.
Gestern haben wir wieder Würste gemacht. Diesmal aus Bison und Elch (ich versuche die Rezepte online zu stellen). Dies wurde dann jedoch unterbrochen als die Gesundheitsinspektorin kam. Diese prüfte dann nur ein paar Temperaturen in den Kühl- und Gefrierschränken sowie im Kühlraum und sprach dann draußen mit Robert. Als sie dann endlich weg war, waren alle erleichtert und wir fuhren mit dem Zubereiten der Würste fort. Die Naturdärme waren auch dieses Mal wieder verknotet und benötigten eine lange Zeit. Da auch die zwei Franzosen mithalfen ging es dann aber recht zügig und wir haben etwa 110lbs (knapp 50kg) Würste fertig bekommen. Heute wurden dann die restlichen Würste vom Elch gemacht und nachmittags haben Robert und ich alleine 75lbs (ca. 34kg) Würste aus Schweinefleisch gepresst. Ein Drittel davon wurde mit frischen Äpfeln vermischt und der Rest mit einem Liter Ahornsirup veredelt. Nachdem man alles vermixt hat und bevor man die Därme füllt, gehört natürlich eine Geschmacksprobe dazu :). Der Apfel sticht nicht heraus, verändert aber die Konsistenz und der Ahornsirup verleiht eine sehr leckere leichte und natürliche Süße. Victoria wäre eigentlich heute Nachmittag wieder in Whitehorse gelandet, jedoch hat sie ihren Anschlussflug verpasst und kommt nun erst heut Nacht an.
15.03.2018
Am Freitag haben für Maja und James die zweiwöchigen Ferien begonnen (march break).
Gestern ist Victorias Van am Straßenrand liegen geblieben. Da hab ich dann einen Anruf von Robert bekommen, dass ich schnellstmöglich/sofort kommen soll um sie zu retten. Da im Landrover nicht alle Platz haben, fuhr ich zunächst mit Robert die ca. 2 Kilometer zurück zum Store um dann Victoria und die Kinder einladen zu können. Diese fuhr ich dann zur Farm. Dort habe ich dann die Fahrzeuge getauscht um mit dem Truck zurück nach Whitehorse zu fahren. Robert hat dann beim Store wieder das Steuer übernommen und wir fuhren zum Pannenort. Wir legten im Matsch liegend das Abschleppseil an den Van und den Truck an. Da wir auf der Hauptstraße nicht wirklich wenden konnten, mussten wir weiter stadtauswärts fahren, um in einer Seitenstraße zu wenden. Robert fuhr den Truck und ich lenkte und bremste den DodgeVan hinter ihm. Wie ein Spielzeugauto zog der Truck mich hinterher (auch den Berg hinauf) und nach nicht mal 15 Minuten waren wir wieder am Farmer Roberts Store angekommen. Dort mussten wir dann nur noch ein kleines Stück in die Einfahrt schieben und versagten an der kleine Rampe zur Werkstatt/zum Warenhaus. Deshalb steht das Auto jetzt draußen und wartet darauf repariert zu werden. Auch der heutige Tag war damit wieder ganz anders als erwartet und das Unvorhergesehene macht eine strikte Planung unmöglich. Denn eigentlich wollten wir am Montagmorgen mit dem Schneemobile früh raus, um endlich ein Bison zu schießen. Sonntags hat Robert dann versucht den Van zu reparieren, er hatte aber nicht die richtigen Teile und muss diese morgen früh schnell besorgen und den Van reparieren, sodass wir am Nachmittag Jagen gehen können. Zurück zum heutigen Tag. Am meinem freien Sonntag habe ich früh die Hühner gefüttert, um mit Robert nach Whitehorse zu fahren. Dort habe ich dann die Würste vom Freitag verpackt, welche eigentlich nur eine Nacht lang hätten ziehen sollen. Zuvor musste ich allerdings noch eine gute Stunde das Zeug vom Freitag abwaschen. Denn wir hatten keine Lust mehr auf Würste und haben den Freitagnachmittag im Pub verbracht. Nach dem langen Abwasch habe ich dann endlich die Würste verpacken können ... Diese waren aus bestem Moose Fleisch (genaueres Rezept folgt vielleicht noch) und sind vermixt mit Chili Flakes, frisch gehakten Äpfeln, Pfeffer, Beef fat, Salz, Sahne und noch ein paar anderen Gewürzen. Da man Moose nicht verkaufen darf, und Robert das Fleisch mit einem Freund für Schweinefleisch getauscht hat, sind all die Würste (ca. 30lbs) für die Farm zum privaten Verzehr. Zwei Packungen der Würste kamen dann auch gleich am Abend zum Einsatz. Auf der Farm ein Lagerfeuer nahe dem Haus errichtet, konnten alle die frischen Würste genießen. Zudem Marshmallows zum Nachtisch :). Es war frisch und der Wind war kalt, aber das Feuer war wärmend und ein guter Start in die BBQ- bzw. Grill-Saison. Dann lud ich mit Robert den Anhänger für das Schneemobile auf den großen Anhänger für den Truck und wir packten all unsere Ausrüstung für unseren nächsten Trip. Sofern Robert das Auto von Victoria morgen früh repariert bekommt, werden wir nachmittags für bis zu vier Tage mit dem Schneemobile unterwegs sein. Dazu benötigt es natürlich einiges mehr an Ausrüstung als beim letzten Mal (hauptsächlich Essen + Zelt, etc.) und ich freue mich wirklich sehr darauf die nächsten Tage mitten im Nirgendwo zu verbringen und an geeigneten Plätzen die Nachtlager aufzubauen. Zudem natürlich mit dem Vorsatz oder mehr oder weniger der Notwendigkeit ein Bison zu schießen und zerlegt nach Hause zu bringen. Sofern mein Akku lange genug durchhält werde ich dann hoffentlich auch super Bilder machen können.
Zuletzt wünsche ich meinem Papa alles Gute zu seinem Geburtstag, welcher in Deutschland schon seit einigen Stunden begonnen hat. Zudem gute Besserung als ein Wunsch und Befehl. Dein Oli :)
18.03.2018
Am frühen Montagmorgen fuhren Robert und ich dann um 7:30am nach Whitehorse. Er hat sich dann um das Auto von Victoria gekümmert und ich habe unsere Ausrüstung für die Bisonjagt gepackt. Das Zelt habe ich im Warenhaus auf- und abgebaut, um die Vollständigkeit sicherzustellen. Das ganze Essen für die geplante Dauer sicher verpackt und die Thermoskannen mit heißem Tee gefüllt. Robert war dann auch schon früher fertig als gedacht und wir konnten nach einem finalen Einkauf endlich los. Nachdem wir alles noch vollgetankt haben (Snowmobile, Truck und 4 Kanister) war Robert nochmals 150$ ärmer. Da Robert das zweite Fernglas auf der Farm vergessen hat, müssen wir mit einem und einem Teleskop auskommen. Auf dem Weg in Richtung Dawson City fuhren wir dann 2 Stunden bis Carmacks. Auf dem Weg beunruhigte uns, dass quasi kein Schnee mehr am Straßenrand lag. Von Carmacks führte dann ein Gebirgsaufstieg mit engen Kurven teilweise steil hinauf. Der Schnee wurde mit zunehmender Höhe mehr - allerdings trotzdem noch fast zu wenig um mit dem Snowmobile zu fahren. Zudem gab es dann noch einige stark vereiste Streckenabschnitte, da das Schmelzwasser über den Weg tritt und über Nacht gefriert. Diese Abschnitte waren in der Regel ca. 20 Meter lang und Robert hatte keine Chance abzubremsen. An einem extrem langen vereisten Abschnitt (um die 100 Meter) war dann ein ernsthafter Riss/Spalt im Eis. Diesem konnte Robert nicht ausweichen (ging über die komplette Fahrbahn) und der Truck mit Anhänger wurde bei dem ca. 40cm tiefen Spalt extrem gefordert. Nachdem der große Schlag vorbei war stoppten wir und prüften, ob irgendwas kaputt gegangen ist. Zum Glück nicht. Dann ging es weiter und die Bedingungen wurden nicht besser. In einer starken Linkskurve haben wir dann zum Glück rechtzeitig eine hangseitig abhängende Eisplatte auf der Fahrbahn gesehen und beschlossen einstimmig den Truck zuvor abzustellen. Beim Wenden hat Robert dann die Stütze vom Anhänger verbogen, welche wir nun die nächsten Tage wieder richtig anschweißen müssen. Als der Truck gewendet war luden wir das Snowmobile ab und zogen uns warm an. Die Schlüssel für den Truck versteckte Robert bei dem linken Hinterrad und dann ging es auf dem Snowmobile weiter. Die Eisplatten waren dann mehr oder weniger kein Problem und wir begannen Ausschau zu halten: Wo ist ein oder wo sind mehrere Bison? Die Frage "ist es ein Bison oder Baum, Busch, Stein,...?" beschäftigte mich dann die ganze Zeit. Der Truck steht ca. 35km entfernt von Carmacks - eigentlich wollten wir diesen 50km entfernt auf einem Parkplatz abstellen. Da wir diesen dann mit dem Schneemobile nicht gefunden haben, sind wir ein bisschen rumgeirrt...in langsam beginnender Dämmerung fanden wir diesen dann und heizten auf dem Snowmobile Trail dann 28km zu einer Hütte. Auf dem Weg immer noch nichts gesehen was man schießen/erlegen/essen kann. Wenige Kilometer vor der Hütte galt es dann einen kleinen Fluss zu überqueren. Da auch hier oben die Schnee-/Eisschmelze eingesetzt hat floss in diesem Wasser. Der nächste Stopp auf unserem Weg. Da es schon kurz vor der Dunkelheit war, beschlossen wir unser Zelt vor dem Fluss aufzustellen. Während dessen hörten wir ein Snowmobile näher kommen. Ein Conservation officer rettete uns dann. Sie ist mit langsamer Geschwindigkeit voraus und fuhr dann 20 Zentimeter im Wasser - darunter war Eis. Auch wir fuhren dann ängstlich durch das fließende Gewässer und kamen mit nassen Hosen am anderen Ende an. Dann mussten wir noch einen kleinen See überqueren und zuletzt noch ein kleines Gewässer (zum Glück beide noch tiefgefroren). Um kurz nach neun kamen wir dann an einer Hütte an, welche sich als sehr luxuriös herausstellte! Ein großer Ofen wurde dann sofort befeuert und auf dem Gasherd habe ich Nudeln gekocht. Wir konnten es kaum fassen und schließen glücklich und im Warmen Schlafsack ein. Der Wecker klingelte dann um 6am. Nach einer Stunde Frühstück und Zusammenpacken ging es dann bei Sonnenaufgang los. Über Nacht hat das Wetter umgeschlagen und wir waren Mitten in einem Schneesturm. Dieser hielt dann die nächsten 2,5 Tage an und aufgrund der schlechten Sicht haben wir kein Bison gesehen. Es galt nach Spuren Ausschau zu halten. Im Neuschnee konnten wir dann genau erkennen, welche Spuren alt und welche frisch sind. An vielen Stellen waren duzende gefrorene Scheißhaufen von Bisons - wir waren nur nicht zur richtigen Zeit da... Dieses was wäre wenn beeinflusst die ganze Jagd und es ist viel Glück mit im Spiel, wenn man mal ein Bison sieht. Einmal haben wir sehr frische Spuren von 2-3 Bison in einer Herde gesehen. Aufgrund des starken Windes waren diese maximal eine Stunde alt. Robert schulterte sein Gewehr und ich nahm den Rucksack für sofortiges Verarbeiten des Bison mit (Messer, Säge und große Beutel; aber auch Feuerzeug, Streichhölzer, Plastikschlafsack, Spanngurte und einen Topf. Zudem hat Robert ein Satellitentelefon über welches er im Notfall Hilfe anfordern könnte.) Nachdem wir den Spuren eine Weile folgten konnten wir weitere Spuren beobachten. Diese sahen aus wie von einem Hund - es handelte sich ziemlich sicher um einen Wolf. Dieser folgte den Spuren/dem Geruch der Bison, weshalb es für uns unwahrscheinlicher wurde die Bison zu erwischen. Das Ende der Spuren war dann erreicht als der starke Schneefall und Wind alles überdeckte. Wären wir 30-60 Minuten früher an dieser Stelle gewesen, hätten wir vielleicht die Bison unseren Weg queren sehen und wären mit einem Bison nach Hause gekommen. Wäre hätte würde blabla - diese Situationen sind extrem nervig. Außer Unmengen an Vögeln und ein paar Hasen haben wir keine Tiere sehen können - auch nicht in den nächsten Tagen. Unsere Hütte stand dabei direkt neben dem ehemaligen Bisonzaun. Vor ca. 15 Jahren wurde dieser errichtet und es wurden mehr als hundert Bison darin eingesperrt. Nachdem diese im darauf folgenden Jahr ihre Junge bekommen haben, wurden sie freigelassen und rennen seitdem überall herum. Es wird vermutet, dass aktuell um die 1500 Bison aus der ehemaligen Herde geworden sind. Diesbezüglich gab es Probleme mit den First Nations, welche die Bison nicht wollen, da es sich nicht um heimische Tiere handelt. Wer auch immer auf die Idee kam die Bison in den Yukon zu bringen... Die Jagd Saison ist vom 1.November bis zum 31.März und aktuell sind alle Hobbie Jäger unterwegs um am Ende der Saison noch ein Bison zu erlegen - diese Tatsache erschwert die Situation nochmals, da die Tiere dann verängstigter sind und sich irgendwo anders aufhalten. Der Schneesturm hat nicht nachgelassen und als wir uns vom Snowmobile Trail ablösten und hoch in die Berge zu fahren, steckten wir nach einer Weile im ca. 1,5 Meter tiefen Schnee fest. Wenn man im Tiefschnee nicht mindestens Annähernd vollgas fährt geht die Front des Snowmobiles nach unten und man wird begraben. Da wir einen schweren Schlitten hinter uns herziehen, war es harte Arbeit wieder weiterzukommen. Auf diesem Teil Abseits der viel befahrenen Wege erhofften wir uns endlich ein Bison zu sehen jedoch hatten wir auch hier kein Glück.
Mittwochs beschlossen wir dann den Rückweg anzugehen - unter anderem auch aufgrund der leeren Benzinkanister. Beim Überqueren des Flusses sind wir dann durch die obere dünnere Eisschicht gebrochen und auf der tieferen Eisschicht im mittlerweile 50 Zentimeter tiefen Wasser zur anderen Seite gefahren. Am Ende unserer Tour hörte dann der Schneefall auf und die Sicht wurde besser. Der Weg zum Truck war nochmal unsere letzte Chance ein Bison zu sehen - es waren allerdings weder Bison, noch Spuren zu sehen. Als wir das Snowmobile auf den Anhänger geladen und gesichert haben, freuten wir uns im warmen zu sitzen. Allerdings blieben wir nach wenigen Metern bei geringer Steigung im halben Meter hohen stecken. Und wir hätten keine Chance gehabt die 35 Kilometer in nicht gepflügtem Schnee zu bewältigen. Der Anhänger steckte seitwärts schräg am Rand und wir ließen ihn dort zurück. Robert fuhr dann den Truck und ich folgte ihm auf dem Snowmobile. Dieses diente als Backup, falls wir auch mit dem Truck stecken bleiben sollten. Hierbei musste Robert im Truck extrem aufpassen, während ich auf dem Snowmobile fast keine Probleme mit der Strecke hatte. Als wir Carmacks erreichten waren wir erleichtert und stellten das Snowmobile an einem Hotel ab. Dann machten wir uns auf dem Weg nach Hause und erreichten die Farm um kurz nach 23Uhr. Am nächsten Tag beluden wir die Ladefläche vom Truck mit Holz aus welchem das Haus gebaut ist (1 Meter Durchmesser) als Gewichte auf der Hinterachse und besorgten wir dann Schneeketten (250$) aus Whitehorse, tankten schon wieder alles voll (100$) und machten uns wieder auf den Weg nach Carmacks. Diesmal fuhr James mit, welcher auf der langen Fahrt gelangweilt war und die meiste Zeit schlief :D. Ohne Schneeketten fuhr Robert dann bis zum Anhänger und forderte den Truck erneut sehr stark. Das ESP musste kräftig arbeiten und im Sportmode und niedrigen Gängen war es möglich die Strecke zu meistern. Der halbe Weg war damit geschafft. Nun zogen wir die Schneeketten auf und mussten die überstehenden Kettenglieder absägen, da diese sonst alles kaputtgehauen hätten. Als ich schließlich auch den Anhänger freigeschaufelt habe, konnte es nach über einer Stunde weitergehen. Aufgrund der Schneeketten konnten wir diesmal kontrolliert durch die tiefe Eisspalte fahren (war trotzdem ein riesen Schlag). Sollte man den Sicherheitsgurt dabei anlegen, falls man mit mäßiger Geschwindigkeit in einen Baum, Stein, Hindernis fährt - oder keinen Sicherheitsgurt, falls man den Abhang hinunter rutscht und schnell herausspringen muss? Ich habe mich für Variante 2 entschieden. Aber keine Sorge, wir sind sicher unten angekommen.
Eigentlich wollten wir am Freitag dann nochmal auf Jagd gehen sind aber zu erschöpft gewesen. Zudem waren wir nicht mehr ganz organisiert und es wäre ein Fehler gewesen nicht perfekt ausgerüstet rauszugehen. Ich organisierte dann alles und räumte Roberts Truck auf.
Heute war dann ein richtiger freier Tag. Nachdem ich die Eier eingesammelt habe und die Hühner fütterte, fuhr ich mit dem Landrover zum Canada Game Center und entspannte dort in Hot Tub, Dampfbad und Sauna. Als mir zu warm wurde beschloss ich etwas im kalten Wasser zu schwimmen um anschließend wieder in den Hot Tub zu gehen. Zum Mittagessen ging ich zum Farmer Roberts Store und anschließend suchte ich einen Frisör auf. In einem Barber Shop nahm ich dann eine viertel Stunde Platz und verlor anschließend mein Winterfell - letzter Frisörbesuch ist über 5 Monate her. Umgerechnet knapp 22 Euro habe ich dann für Haarschnitt und Rasur gezahlt und bekam draußen dann einen kalten Kopf. Deshalb ging ich wieder ins CGC und besuchte erneut Hot Tub, Dampfbad und Sauna :D. Am Abend hatten wir auf der Farm ein Lagerfeuer und grillten Marshmallows. Gute Nacht.
24.03.2018
Montags habe ich dann den halben Tag bei den Hühnern verbracht und die wöchentlichen Wood Chips ausgestreut. Da der große Wassertank fast leer ist füllte ich diesen über drei Schläuche von dem Wasserhahn an der Quelle auf. Da sich die Quelle nicht so schnell auffüllt als die Pumpe das Wasser entnimmt, konnte ich dies nur 30 Minuten lang machen (da sonst kein Wasser im Haus vorhanden ist). Dieser Füllvorgang dauert insgesamt über einen Monat. Aufgrund der immer noch bis zu -25°C in der Nacht müssen die Schläuche dann schnellstmöglich in die beheizte Garage gezogen werden. Das einmalige Befüllen wird etwa für eine Woche ausreichen und verschafft uns ein ausreichend großes Zeitfenster um Victoria mit den Kindern und den Hühnern alleine zu lassen. Denn Robert und ich gingen am Dienstag wieder auf Jagd. Wäre das Wasser für die Hühner währenddessen ausgetrunken, hätten wir wieder zurückkommen müssen - dies war dann zum Glück nicht der Fall. Bei einem kurzen Aufenthalt in Whitehorse habe ich das Essen und ein paar Snacks zusammengepackt und wir kauften noch eine Hülle für die Motorsäge, welche sie vor der holprigen Snowmobileschlittenfahrt beschützen soll (60$). Zudem einen Ersatz Akku, um das GPS und Smartphones aufladen zu können - im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass der Zigarettenanzünder nur während ausreichendem Drehmoment an die Spannungsquelle angeschlossen ist und wir darüber zusätzlich über eine Auflade Quelle verfügen. Alles wurde schnell zusammengepackt und wir verließen die Farm am nächsten Morgen um 10 Uhr mit dem Ziel: nicht zurückzukommen bis wir ein Bison haben.
Auch diesmal fuhren wir nördlich auf den Klondike Hwy. und parkten den Truck an dem Wertstoffhof in Braeburn. Jetzt ging es wieder los! Von dort an führte eine gepflügte Straße, auf welcher teilweise kaum noch Schnee vorhanden war, weiter. Meist südwestlich führte dann der old Dawson Trail und wir sahen nach kurzer Zeit frische Spuren von Großwild. Diesen folgten wir dann und fanden recht schnell die Hinterlassenschaft eines Elches. Generell waren hier auch mehr Spuren von kleineren Tieren wie Hasen, Wölfen, etc. vorzufinden. Nach etwa einer Stunde sahen Robert und ich dann zeitgleich ein herausstechendes Objekt durch unsere Ferngläser an einem steilen Hang eines Berges. Wir beschlossen uns daran anzunähern und fanden schließlich heraus, dass es sich um einen Fels handelte... Dieser hatte die Größe eines Bison und auch die Färbung war ähnlich. In einer Snackpause stellte ich dann fest, dass fast alle Eies aufgebrochen sind und habe diese dann in einen Plastikbeutel hineingetropft. Über einen extrem steilen Abschnitt gelangten wir auf eine Hochebene mit Seen, konnten jedoch nicht mal mehr Spuren vorfinden (es fühlte sich für uns allerdings nach einem perfektem Aufenthaltsort für Bison an). Es begann wieder das "was wäre wenn..." Denken... Wieder zurück auf dem old Dawson Trail kamen uns zwei Snowmobile entgegen: Conservation Officer. Mit diesen hatten wir dann ein nettes Gespräch, sie überprüften die Jagdlizenz von Robert und das Gewehr. Dieses muss für das Jagen von Bison ein ausreichend großes Kaliber abfeuern (Roberts Gewehr ist dabei mehr als ausreichend groß genug). Außerdem darf keine Munition feuerbereit eingeschoben sein. Alles war in Ordnung und nach 15 Minuten ging es weiter. Die Sonne prallte auf unsere Köpfe und der Wind war arschkalt. Als wir an einem überragenden Aussichtspunkt gegen 17:30 Uhr stoppten fegte der starke Wind über uns. Da mir dadurch kalt wurde beschloss ich mich umzudrehen und hinter einem Baum in die andere Richtung zu schauen. An einer Freifläche eines Berges sah ich dann endlich Bison!! Diese stachen extrem heraus und waren durch die Ferngläser klar als Wood Bison identifizierbar. Das Problem war allerdings die Entfernung... etwa vier Kilometer Luftlinie - Berg auf, Berg ab und ohne Snowmobile Trail... Wir suchten dann unser Tagesziel - eine nahegelegene Hütte - auf und konnten die Bison von einer nahegelegenen Erhöhung weiterhin beobachten. Es handelte sich um eine Herde aus sechs Tieren. Am Abend waren wir dann sehr aufgeregt und spielten viele verschiedene Szenarien durch. Unser Abendessen (Nudeln und Moose Würste) genossen wir dann auf der Erhöhung, die Bison beobachtend. Ich war sehr aufgeregt und konnte lange nicht schlafen. Diese Situation wurde dann nicht besser, als ich etwas durch den Schnee laufen hörte. Es hörte sich groß und hungrig an und ich hatte ernsthafte Angst als etwas an der Tür kratzte. Dann hörte es sich nach mehreren Tieren an, welche sich nahe der Hütte aufhielten. Robert schlief derweil schon tief und fest ... und ich schreckte bei jedem kleinsten Geräusch auf. Die Hütte war ausreichend groß, jedoch war der Holzofen nicht überragend und das Feuer ging in der Nacht aus. Dann war es sofort sehr kalt und mir war kalt im Gesicht als ich gegen 3 Uhr in der Nacht aufwachte. Den Ofen habe ich dann nochmal ordentlich eingeheizt und schlief weitere 2,5 Stunden bis der Wecker klingelte.
Robert ist für das Frühstück verantwortlich und ich habe Brot für das Mittagessen belegt. Als die Sonne aufging hurteten wir wieder auf die Erhöhung und konnten die Bison weiterhin an derselben Stelle vorfinden. Aufregend! Wir beschlossen diese nicht in kleinster Weise zu verängstigen und das Snowmobile nicht zu starten. Wir packten das Notwendigste in zwei große Rucksäcke, Robert schulterte das Gewehr und ich trug den kleinen Plastik Schlitten. Zu Fuß machen wir uns dann auf dem Weg. Über einen großen See gelangten wir schon recht nah und anschließend ging es durch tiefen Schnee und teilweise dichte Bewaldung bergauf. Nach 2 Stunden kamen wir auf etwa 1500 Meter nah und ich prüfte die Windrichtung mit einem Feuerzeug. Der Wind wehte nur leicht - jedoch genau in die Richtung der Bison... Diesbezüglich mussten wir unsere Route überdenken und konnten nicht mehr reden (nur leisestes Flüstern). Jeder kleinste Fehler könnte die Tiere vertreiben. Ungefähr 700 Meter entfernt gingen wir dann nochmal in uns und bedachten unsere Situation. Ein knapper 4 Stunden Lauf zurück zum Snowmobile, dann eine halbe Stunde auf einem schlechten Trail, anschließend mit der Motorsäge mehrere Stunden einen Weg durch den Wald bahnen um so nah wie möglich heranzukommen. Diesbezüglich waren wir uns nicht mehr so ganz sicher, ob wir wirklich eines dieser Bison schießen wollen. Zudem war der Schnee an dem Hang weggeschmolzen und wir müssten das Fleisch mehrere hundert Meter Tragen. Wir konnten jedoch ein Fohlen erkennen (vielleicht ein Jahr alt), welches uns die Arbeit etwas erleichtern würde. Ich wartete dann und Robert ging alleine im Schneckentempo weiter. Über eine Stunde war dann nichts von ihm zu hören. Ich konnte beobachten, dass sich die Herde langsam entfernte und es stand nur noch ein großer Bulle da. Robert sagte mir dann er hat sich diesem auf unter 100 Meter perfekte Schussposition angenähert und hatte den Finger am Abzug. Jedoch hätte es uns mehrere Tage gedauert das Fleisch herauszuholen. Im Nachhinein sehr ärgerlich, ist es allerdings eine gute und die richtige Entscheidung gewesen. Die ganze Herde ist dann verschwunden und wir machten uns auf den Rückweg zur Hütte/ zum Snowmobile. Diese Wanderung war sehr anstrengend und dauerte um die sieben Stunden. Erschöpft machten wir dann an der Hütte eine lange Pause. Mit dem Snowmobile ging es dann in die andere Richtung weiter. Außer von anderen Jägern zurückgelassenen Hufen eines Bison haben wir dann leider keine Bison gesehen. Wir sahen jedoch ein Moose, welches mit den langen Beinen mehr wie ein Pferd aussieht und sich deutlich von einem Bison unterscheidet. Als wir eine Stelle des Trails erreichten, an welchem kein Schnee mehr lag und die spitzen Steine herausragten, mussten wir umkehren. Die Augen schmerzten von dem ständigen starren durch die Ferngläser auf den grellen Schnee in starkem Sonnenschein. Zurück an der Hütte packten wir wieder alles zusammen und machten uns auf den Weg in ein anderes Gebiet und einer anderen Hütte. Zu unserer Überraschung haben wir keine anderen Jäger gesehen - die Saison für Bison endet am 31. März, weshalb wir uns ungestört umschauen konnten. An einem weit entfernten Abhang eines hohen Berges sahen wir dann etwas großes sich bewegen. Wir waren erschöpft und es wäre nicht möglich gewesen dieses Tier zu erreichen (vielleicht war es ein Bison, vielleicht aber auch nicht..). Die Landschaft veränderte sich und wir stoppten alle paar hundert Meter um mit dem Ferngläsern Ausschau zu halten. Zudem folgten wir weiteren Großwildspuren und ich habe an einem nahen Berg einen Wolf gesehen. Dann das Unglaubliche! An einer (gefühlt der tausendsten) Lichtung sah Robert eine weitere Herde Bison. Diese waren nicht einmal einen Kilometer entfernt und grasten an einem sonnigen Hang. Sofort ging der Puls hoch. Es war kurz nach 20 Uhr und wir hörten Wölfe oder Kojoten wenige hundert Meter entfernt. Da diese die Bison in der Nacht vielleicht vertreiben könnten, entschlossen wir uns endlich ein verdammtes Bison zu erlegen. Eine kurze Ebene schnell und leise durchquert, dann einen Abhang hinunter in ein Flussbett, dann über den Fluss gehurtet und anschließend einen steilen Hang hinauf geklettert (bis zu 50° Steigung). Der Wind wehte in unsere Gesichter und Robert kroch auf dem Bauch alleine über den letzten Hügel. Diese 20 Minuten warten fühlten sich dann extrem lange an, bis ich den ersehnten Schuss hörte! Sofort rannte ich mit dem großen Rucksack in Richtung Bison und wurde von einem zweiten Schuss aufgeschreckt. Dann sah ich drei Bison in ca. hundert Metern Entfernung langsam den Berg hinauflaufen und Robert im Gesicht blutend auf ein weiteres Bison zeigend. Als er das Gewehr im Liegen abfeuerte hat der Rückschlag sein Gesicht (zwischen Augenbraue und Nase) verletzt (#ActioGegenGleichReaktio). Nach einem weiteren Warnschuss rannten die anderen Bison schließlich weg und das geschossene Bison fiel nach etwa einer Minute um und rollte mit ausgestreckten Beinen den Abhang hinunter. Die erste Baumreihe stoppte dann das erlegte Bison. Es war exakt 21 Uhr und wir hatten eine knappe halbe Stunde Tageslicht übrig. Dies reichte dann gerade so noch aus, um ein halbwegs gutes Foto zu machen und anschließend begannen wir im Dunklen mit dem Häuten und Zerlegen. Dazu alle Taschenlampen aufgestellt und Robert zog die Kopflampe an. Die Beine mit Spanngurten zu den nächstliegenden Bäumen gespannt, konnte das Häuten am Bauch beginnen. Das Fell und die Haut sind extrem dick und schwer. Dies zog ich dann im meist richtigen Winkel weg, sodass Robert es abschneiden konnte. Als es immer dunkler und kälter wurde zündete ich ein Feuer wenige Meter entfernt und half anschließend wieder beim Häuten. Robert war müde und wurde etwas nörglerisch, wofür er sich im Nachhinein aufrichtig entschuldigte :D. Dann ging es an die Beine. Diese zu bewegen ist sehr anstrengend, denn die Hinterbeine wiegen um die 80 Kg (die Vorderbeine sind etwas kleiner/leichter). Jedes der Beine haben wir in einen Stoffbeutel gepackt und an einem Ast aufgehängt. Dann ging es an die Organe. Den Bauch hat Robert aufgeschnitten und der Magen und Darm war zu sehen. Den After hab ich mit einem Stück Schnur abgebunden und dann versank ich meine Arme bis zu den Schultern im Bauch. Dieser war extrem warm und blutig. Ich versuchte so hart wie möglich den Magen herauszubekommen und Robert hat immer mal wieder eine Verbindung abgeschnitten. Schließlich war der Magen (Das Volumen füllt eine Badewanne) endlich draußen und das Fleisch konnte beginnen zu kühlen. Magen und Innereien rollte ich dann einige Meter den Berg hinab und schnitt dann noch die Leber und das Herz heraus und packte dies in einem Beutel mit einem Bein. Robert begann derweil den Kopf zu entfernen, welcher ebenfalls beeindruckend groß ist. Etwas ziehen, drücken, knochenbrechen später, lag der Kopf dann in einigen Metern Entfernung. Der Kopf hat dabei um die 70-80 Kg. Um 2 Uhr waren wir dann fast fertig und packten die Ausrüstung zurück in die Rucksäcke und legten ordentlich Holz auf das Feuer um Tiere fernzuhalten. Denn das Fleisch ließen wir über Nacht zurück. Im Dunkeln dauerte der Weg zum Snowmobile dann deutlich länger und wir waren komplett am Ende unserer Kräfte. Nach weiteren 30 Minuten Fahrt erreichten wir dann endlich die nächste Hütte. Diese war dann zum Glück leer und nachdem wir den Ofen befeuerten, uns etwas stärkten und mit einem Becher Whiskey über das Bison freuten, gingen wir um kurz nach 4 Uhr zu Bett. Der Morgen begann dann um 10 Uhr mit einem überdimensional großen Frühstück. Zwei Packungen Bacon, eine Dose baked beans, 6 Eiern und einem halben Laib Brot, sowie Tee. Da wir nicht länger in der Wildnis übernachten mussten, konnten wir so viel Essen wie wir wollten und mussten nicht mehr die Rationen einhalten :). Den morgen ließen wir dann sehr langsam angehen und packten alles gemütlich zusammen. Gegen Mittag ging es dann zurück in Richtung des zerlegten Bisons. Die Stelle am Trail markierte ich in der Nacht zuvor mit einigen Stöcken und Robert begann mit der Motorsäge einen Weg zum Bison zu bahnen. Den Schlitten leerten wir dann aus und ich fuhr im Zick Zack auf dem Snowmobile hinter Robert mit der Motorsäge hinterher. Dies war alles andere als einfach und zog sich über eine Stunde hin. Als die Kette der Motorsäge schließlich stumpf wurde war das Ende mit dem Snowmobile erreicht (Wir hatten keine Lust diese zu schleifen). Dann ging es weitere ca. 150 Meter zu Fuß weiter bergauf. Mit dem kleinen Plastik Schlitten begann ich dann das Fleisch zum Snowmobile zu bringen. Zwei Touren für die Beine machte ich alleine, während Robert die Rippen und den Rücken zerlegte. Das habe ich mir einfacher vorgestellt. Der Weg führte an einem Abhang hinunter zu einem Flusslauf mit sehr rutschigem Eis und schließlich noch einige Meter über umgestürzte Baumstämme auf einer Ebene. Im Eis bin ich dann dreimal eingebrochen und hatte dann durchnässte Füße... Nachdem die Beine Am Snowmobile waren hatten wir eine Tee Pause. Auf der letzten Tour hatte ich dann die Rippen und den Kopf auf meinem Schlitten und Robert zog in einer Plastikdecke den Rücken. Zurückgelassen haben wir dann nur den Magen und die meisten Organe, sowie das Meiste von dem Fell. Um kurz nach 17 Uhr erreichten wir dann wieder den Trail und packten die zurückgelassene Ausrüstung wieder auf den Schlitten. Den großen Berg an Ausrüstung und Bison spannten wir fest und dann ging es endlich in Richtung Truck. Dabei überquerten wir mehrere Gewässer, welche anfingen zu schmelzen, und wir sind zum Glück nicht durch das schmelzende Eis gebrochen. Immer wieder prüfte ich, ob noch alles hinter uns her gezogen wurde und wir erreichten nach knappen zwei Stunden den Truck. Auf dem Weg dahin musste das Snowmobile sehr hart arbeiten, um die schwere Last zu ziehen und meisterte zuletzt auch die Rampe auf den großen Anhänger. Alles festgegurtet und sicher verstaut konnte es auf den 1,5 stündigen Weg zur Farm gehen. Dort waren die Kinder dann verrückt und wir zeigten ihnen den Kopf. Dann mussten wir noch das ganze Fleisch in der Garage aufhängen… Ich würde schätzen, dass dort jetzt um die 450 kg Fleisch hängen – genug für ein Jahr für die ganze Familie mit bis zu vier Mal Fleisch in der Woche. Es war dann ein sehr gutes Gefühl endlich die blutigen Hände waschen zu können.
Den nächsten Tag habe ich dann halb verschlafen und Victoria hat sich um die Hühner gekümmert. Ich aß dann 8 Eier zum Frühstück (um 12 Uhr) und eine Stunde später einen Teller Moose Eintopf. Robert und ich waren kaputt und konnten nicht wirklich was machen, mussten jedoch etwas von dem Fleisch durch den Fleischwolf jagen. All die kleineren Stücke Fleisch müssen schnellstmöglich verarbeitet werden und die Beine, Rippen und Rücken werden hingegen mehrere Tage hängen. Zum Abendessen gab es dann frische Bison Leber und frisches Bison Hackfleisch.
Auch den Samstag habe ich halb verschlafen und der Muskelkater begann langsam nachzulassen. Meine kleine Hütte habe ich dann ein bisschen aufgeräumt. Dann nahmen Robert und ich den Kopf auf einen Tisch nach draußen in die Sonne und häuteten diesen. Den vorderen Teil vom Unterkiefer sägten wir heraus. Diesen Teil muss man abgeben, wenn man ein Bison erlegt hat, sodass irgendwas erforscht werden kann. Dann schnitt Robert etwas Fleisch (ich glaube den Kaumuskel) und die Zunge heraus und legte dies in den Kühlschrank. James war während dessen etwas geekelt und hielt Entfernung zu uns. Zuletzt sägten wir am Hinterkopf ein Loch und ich löffelte das Gehirn heraus. Das wollen wir Morgen essen. April April. Mit dem Gehirn wollen wir einen Teil des Fells bearbeiten/gerben – mal sehen ob das was wird. Am späten Nachmittag fuhren Robert, James und ich dann nach Whitehorse um in den ersehnten Hot Tub steigen zu können. Wir sind immernoch extrem glücklich und stolz ein Bison bekommen zu haben - drei Tage vor Ende der JagtSaison #Zeitdruck. Dieser Artikel hat mich über drei Stunden gekostet, weshalb ich ihn nicht kontrolliere. Wen die Rechtschreib- und Tippfehler stören, kann mir gerne eine verbesserte Version zukommen lassen. Gute Nacht und frohe Ostern.
01.04.2018
Ich habe ganz vergessen, dass Robert und Victoria letzte Woche Montag endgültig beschlossen haben den Farmer Roberts Store am Ende des Monats zu schließen. In den letzten Monaten ist das Geschäft konstant rückläufig gewesen. Die Flut und die damit verbundene Schließung für eine Woche im Februar war dann ein weiterer finanzieller Einschnitt. Da ich die Farm mit Ende des Monats verlasse, hat die Schließung mehr oder weniger keine Auswirkungen auf mich. Ich muss jetzt natürlich helfen alles für den Schlussverkauf fertig zu machen (hauptsächlich Fleisch aus den Gefriertruhen im Lager). Es ist sehr schade, dass so ein toller Store einfach nicht mit den großen Konkurrenten mithalten kann… Das Konzept regionale und kleine Farmen zu unterstützen gefiel mir sehr und bietet ein großes Potential für die Region, während die großen Lebensmittelgeschäfte die Preise nach unten drücken. Um ehrlich zu sein, möchte ja jeder so günstig wie möglich einkaufen. Der Plan sieht vor die Ladenfläche des Stores zu vermieten und daraus die Einnahmen der Familie zu sichern. Außerdem ist ungewiss, ob weiterhin Hühner im großen Stil gehalten werden. Denn sobald die eigene Verkaufsfläche wegfällt, ist der Vertrieb der (sehr leckeren) Eier einfach nicht wirtschaftlich. Alles ungewiss wie ihr sehr, aber Robert nimmt es gelassen und ist offen für Neues – man muss auch bedenken, dass er einfach keine Lust mehr hat all seine Energie in ein nicht wirtschaftliches Business zu stecken.
Nachdem ich am Ostermorgen die frischen (Oster) Eier eingesammelt habe, zeigten mir die Kinder im Haus stolz ihre Osterschokolade. Auch hier wird ein Osternest (in diesem Fall ein großes, buntes, geschlossenes Papier Ei)versteckt – Kleine Notiz am Rande: Ich denke ich bin nie zu alt ein Osternest zu suchen #Mutter. Da Maja ihr Ei einfach nicht finden konnte, wollte Victoria ihr einen Hinweis geben. Jedoch war sie nicht mehr ganz sicher, wo sie es versteckt hat :D. So macht die Suche richtig Spaß. Den halben Tag haben die Kinder dann damit verbracht die Schokolade zu essen und sich gegenseitig zu bestehlen. Am Nachmittag ging es dann nach draußen und ich fuhr mit Maja und James auf dem Snowmobile ein paar Runden auf dem Privatgrundstück. Henry wollte nicht und Robert fuhr mit ihm im Land Rover hinter uns her. Zum Abendessen gab es dann überragendes Lamm aus eigener Haltung und zum Nachtisch einen bunten Kuchen. Am Montag musste ich dann im Store ein bisschen aushelfen und konnte den Nachmittag dann im CGC im Aquatic Center entspannen. Ja, schon wieder Hot Tub, Dampfbad und Sauna! Danach war ich dann, wie immer, entspannt und erschöpft. Heute ging es dann an das Putzen und Aufräumen unserer Jagdausrüstung. Den Vormittag habe ich damit verbracht das Blut, welches wirklich überall war, abzuwaschen. Die Garage ist jetzt wieder begehbar und auf recht konstante 3°C heruntergekühlt. Das aus dem Bison heruntergetropfte Blut habe ich soeben den Hunden gefüttert. Heute Mittag sind wir dann noch nach Whitehorse gefahren um den vorderen Teil des Unterkiefers beim Department of Envvironment (mehr oder weniger kann man es als Jagdaufsicht definieren) abzugeben. Robert musste dann schnell ein Formular ausfüllen und die erfolgreiche Bisonjagd bestätigen. Zudem habe ich jetzt eine Exportgenehmigung für den Schädel ausgestellt bekommen! Jetzt muss ich ihn nur noch richtig bearbeiten und dann kommt ein tolles Packet nach Hause :D.
03.04.2018
Den Kopf habe ich dann am Mittwoch im Hintereingang des Stores gekocht. Dazu habe ich den größten Topf genommen, welcher in der Küche vorhanden war. Dieser war natürlich nicht groß genug, um den ganzen Kopf auf einmal reinzustecken und ich musste den Kopf einige Male wenden und drehen. Als erstes habe ich die Hörner einzeln gekocht und dann jeweils das Horn von dem Knochen abgeschlagen (Dazu hat mich ein YouTube-Video gelehrt). Die Hörner habe ich dann zur Seite gelegt, der Kopf kochte dann knapp 5 Stunden und jetzt ist annähernd all das Fleisch, die Haut oder was auch immer an dem Knochen war, vom Knochen abgelöst. Am Abend habe ich den Kopf dann in eine Plastiktüte gesteckt und warte nun bisher auf das Peroxide zum Bleichen und finalen Reinigen des Schädels, welches mir Sydney (Alias "Chocolate Lady" - Eigentümerin der Yukon Chocolate Company mit Produktionsort im Farmer Roberts Store) besorgen kann. Nebenbei habe ich angefangen die Gewürze in kleine Tüten zu verpacken und damit für den Schlussverkauf vorzubereiten. Bei den gehackten Chili Flocken musste ich nach der zweiten Tüte anfangen zu weinen und die nächsten 41 Tüten waren dann die reinste Hölle mit vielen Pausen und Taschentüchern - und das alles nur vom Verpacken und dem Einatmen!!!
Donnerstags verarbeiteten wir dann Unmengen an Beef aus den Gefriertruhen und schnitten und verpackten die Steaks (Tenderloin, Striploin und Sirloin), sägten einiges an Knochen in kleine Stücke für Suppen und jagten um die 75 Kilogramm Beef durch den Fleischwolf. Das Fleisch sah überragend aus und wir haben ein schönes großes Stück Beef Brisket (knapp 2kg) für das Abendessen mehrere Stunden in den Ofen gesteckt. Ein unglaublich überragendes Abendessen war dann ein tolles Ende des Tages! In der Mittagspause bin ich „schnell“ zu meinem neuen Arbeitsplatz gefahren, um ein bisschen Papierkram abzuholen. Da der Chef sehr viel redet, und ca. alle 15 Minuten jemand unser Gespräch unterbrochen hat, hielt ich mich knappe zwei Stunden in dem Büro auf. Damit hatte ich und die Parkuhr nicht gerechnet, weshalb ich mit einem Ticket am Scheibenwischer zurückkam. Wenn man dieses am selben oder nächsten Werktag zahlt, kostet es jedoch nur 10$ (aktuell um die 6,4€) und ist damit nicht wirklich der Rede wert.
Und gestern musste dann ungefähr die Hälfte des Bisons verarbeitet werden! Die Vorderbeine und Rippen hingen nun über eine Woche – Hinterbeine und Rücken werden noch ein paar mehr Tage hängen. Dabei hat Robert das Fleisch von den Knochen geschnitten und ich habe die Vorderbeine in einen großen Haufen Hackfleisch umgewandelt. Da an unserem geschossenen, wilden Bison fast kein Fett vorhanden ist (vielleicht 1-2%), habe ich es mit Bisonfett aus den Gefriertruhen auf um die 15% Fettgehalt gestreckt und alles dann mehrere Male durch den Fleischwolf gedrückt, um es gut einzumischen. Das wenige Fett am wilden Bison ist orange, während das gekaufte Bison Fett weiß ist – das hat mich verwundert. Da das Fleisch durch das Hängen für eine Woche an den Rändern ausgetrocknet ist, musste recht viel (im Vergleich zur Gesamtmasse jedoch wenig) weggeschnitten werden. Aus diesem Fleisch und anderen Hautfetzen habe ich dann am Schluss noch Hackfleisch gemacht, welches für die Hunde bestimmt ist. Die Rippen hat Robert noch schnell zersägt und ich verpackte und etikettierte alles. Am heutigen Geburtstag meiner großen Schwester gratuliere ich ihr auch auf diesem Wege nochmals ganz herzlich und wünsche nur das Beste! Da sie über ihren Geburtstag entflohen ist, verpasse ich wenigstens keine weitere große Geburtstagsparty :).
07.04.2018
Letzte Woche Sonntag wollten wir dann alle Skifahren gehen. Da am Mt. Sima jedoch ein kleines Fest war beschlossen wir vor Ort erstmal etwas zu essen und den Skispringern zuzuschauen. Da James dann unbedingt auch noch Skifahren wollte, habe ich die Skier aus dem Truck geholt und wir sind noch einige Stunden auf die Piste. Der Schnee war überragend und unter strahlend blauem Himmel genossen wir perfekte Bedingungen. Nachmittags haben wir dann noch Thomas (mein zukünftiger Chef), Kelly und die 4 Kinder am Skilift getroffen und da Josephine mit James zur Schule geht, hatten wir noch ein paar Abfahrten mit ihr.
Am nächsten Tag ging es dann weiter mit dem Verarbeiten des Fleisches aus den Gefriertruhen. Dabei haben wir unter anderem gefrorene Elch Leber, gefrorenen Oxen Schwanz und gefrorene Schweinerippen zersägt und verpackt. Ich habe dann dienstags weitere Würste gemacht (Chorizo Sausage). Robert ist aktuell sehr beschäftigt gewesen die ganze Einrichtung zu verkaufen und mit den ganzen Anrufen klarzukommen. Diesbezüglich war ich die meiste Zeit alleine und musste alleine klarkommen. Das Mixen des Hackfleisches mit den Gewürzen und dem Wein stellte dabei kein Problem dar. Die Därme zu entwirren dauerte dann aber wieder ganz schön lange…. Die Wurstpresse alleine zu bedienen ist auch nicht einfach, aber möglich! Mit der einen Hand langsam und kontinuierlich die Kurbel drehen und mit der anderen den Darm führen und schon hat man fast fertige Würste :). Diese habe ich dann nur noch auf die richtige Länge gedreht und dann konnten sie für eine Nacht (einige für zwei Nächte) in den Kühlraum bis ich sie am nächsten Tag vakuumverpackt, etikettiert und gefroren habe. Da Maja am Dienstag 6 Jahre alt geworden ist, gab es einen Eiskuchen nach dem Abendessen. Dieser war nicht überragend lecker, sie war aber zufrieden.
Am Mittwoch bin ich in meiner Mittagspause dann schnell zu Straßenverkehrsamt gelaufen. Dort musste ich kurz warten und konnte anschließend meinen kanadischen Führerschein der Klasse 5 beantragen. Dazu musste ich mindestens zwei Papiere vorweisen, welche meinen Wohnort in Whitehorse (bzw. im Yukon, da Yukon drivers license) bestätigen. Dazu habe ich von Thomas ein Bestätigungsschreiben des Arbeitsvertrages und meiner zukünftigen Adresse bekommen. Damit konnte ich zur Bank (BMO – Bank of Montreal) gehen und mein Bankkonto von Vancouver auf Whitehorse ummelden. Mit einem Schreiben von der Bank und dem Schreiben von Thomas war es dann möglich den kanadischen Führerschein anzugehen :). Da ich bereits einen deutschen Führerschein habe, muss ich hierzu nur einen Schildertest am Computer durchklicken. Bei diesem muss man nur 20 von 25 Fragen richtig beantworten – zudem kam bei mir eine Frage doppelt :D…. Für den Schildertest werden 20$ berechnet und dann musste ich nochmal 20$ hinlegen, um meinen vorläufigen Führerschein ausgedruckt zu bekommen. Zuletzt noch einen witzigen und mehr oder weniger nutzlosen Sehtest durchmachen und ein paar mehr Fragen beantworten, konnte ich nach knapp 45 Minuten mit meinem kanadischen Führerschein rauslaufen. Den deutschen Führerschein musste ich abgeben, kann ihn jedoch wieder zurücktauschen wenn ich wieder nach Deutschland gehe.
Der Schlussverkauf im Farmer Roberts Store begann dann am Freitag. Am Morgen habe ich dann geholfen alles aus dem kleinen Lagerraum für die Unverpackt Abteilung in die Verkaufsfläche zu bringen. Zudem habe ich zweimal die Gefriertruhen aufgefüllt und sämtliche Möbelstücke und Dekoration zusammengestellt. Aus dem Warenhaus haben wir noch eine Popcorn- und eine Pizzamaschine in den Store gebracht, etc. Der Tag war ziemlich hektisch und ich bin immer noch beeindruckt von der Menschenmenge, welche sich um die Angebote gerissen hat. An diesem Tag wurde dann mehr eingenommen, als in den vorherigen zwei Wochen. Aus dem Container musste ich dann sogar noch mehr Einkaufswagen bringen. Dieser Tag hat mich definitiv beeindruckt. In meiner Mittagspause habe ich mich dann dem Bison Schädel gewidmet. Dieser befand sich nun für einige Tage Luftdicht verschlossen in einer Plastiktüte und war zum Glück nicht ausgetrocknet. Sydney hat mir über ihren Freund Peroxide beschafft und ich konnte eine ganze Falsche auf dem Schädelknochen verteilen. Dazu habe ich einen alten Pinsel genommen und dicke Handschuhe aufgezogen. Mir wurde eindrücklich nahegelegt, das Zeug nicht an meine Haut gelangen zu lassen – Für den Notfall hilft angeblich Essig #Chemie. Der Schädel ist nun wieder in einer Plastiktüte verpackt und wird dort ca. eine Woche lang verweilen. Danach muss ich ihn nur noch abwaschen und dann ist er fertig zum Versenden – hoffentlich funktioniert alles…
Maja feierte dann am Samstag ihren kindergeburtstag im Canada Game Center. Dort hat Victoria einen Raum und einen Teil einer Turnhalle gemietet. Ich hab keine Ahnung wie viele Kinder es waren, aber es waren fast zu viele. Ich hatte nie so einen großen Kindergeburtstag und ich weiß jetzt auch warum :D. Die Party dauerte auch nur knapp drei Stunden und gegen Ende haben wir dann teilweise den Überblick verloren. Nach dem finalen Aufräumen und Fegen konnte ich dann den Rest des Tages im Hot Tub entspannen :). Sonntags hatten wir dann einen Coijoten auf der Farm, welchen die Hunde dann vertrieben haben, jedoch kam er (oder ein anderer) am nächsten Tag wieder vorbei – da sie schnell wieder verschwanden konnte Robert sie jedoch nicht erscheißen. Am Mittag war ich dann wieder mit James Skifahren. In der Nacht hatte es knappe 25 Zentimeter geschneit und bot damit hervorragende Bedingungen. Es war trotzdem kleine lange Schlange am Skilift. Da wir keine Schneebrillen dabei hatten, war der leichte (an der Bergstation starke) Schneefall etwas beeinträchtigend. Dieser hörte dann nach einigen Stunden auf und wir konnten endlich sehen wo wir hinfahren. Mt. Sima besteht aus nur einem Sessellift, jedoch gibt es auf jeder Abfahrt präparierte Schanzen und drei Funparks, welche größer sind als in großen Skigebieten! Diese wollte James dann jedes Mal durchmachen bis wir am Ende des Tages erschöpft waren. Für seine nur sieben Jahre ist James ein sehr guter und verantwortungsbewusster Skier, jedoch redet er manchmal nur Blödsinn.
Der heutige Tag begann dann anders als sonst. Da Robert aufhört Hühner zu halten, hatte er Käufer für seine Hühner gesucht. Darauf haben sich dann unzählige Leute gemeldet und unter anderem auch ein Paar, welches die Hühnerhaltung komplett weiterführen will! In den letzten Tagen wurde es dann ausgelotet und vom 1. Mai an wird Robert den Hühnerstall auf dem Grundstück vermieten. Diesbezüglich habe ich heute die zukünftige Hühnerfrau eingelernt. Dabei hat sie sich nicht dumm angestellt, definitiv nicht! Jedoch ist sie sehr verängstigt tote Hühner aus dem Stall zu tragen oder gar ein Huhn zu töten :D. Ich habe ein paar unbezahlbare Blicke bekommen, als wir uns darüber unterhielten. Neben dem vermieten des Hühnerstalls wird auch der Store vermietet! Bereits seit mehreren Monaten ist ein Fisch Geschäft in dem Nebengebäude und seit März ist nun die Yukon Chocolate Company in einem kleinen Raum – Diese bleiben auch weiterhin bestehen. Ab Juni werden dann „Icycle Sport“ (ein Fahrrad Geschäft) und „Midnight sun“ (Coffeeshop) den restlichen Store mieten. Es läuft also nicht schlecht für Robert und es war die richtige Entscheidung den Farmer Roberts Store zu schließen. Die meisten Gefriertruhen, Gefrierschränke, Kühlschränke, sowie alle Regale und den großen Kühlraum hat Robert schon verkauft bekommen. Dies wartet nur darauf, dass die Waren alle ausverkauft werden. Am heutigen Rundgang im Hühnerstall habe ich dann beim Wasser auffüllen etwas über mich fliegen gespürt. Es war ein Rabe… Diesen habe ich dann die nächsten 30 Minuten versucht heraus zu jagen, wofür ich alle Löcher und Türen des Stalls geöffnet habe. Ich bin zum Haus gelaufen und wollte Robert fragen, was nun zu tun ist, er hat jedoch schon geschlafen… Also versuchte ich erneut den Raben raus zu jagen. Der dumme Rabe wollte aber einfach nicht rausfliegen und ich wurde wütend, da dieser doofe Vogel die Hühner und Enten verängstigt und zudem meinen Feierabend hinauszögert! Also begann ich eine Rolle Klebeband zu werfen. Diese verfehlte dann einige Male, traf jedoch zweimal und holte den Vogel aus der Luft. Zudem habe ich den Stil vom Rechen abgebrochen, weshalb die Heugabel den Rest erledigte. Gute Nacht.
16.04.2018
Morgen ist der letzte Tag des Farmer Roberts Stores und am Montag ist mein letzter Tag auf der Farm. Derweil ist Victoria über das Wochenende nach Vancouver geflogen... Die Kinder und Robert hat sie dabei zurückgelassen. Robert fliegt übrigens Anfang Mai nach England und besucht seine Familie - hierzu nimmt er Maja und James mit. Sofern ich Zeit habe, werde ich Victoria etwas mit dem Bepflanzen des kleinen Feldes und des Gewächshauses helfen. Der Hühnerstall wird ab nächster Woche dann von Tamara weitergeführt, welche ich bis dahin dann zwei Wochen lang eingelernt habe. Ihr Mann Teddy kann aktuell nur an Sonntagen aushelfen, jedoch kam sie meistens mit ihrer Tochter und ihrer Schwägerin, welche unterstützen werden. Kam zu glauben ist dabei, dass ich alleine weniger Zeit im Hühnerstall verbringe als wir die letzten Tage zusammen - zu VIERT (4)! Mich stört das ja weniger, wenn die die ganze Zeit reden oder einfach nur langsam sind ... ich hab in ein paar Tagen ja nichts mehr damit zu tun, trotzdem werde ich weiterhin auf Effizienz und Schnelligkeit hinweisen und anschieben. Denn der Hühnerbestand wird nicht einfach so weitergeführt! Seit letztem Sonntag habe ich einen neuen Nachbarn - einen Hahn :). Dieser lebt sich nun eine Weile in der kleinen Hütte und dem Außengehege in nur wenigen Metern Entfernung zu meiner Hütte ein. Einer viertel Stunde nach Sonnenaufgang macht er sich dann hörbar... Da ich nur noch wenige Tage hier bin, kann ich es aber aushalten :).
Bezüglich des Stores haben wir in den Letzten Tagen und Wochen Unmengen an Zeug bewegt und verkauft. Einige leere Holz Regale konnten schon abgeholt werden, sowie: ein halbes duzend Gefriertruhen, zwei Gefrierschränke, die Metzgerei Säge, die Waage und Ettiketiermaschine, der Vacuumpacker, die Wurstpresse, alle Tische, einige der Waschbecken, um die 10 Metallregale und knappe 50 aus Kunststoff, Stühle, Hocker, Dekoration, etc... Zudem fuhren wir eine Anhängerladung mit Zeug von der Farm: 20 neue und nie angeschlossene Solarpannel, 4 originalverpackte Komposter Toiletten, eine weitere Gefriertruhe, zwei komplette und originalverpackte Sets aus Kloschüssel, Deckel und Spülkasten, einen originalverpackten Wäschetrockner und eine originalverpackte Waschmaschine... Unglaublich, wie viel Zeug Robert besitzt und einfach nicht braucht :D. Das alles und vieles mehr haben wir nacheinander im Store aufgebaut - und das Meiste ist verkauft! Auch die ganzen Waren sind bei mittlerweile 50% Rabatt (30% auf Fleischwaren) fast alle ausverkauft! Auch die ganzen Küchengeräte, Pfannen, Teller, Tüten, einfach alles was man so in einer Küche hat ist weitestgehend verkauft. Einen Tag habe ich dann damit verbracht Roberts Truck mit Lebensmitteln und Küchenequipment zu laden, was Victoria und Robert zur Seite gelegt haben, um es nach Hause zu bringen. Dabei handelte es sich nicht um kleinen Mengen :D. Wir sprechen z.B. von mehr als 20kg verschiedener Teesorten oder 40 Flaschen Olivenöl… Im Haus habe ich daraus einen großen Haufen gebaut, welcher bisher noch nicht kleiner wurde – Hauptsächlich, da nicht genug Stauraum zur Verfügung steht. Nachdem wir den Rest unseres Bisons nach 3-wöchiger Reifung zu Steaks und Braten verarbeitet haben und noch einiges mehr an gefrorenem Zeug für den privaten Gebrauch bestimmt war, füllten wir eine weitere Truckladung und fuhren zur Farm. Dort sind jetzt zwei große Gefrierschränke und ein kleiner Gefrierschrank, sowie eine große Gefriertruhe komplett voll! Zudem wartet ein weiterer Gefrierschrank darauf, mit dem Rest vom Store befüllt zu werden.
Da seit knapp zwei Wochen kein Essen mehr in der Küche zubereitet wurde, bestand unser Mittagessen aus einer Mischung aus Tim Hortons, Pizza Hut, Boston Pizza, A&W, etc.. In den letzten Tagen kam dann täglich noch eine 12er Box mit Donuts dazu :). Morgen Abend um 6 pm pazific time schließt der Store dann für immer. Es ist angeblich eine kleine Party organisiert, ich selbst habe davon erst gestern erfahren. Mein Plan für morgen sieht nach den letzten Tagen Zeug rumschleppen einen langen Aufenthalt im Hot Tub vor.
Letzte Woche Freitag habe ich übrigens den Wissenstest für meinen Klasse 4, kommerziellen Führerschein bestanden. Dabei musste man mindestens 28 von 35 Fragen richtig beantworten, um zu bestehen. Da ich das zugrundeliegende Buch nicht komplett gelesen habe, – und zudem auch keine Ahnung von einigen Wörtern hatte – versuchte ich es mit gesundem Menschenverstand und Glück. Am Ende bestand ich mit 6 Fehlern :D. Als nächstes steht dann ein road test und ein medical exam an.
27.04.2018
Der letzte Tag des Farmer Roberts Store war dann der Samstag. Nach dem Aufenthalt im Hot Tub kam ich dann am Nachmittag für die letzten Stunden. Da Robert mit den Kindern danach dann auch ins Hallenbad im Canada Game Center gehen wollte, bin ich einfach nochmal hin :). Für die letzte Stunde waren wir dann auch wieder zurück. Da Robert und Lorrie sich nicht abgesprochen haben, hatten wir heute sogar zwei Boxen mit Donuts :). Eine davon habe ich dann alleine gegessen, da die anderen keine Lust mehr auf Donuts hatten. Die letzte Kundin hat Robert dann noch mit einigem Zeug beschenkt, welches noch im Store so rum lag und um kurz nach 6pm wurde der FRS dann für immer abgeschlossen. Dann begann die Mitarbeiterparty :) und da Robert sich betrinken wollte, hat er mich zum Fahrer deklariert. Ich hab dann halt an den Donuts weitergegessen und mit den Kindern Saft getrunken – womit ich völlig zufrieden war. Als wir mal kurz nicht aufgepasst haben, hat Henry mit dem Wasser gespielt und die Küche und die Mitarbeitertoilette geflutet. Da quasi alles aus der Küche raus ist, konnte das Wasser dann jedoch einfach in den nächsten Abfluss geschoben werden. Victoria kam am Sonntagabend zurück aus Vancouver, weswegen Robert mit den Kindern mehr als den halben Tag mit aufräumen und Putzen verbracht haben. Maja und James waren davon dann sichtlich genervt/gelangweilt und ich fuhr mit Ihnen zu den Takhini Hot Springs. Diese waren die Woche zuvor für den „Frühlingsputz“ geschlossen, wobei ich mir davon erhofft habe, dass ein paar Reparaturen am Becken und in der Umkleidekabine durchgeführt werden, was jedoch nicht der Fall war.
Mein letzter Tag auf der Ibex Valley Farm bei Robert und seiner Familie war dann der Montag, den 30. April. An diesem habe ich mit Marvin den großen Schiffscontainer im Hinterhof ausgeräumt und den ganzen Scheiß auf den Anhänger und den Truck geladen. Den großen Müllcontainer haben wir auch gefüllt und mussten dann einen weiteren Müllstapel anhäufen, da der Müll erst am nächsten Tag abgeholt werden konnte. In dem Schiffscontainer waren Farben, Werkzeuge, Maschinen, Dämmwolle, Holzreste, Kabel, Rohre, Beton und jede Menge Sachen und Ersatzteile für den Store in einer unglaublichen Unordnung vorgelegen. Da heute keine Donuts in der Küche lagen, bin ich aber erstmal zum Tim Hortons gefahren und habe diese Situation beseitigt. Im Store waren zu dieser Zeit schon unzählige Leute, welche die Gefrierschänke, Kühlschränke und die restlichen Regale abholten. Deren hat begonnen den Kühlraum auseinander zu bauen, da auch dieser verkauft ist. Und am Nachmittag war der Anhänger dann vollgerammelt und der Schiffscontainer komplett leer und besenrein. Zurück auf der Farm gab es dann besten Wood Bison Tenderloin und Sirloin, sowie im gesamten ein überragendes Abendessen mit Eis zum Nachtisch. Während dem Abwasch habe ich draußen dann eine Herde Rehe auf dem Grundstück gesehen, welche in nur um die 50 Metern entfernt von mir herumliefen. Als ich Robert und die Kinder hergerufen habe, freuten sich alle und nach einer Weile Lärm machen und Geschreie sind die Rentiere dann auch schon langsam abgehauen :D. Ab Abend habe ich mich dann in das WOOFFer-Gästebuch eingetragen und konnte deshalb erst am nächsten Morgen mit packen anfangen. Meine Zeitplanung hat dabei dann sehr gut hingehauen, ich war jedoch sehr müde nach einer kurzen Nacht. Als letzte Hilfe habe ich Robert angeboten den Anhänger vom Tag zuvor abzuladen und das Zeug aufzuräumen. Er war jedoch mit Henry alleine und alles verzögerte sich. Zudem habe ich zwei große Feuer beim Hühnerstall gestartet, um das ganze herumliegende Holz loszuwerden. Eigentlich hätte ich um 11am meinen neuen Job anfangen sollen, bzw. habe ich es so mit Thomas ausgemacht. Mit dem Landrover bin ich dann nach getanem Abladen und Einladen meines Gepäckes mit 1,5 Stunden Verspätung angekommen… Da Thomas Robert sehr gut kennt, war das aber kein Problem.
Dann begann mein neuer Job. In Whitehorse gegenüber des Touristen Informationszentrum befindet sich der Standort von Yukon Wide Adventures. Dort war ich dann geschockt, als ich die unbeschreibliche Ordnung bestaunt habe – das war ich von Robert einfach nicht mehr gewohnt :D. Bei Robert musste ich immer versuchen aufzuräumen oder Sachen zu finden und hier muss ich jetzt aufpassen alles perfekt in den dafür vorgesehenen Platz zu räumen. Der erste Job war dann die Fenster von innen zu putzen und alles abzustauben. Neben mir sind aktuell auch noch Max (Kanadier aus Quebec), Dietmar (Österreicher mit permanent resident für Kanada) und Felix (aus Deutschland, nahe Stuttgart) angestellt und da. Zudem kommt noch ein kanadischer Guide und eine deutsche, welche sich um die Wandertouren kümmert. Nach dem Winter mussten wir alle Bote putzen, wobei wir nur so die Hälfte hinbekommen haben. Am Nachmittag musste ich dann ein bisschen mit einem anderen Auto fahren üben. Denn am nächsten Tag ist meine Fahrprüfung! Dazu habe ich dann Thomas in der Stadt herumgefahren und anschließend habe ich mich mit unter der Motorhaube vertraut gemacht. Dabei fehlt die Halterung für die Motorhaube und ein Holzklotz muss darunter geklemmt werden. Außerdem klemmen eigentlich alle Türen, bzw. lassen sich nur von außen gut öffnen. Da für die kommerzielle Klasse 4 Lizenz auch eine pre-trip-inspection des Fahrzeuges vom Prüfer verlangt werden kann und das Fahrzeug dazu in gutem Zustand sein muss, war ich schon etwas besorgt. Und der erste abwechslungsreiche Arbeitstag ging dann auch schon schnell vorbei. Thomas hat mir meine Hütte gezeigt und ich habe mit Felix und Dietmar Aufbackpizzen gegessen. Diese teilen sich eine Hütte und ich hab zumindest aktuell eine eigene auf seinem Grundstück. Wenn das Haus in Whitehorse dann endlich fertig ist, werden wir dann dorthin umziehen. Jedoch muss ich sagen, dass meine Hütte echt schön ist, jedoch kein Wifi. Zudem möchte ich nicht wirklich immer eine halbe Stunde nach Whitehorse fahren müssen, wie es schon auf der letzten Farm der Fall war, da man da einfach viel Freizeit verliert… Auch auf dem Grundstück ist alles perfekt aufgeräumt und das Wohnhaus sieht einfach nur genial aus. Foto folgt!
Fahrprüfung war dann am nächsten Morgen um 9am angesagt. Auch dazu war meine Zeitplanung durchdacht und ausreichend. Das Auto ist dann halt nicht angesprungen… das fühlt sich dann nicht so beruhigend an. Einige Minuten ans Ladegerät angeschlossen und dann noch zusätzlich mit Thomas Truck Starthilfe gegeben, konnte ich eine knappe halbe Stunde später dann losfahren… Meine Fahrweise auf der Fahrt war dann definitiv nicht Fahrprüfungstauglich, jedoch kam ich noch rechtzeitig an. Dann ging es auch schon los. Der Prüfer hat dann nur angemerkt, dass das Auto ja so klein sei und ich deshalb keine Inspektion durchführen muss. Superlangsam, hochkonzentriert und wild herumschauend bin ich dann durch Whitehorse gefahren :D. Ich hab mich dann auch über fehlende Straßenmarkierungen beschwert und ein paar Unterschiede zur deutschen StVO erläutert (rechts abbiegen bei rot, Center lane, Ampeln nach der Kreuzung…). Beim rückwärts Einparken habe ich beim Korrekturzug dann den Randstein gestreift, was einen Fehlerpunkt gab, aber ich hatte halt keine Ahnung von dem Auto und der Größe, was für eine Prüfung nicht sehr förderlich ist. Mit einem weiteren Fehlerpunkt für einmal nicht richtig gehalten an einem Zebrastreifen gab es dann einen weiteren. Das war es dann aber auch und zurück auf dem Parkplatz angekommen, hatte ich die Prüfung bestanden! Damit hatte ich echt nicht gerechnet. Ich bin dann auch im Auto sitzen geblieben, um die Tür nicht öffnen zu müssen, welche sich mittlerweile nur noch mit Öffnen des Fensters und über den Außengriff öffnen lässt :D. Definitiv mal wieder Glück gehabt :). Am Yukon Wide Adventures Shop angekommen habe ich dann Fenster, Türen, Sockel, Dachrinnen und Schilder außen geputzt. Dabei hatte ich ein nettes Gespräch mit dem Strafzettelverteiler, welchem die Gebäude sehr gefallen und er sich immer freut vorbeizulaufen (und Strafzettel zu verteilen). Als ich meinen letzten Strafzettel erwähnt habe, hat er sich dafür entschuldigt :D – ist halt sein Job. Da die Abwasserleitung zugefroren ist, können wir diese nicht nutzen, weswegen das Wasser in den Hütten abgestellt ist. Nur im Lager hat es Wasser und über einen Wärmetauscher von der Heizung kann man so fünf Liter warmes Wasser bekommen. Darüber regt sich Thomas sehr auf und es ist auch echt ein scheiß… Als das warme Wasser leer war habe ich dann eine Mittagspause vom Putzen eingelegt. Ich bin zur Alpine Bakery gelaufen und habe mir einen Laib Brot gekauft, zudem eine heiße Schokolade und einen Canadian Maple Donut (Ahornsirup Glasur mit Vanille Füllung) vom Tim Hortons.
Am Donnerstagmittag begann dann der Aufbau für die Yukon Trade Show im Canada Games Center in der Eislaufhalle. Vor meiner Mittagspause bin ich dann noch ins Nachbargebäude zu meinem Termin für mein „medical exam“ in der walk in clinic. Das erste man, dass ich in Kanada zu einem Doktor musste! Da ich kurz vor deren Mittagspause dran war musste ich nicht lange warten und durfte erstmal die 150$ blechen. Anschließend habe ich einen weiteren Sehtest bestanden und durfte dann kurz den Blutdruck messen lassen, welcher perfekt war. Herz- und Lungentöne abgecheckt und einige Fragen beantwortet, konnte ich auch schon mit meinem ausgefüllten medical exam wieder gehen. Dieses muss ich jetzt nur noch abgeben und dann bekomme ich endlich meine Klasse 4 Lizenz ausgestellt. Auf dem Parkplatz am Canada Games Center war dann schon recht viel Los und wir versuchten so nah wie möglich zum Eingangstor heranzufahren. Das Holz aus dem Anhänger haben wir dann ausgeladen und dann begannen wir unseren Stand zu bauen. Unsere Fläche war 20x20Fuß groß, welche wir mit einem großen Holzrahmen komplett ausnutzten. Hinten mit zwei dicken Balken eine massive Stütze und der Rest waren dann nur breite Dachlatten, welches alles bei Thomas auf dem Grundstück rumlag. In der Halle haben wir dann alles zu Recht gesägt und langsam den Rahmen errichtet. Durch Querstreben ist es dann überraschend stabil geworden und wir konnten anfangen die Kajaks anzulehnen und festzubinden. Dazu sind wir dann mehrere Male mit dem Anhänger zum Shop gefahren und hatten am Schluss 28 Kunststoff Kajaks aufrecht stehen, sowie drei Rennkajaks aus Karbon auf Stützen aufgestellt und ein weiteres aus Kunststoff auf dem Boden liegen. Einige der neuen Kajaks waren dreckig, weshalb wir alle nochmals geputzt haben. Um ein paar Paddel zu zeigen, habe ich bereits am Mittwoch Holz zurecht gesägt und mit Felix ein nettes Präsentationsregal nach Thomas’ Plan errichtet, welches ich dann am späten Abend noch mit Klarlack bestreichen musste. Die darin reingelegten Paddel sind die teuersten, welche wir verkaufen und reichen bis über 700$ das Stück. Die bunten und verschieden großen Kajaks und die dagegen recht unauffälligen Paddel haben unseren Stand gegenüber den anderen sehr herausgehoben – unser Stand mit den Spitzen der Kajaks war dann von überall auf der Messe zu sehen.
Nachdem wir noch letzte Vorbereitungen getroffen haben, wurde die Messe dann Freitagnachmittags zunächst für einige Stunden für Handicapte und dann für die Öffentlichkeit eröffnet. Viele Interessenten kamen vorbei und in ein paar Katalogen und auf Listen habe ich mir etwas Fachwissen angeeignet, um Kunden richtig beraten zu können. Kunststoff Kajaks von um die 800$ bis über 2500$ haben wir im Sortiment und zudem noch die aufgebauten aus Karbon mit bis zu knapp 5000$. In einer Pause konnte ich dann ein bisschen herumlaufen und war insbesondere von den Hot Tubs sehr beeindruckt :D. An vielen Ständen gab es ein Gewinnspiel mit kostenloser Teilnahme und teilweise auch etwas für umsonst (Popcorn, Eis am Stiel, andere Süßigkeiten oder einfach nur Stifte). Kurz nach 5pm musste ich dann mit dem Landrover abhauen, um zurück zu meiner alten Farm zu fahren. Denn aufgrund einer Sportlerehrung für Victoria habe ich auf die drei verrückten Kinder aufgepasst. Victoria hat dazu schon das Abendessen (Spagetti mit Bisonhackfleischsoße und Salat) vorbereitet und ich hatte mal wieder ein tolles Essen! Um die Kinder (besonders Maja) ruhig zu stellen gab es zum Nachtisch Eis und dann ging es über zum Filmschauen :D. Nachdem ich die erste Unordnung beseitigt habe brachte ich Popcorn nach unten und schaute mit. Henry wurde nach einer Weile müde und weinte nach seiner Mama… Maja und James haben sich über die Auswahl des zweiten Filmes gestritten und die Popcorn waren mal wieder überall :D. Gerade als der zweite Film zu Ende war, Henry bereits geschlafen hatte und Maja und James am Einschlafen waren, kamen Victoria und Robert zurück. Da Maja dann sehr rumgeschrien hat ist Henry nach einer Weile wieder aufgewacht und hat rumgeweint… Oben hatte ich dann ein nettes Glas Whiskey mit Robert und als alle Kinder wieder geschlafen haben (kurz vor 11pm!) haben wir uns noch etwas unterhalten. Dann habe ich nochmal in meiner alten Hütte geschlafen :) und wurde am nächsten Morgen von Maja uns James höchstpersönlich aufgeweckt… Zum Frühstück gab es dann leckere Waffeln mit Butter, Ahornsirup und Erdbeeren (: Nachdem ich mich dann nochmal verabschiedet habe, fuhr mich Victoria mit Maja nach Whitehorse zum Games Center, um dort pünktlich zum Öffnen der Messe da zu sein. Heute war ich dort alleine mit Thomas und wir hatten nahezu Pausenlos Leute in unserem Stand und hatten viele Beratungen geführt und Flyer/Karten verteilt. In meiner Mittagspause war ich dann eine Stunde lang im Hallenbad und konnte mich etwas aufwärmen :). Dazu habe ich mir endlich eine Zehner-Karte zugelegt, um 0,9$ pro Eintritt zu sparen. Das Eis in der Messehalle ist zwar entfernt, aber aufgrund der Verbindung zur anderen Eishalle war es recht kalt und nicht wirklich angenehm um dort sieben Stunden zu stehen. Die Zeit ging auch schnell vorbei, jedoch zog es sich länger und länger hin als ab 4pm weniger los war und ich quasi nur noch rumstand. Zurück im Store in Downtown ist der Chevrolet dann mal wieder nicht angesprungen und musste ans Batterieladegerät angeschlossen werden, was uns den Feierabend unnötig hinauszog… Heute ist dann schon der letzte Tag der Messe gewesen und von 11am bis 4pm hatten wir nochmal nette Gespräche, allerdings deutlich weniger als die letzten Tage. Um halb vier war dann auch die Luft raus und manche haben schon begonnen abzubauen. Hektisch war es dann ab vier als alle gleichzeitig eingepackt haben und schnellstmöglich weg wollten. Deshalb mussten wir die ersten Kajaks bis ans andere Ende vom Parkplatz tragen, da am Eingangstor eine große Schlacht herrschte. Das Abbauen haben wir dann kurz gerockt und nach zwei Fahrten zum Shop mit Be- und Entladen der Kajaks konnten wir am Ende des Tages sogar noch den Holzrahmen abbauen. Dazu haben wir die zwei Akkuschrauber parallel auf Vollgas laufen lassen, um endlich abhauen zu können, was dann um kurz nach sieben der Fall war. Dietmar war an seinem freien Tag dann noch nicht zurück aus dem Hallenbad, weshalb Felix und ich noch auf ihn warten mussten, als Thomas schon weggefahren ist. Als endlich alle im Auto waren hat die beschissene Batterie dann mal wieder gemeint nicht fähig zu sein den Motor zu starten und wir standen da…. Mal wieder Feierabend aufgeschoben und Freizeit abgezockt. Dietmar hat mit jemandem auf dem Parkplatz abgecheckt Starthilfe zu bekommen, welcher jedoch in Eile war und nach dem zweiten schnellen Versuch wegfahren musste. Ein netter angestellter vom Games Center, welcher gerade auf dem Parkplatz rumgelaufen ist hat und dann seine Hilfe angeboten und fuhr sein Auto vor. Darüber haben wir es dann auch noch einige Male versucht und gaben dem Auto am Schluss noch eine letzte Chance, nachdem wir es um die zehn Minuten über das andere Auto geladen haben… Wir waren dann alle sehr glücklich, als ich den Motor endlich anbekommen habe. Da die ganze Geschichte dann mehr als eine Stunde gedauert hat, beschlossen wir nur durch den Drive thru beim A&W fahren zu wollen – eigentlich wollten wir einkaufen gehen und ein tolles Abendessen zubereiten – und zudem wurde mir von den anderen deutlich nahegelegt den Motor keinesfalls zu stoppen :D Mit Thomas habe ich dann das Batterieladegerät vorher noch angeschlossen und in den nächsten Tagen prüfen wir die beiden Batterien nochmal genauer und wollen dieses Problem endlich mal nachhaltig lösen. Nachdem die Messe jetzt vorbei ist, wird es entspannter mit trotzdem jeder Menge zu tun in den nächsten Tagen. Robert fliegt morgen mit James und Maja nach England und ich werde vielleicht mal Victoria aushelfen. Zudem unzählige Projekte in unserem Zukünftigen Haus in Whitehorse, was zu tun an Fahrzeugen, Vorbereiten neuer Kanoes, Fertigstellen des Rolltores am Shop, Bauen eines weiteren Unterstandes, etc… Zudem müssen wir baldmöglichst aufs Wasser, um für die Saison zu trainieren (Erste Tour ist Anfang Juni), da der Yukon River in Dawson jedoch immer noch gefroren ist, ist das abhängig von dem brake up.
06.05.2018
Aus einem alten neben dem Lager liegenden Baumstamm sägte Thomas drei Pfosten für einen zusätzlichen Zaun sowie zwei Aschenbecher heraus. Mit Felix habe ich diese dann mit der Flex abgeschliffen. Da eine Stelle besonders modrige Stelle beinahe schon von selbst abfiel, musste ich dies abhobeln. Wobei es nicht wirklich ein Holzhobel war, sondern mehr ein leicht gerundetes Messer mit zwei Griffen an beiden Seiten – Fachwort weiß ich. Auf jeden Fall ist dabei meine Hose am Oberschenkel aufgerissen, da ich mich zu schnell hingesetzt, hingekniet und bewegt habe… Es war am heutigen Tag aber sehr warm und ich konnte in zerrissener Hose und T-shirt weiterarbeiten. Bis mir einfiel, dass ich ja immer eine Badehose dabeihabe, falls ich mal in einer Pause oder aufgrund unerwarteter Gegebenheiten in den Hot Tub gehen könnte (Ich nenne das für den Notfall vorbereitet) :). Max hat derweil mit Bohrmaschine und Stechbeutel an den Vertiefungen für die Aschenbecher gearbeitet. Am nächstem morgen haben wir dann fertig abgeschliffen und anschließend lackiert. Da nach dem Arbeiten mit Holz alles staubig und voller Sägespäne war, habe ich gekehrt und mit dem Schlauch einmal nass durchgesprüht. An einem sexer Kanoe habe ich die Sitze herausgeschraubt, da es geputzt, geschliffen, ausgebessert und neu gestrichen werden soll. Da der Tag dann noch nicht zu Ende war haben Felix und ich das Boot noch ausgesaugt, geschruppt und zweimal nass ausgespritzt. Auf dem Fußweg vom Auto zu meiner Hütte habe ich dann plötzlich etwas Bewegen sehen. Zwei Rehe querten den Weg und grasten anschließend in nächster Nähe. Ich näherte mich mit Felix langsam an, was die Rehe jedoch nicht wirklich beeindruckte. Als wir auf so um die 10Meter nahe gekommen sind hat der Hund angefangen zu bellen, die Kinder sind rausgerannt gekommen und die beiden Rehe sind lustig weggehüpft :). Am Mittwoch wollte ich beim Mittagessen mal was anderes als Tim Hortons, Subway, etc. bekommen und Thomas hat mir einen kleinen Metzger empfohlen. Dieser gehörte Deutschen und es riecht auch wie eine Metzgerei :) zudem werden ein paar deutsche Lebensmitten verkauft (allerdings recht teuer)… ich habe mir ein Sandwich belegen lassen und staunte über die Ritter Sport Schokolade im Regal! Dabei konnte ich nicht widerstehen und kaufte eine Tafel. Zudem drei Packungen „Dr. Oetker Milchreis“, da dieser bald abläuft 50% reduziert. In meinem Zukünftigen Häuschen habe ich nachmittags die Fenster im Obergeschoss lackiert und am Abend ging es nach Riverdale zu einem treffen vom YCKC (Yukon Canoe and Kajak Club). Dort haben wir einen Anänger mit Kajaks hingefahren und den Ständer für Paddel aufgestellt. Eigentlich wurde und kostenloses BBQ versprochen, jedoch war dies nicht der Fall und wir mussten dafür zahlen. Bei frühlingshaften Temperaturen ruhten wir dann noch am Ufer des Yukon Rivers im abendlichen Sonnschein.
Da ich bis hierhin noch keinen freien Tag hatte, war dies die Tage darauf der Fall. Donnerstags bin ich um halb neun mit in die Stadt gefahren und habe dort bei Canadian Tire eine Wasserflasche, neue Schnürsenkel für meine Sicherheitsschuhe und eine Schwimmbrille gekauft. Da ich damit dann keine Ausrede mehr vor dem Chlorverseuchtem Wasser im Games Center hatte, habe ich mich auf den Weg gemacht um neben dem Aufenthalt im Hot Tub auch ein bisschen zu schwimmen. Am Eingang vom CGC habe ich dann zufällig Victoria getroffen, welche mir von ihrem neuen Baby Lamm erzählt hat! Dieses fährt sie aktuell viel mit sich herum und zu Hause läuft es im Erdgeschoss herum :D. Wir sind dann damit verblieben, dass ich die nächsten Tage mal vorbeikomme. Nachdem ich eine ganze Weile in der Sauna gekocht habe, bin ich zur Abkühlung sogar mit meiner neuen Schwimmbrille geschwommen. Da ich schwimmen aber einfach irgendwie nicht wirklich mag, habe ich mir Schwimmflossen angezogen und bin schnell wie der Wind durch das Schwimmerbecken gepaddelt :). Die anderen Schwimmer waren von meiner Geschwindigkeit dann sehr beeindruckt, bis ihnen die Schwimmflossen auffielen :D. Es macht definitiv mehr Spaß mit einem Atemzug von einem Ende zum Anderen zu kommen, als bei verkrüppelten Atemzügen ohne Flossen. Nach knapp drei Stunden im Hallenbad war dann alles quasi langweilig und ich lief wieder runter nach Whitehorse. Dort ging ich dann mal zur Bücherei und wollte schauen, was es da so gibt. Aufgrund meines Aufenthaltes im Hot Tub und dem Spaziergang war ich dann aber müde und bin fast eingeschlafen, bis mir nahegelegt wurde, dass schlafen hier nicht erlaubt ist ;). Dann habe ich nach ein paar DVDs geschaut, wobei die Auswahl nicht überragend ist und lieh diese mit meinem neu eröffnetem Büchereiausweis aus.
Am Freitag bin ich mit Thomas und seinem Sohn Sebastian nach Skagway, Alaska gefahren. Auf dem Weg haben wir noch an einem Schrottplatz Ersatzteile für den Suburban geholt und fuhren dann auf den Klondike Hwy. South. Vorbei an immer größer, spitzer und steiniger werdenden Bergen, vorbei an einem grünlich schimmernden See (Emerald Lake) und durch eine kleine Wüste (Carcross Desert) ging es innerhalb der ersten Stunde. Dann kamen immer größer werdende Wasserfälle und die Überreste von Gondeln der Bergmienen. Schließlich fuhren wir über die Grenze nach Britisch Culumbia und anschließend kam der kanadische Zoll, welchen wir aber nur durchfuhren. Erst 30 Kilometer weiter kommt die amerikanische Grenzkontrolle und dazwischen – auf dem Hochpunkt des Gebirgspasses befindet sich die Grenze zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Kurz dahinter steht ein Willkommen in Alaska Schild, an welchem Thomas stoppte und Beweisbilder von mir machte :). Am amerikanischen Grenzkontrollpunkt konnten Thomas und Sebastian mit ihren kanadischen Reisepässen einfach passieren und ich musste wieder rein und den grünen Zettel ausfüllen. Von meinem New York Trip bin ich diesen ja schon gewohnt gewesen und ich freute mich noch einen Stempel in meinen Reisepass zu bekommen :). Der Grenzbeamte war sehr freundlich und ich musste nicht einmal die 6US$ Bearbeitungsgebühr zahlen. Da die Toiletten allerdings noch gefroren waren, konnte ich diese nicht benutzen und musste es bis nach Skagway runter aushalten. Die Vegetation hat sich stark verändert: Im Yukon alles gräulich und der Boden sandig steinig, im Gebirge nur sehr kleine, alte und verkrüppelte Bäume zwischen schmelzendem Eis und auf der anderen Seite sehr viel mehr grün. Dieses maritime Klima mit mehr Niederschlag macht sich im Landschaftsbild sofort bemerkbar und in Skagway staunte ich über den grasgrünen Rasen, welcher in Whitehorse meist gelb und ausgetrocknet ist. Da wir einen straffen Zeitplan hatten, hurteten wir durch den Supermarkt, Thomas machte einen kurzen Stopp bei der Versicherung und anschließend kauften wir 5 Kisten Bier (Kölsch-Style) für ihn und eine Flasche Wein auf Reserve. Alaska ist eine Stunde hinterher, weshalb wir diese für unsere Arbeiten am Boot dazugewonnen haben – 10 Stunden Zeitverschiebung nach Deutschland. Thomas steckte die Boots Batterien ans Ladegerät und spülte den Frostschutz aus den Wasserleitungen. Ich kehrte den hinteren Teil und schrubbte den Dreck vom Winter weg. Dann konnten wir das Vorzelt aufbauen und weiter putzen – Der wind wurde nicht schwächer und es begann leicht zu Regnen… Wir haben eine der Kühlwasserpumpen repariert, sowie Ölstand und Luftfilter gecheckt. Zum Schluss noch schnell eine neue Diode angeschraubt waren wir auch schon fast fertig (um kurz vor 8pm Ortszeit). Zum Abendessen gingen wir dann über den Parkplatz in ein Fisch Restaurant und ich genoss leckere Fish & Chips. Sebastian ist direkt eingeschlafen, als er mit dem Essen fertig war :D. Die Nacht habe ich dann auf einem im trockenen liegenden Motorboot verbracht. Das Wetter am nächsten Morgen war dann noch widerlicher als am Tag zuvor und es war immer noch windig. Wir staunten nicht schlecht, als wir drei riesige Kreuzfahrtschiffe im Hafen erblickten. Diese haben über Nacht angelegt und waren wohl eine der ersten der Saison. Ich habe dann geduscht und nach dem Frühstück kam dann auch schon der Hafenmeister vorgefahren. Eigentlich habe ich mit einem großen Kranen gerechnet, jedoch handelte es sich nur um einen Anhänger mit hydraulischen Stützen. Dieser wurde dann einfach unter das Boot gefahren, Stützen angehoben, die Trockenstützen zur Seite geworfen und dann fuhr er das ca. 12 Tonnen schwere Boot davon und ins Wasser. Dort zogen Thomas und ich es dann in die Richtige Position und Thomas startete die Motoren. Da auf beiden Seiten das pinke Frostschutzmittel auslief, wussten wir, dass beide Kühlwasserpumpen funktionieren. Nachdem die Motoren dann gute 15 Minuten warmliefen ging es los - Kurz davor bemerkten wir eine Abschwächung des Windes. Durch den Hafen fuhr Thomas dann zu seiner Anlegestelle und wir begannen einzuparken. Dabei sprang ich dann während der Fahrt auf den Holzsteg rüber und schnappte ein Seil vom hinteren Teil des Botes. Der Wind kam stärker werdend von der Seite und das Boot wurde weggedrückt. Thomas versuchte dann die beiden Motoren so laufen zu lassen, dass er die Position halten kann. Als er mir zuschrie, dass ich ziehen sollte war das Boot schräg weggedrückt worden und ich musste es gegen den Wind zu mir her ziehen. Dazu habe ich mich schnell auf den Boden geschmissen, mich gegen eine kleine Holzbarriere gestämmt und zunächst versucht das Seil festzuhalten. Langsam konnte ich das Boot dann zu mir her ziehen und festbinden. Thomas hat dann die richtigen Knoten gemacht und wir waren glücklich, dass alles recht gut geklappt hat. Nach einer Mittagspause auf dem Boot lief ich noch zum White Pass Train hoch und anschließend machten wir uns wieder auf den Rückweg. Das Boot musste halt bis spätestens Mitte Mai im Wasser sein, da der Trockendock im Sommer als Wohnmobilparkplatz verwendet werden muss – diese Mission haben wir erfüllt. Am kanadischen Zoll wurde mir dann ein Loch in Bauch gefragt und die Menge an Alkohol auf der Ladefläche überprüft (da man nur eine bestimmte Menge Zollfrei einführen darf). Thomas konnte sein Lieblingsbier dann aber problemlos einführen und es ging weiter. Emerald Lake war am Tag zuvor noch teilweise zugefroren und einen Tag später was kein Eis mehr zu sehen, was uns Hoffnung machte, dass wir bald auf Kanoe Tour gehen können. Plötzlich stoppten am rechten und linken Fahrbahnrand einige Fahrzeuge, weshalb auch Thomas abbremste. Auf der linken Seite waren dann 4 Bären zu sehen – Gryzzly Bären. Ich war begeistert meine ersten Bären zu sehen und näherte mich langsam an um Bilder zu machen. Spaß ;) ich hab meine Bilder natürlich aus sicherer Entfernung gemacht. Ich schätze so 50-100 Meter Sicherheitsabstand waren ausreichend und ich beobachtete sie eine Weile – immer bereit ins laufende Auto zu springen. Die Größe der Tiere war beeindruckend und die Bären haben sich nicht daran gestört, dass da eine ganze Menschenmenge #Abendessen am Straßenrand steht :D. Nach einigen Minuten sind wir dann auch weitergefahren und erreichten Whitehorse um kurz nach 4pm Ortszeit.
Als ich nach meiner Rückkunft aus Skagway ins Visitor Information Center gegangen bin, habe ich dort Victoria und Henry getroffen – Whitehorse ist irgendwie so klein, dass wir uns immer wieder einfach so treffen :D. Da haben wir dann ausgemacht, dass sie mich am Sonntag abholt, um ihr neues Haustier zu besuchen. Am Sonntag habe ich dann zuvor die Fenster nochmal gestrichen, damit das endlich mal fertig ist. Am Nachmittag bin ich dann mit Victoria zu meiner alten Farm gefahren und bestaunte dort das kleine schwarze Lamm mit weißen Flecken auf dem Kopf. Dieses meckerte zunächst die ganze Zeit und ich konnte es mit einer Babyflasche füttern :D. Das Abendessen war wie immer überragend (Maiskolben, Beef Steak, Pilze, Soße, Gemüse und Fettuccine) und ohne Maja, James und Robert war es ungewohnt ruhig. Dadurch konnte ich mich aber sehr gut mit Victoria unterhalten, bis das Lamm wieder gefüttert werden und Henry ins Bett musste. Ich schließ dann nochmal in meiner alten Hütte und habe die Hunde gefüttert und ausgiebig gestreichelt. In der Nacht hat Victoria ihre Bienen geliefert bekommen, welche im neuen Bienenstock neben den eingezäunten Acker untergebracht wurden.
Gestern stellten Felix und ich uns der Herausforderung IKEA Möbel aufzubauen. Da Die Zimmer im Obergeschoss recht klein sind, kommt dort je ein Stockbett rein. Dieses muss direkt am richtigen Ort aufgebaut werden, da es aufgrund der Raumgröße im Nachhinein nicht mehr gedreht werden kann. Allerdings hatten wir deshalb nur so 5 cm Spielraum um die Schrauben zwischen Wand und Bett festzuziehen. Das erste Bett dauerte dann Ewigkeiten und das zweite ging dafür recht flott, da wir den Feierabend herbeisehnten. Dazwischen haben wir noch einen der Möbelschränke aufgebaut, um die Raumaufteilung erahnen zu können. Am heutigen Mittag haben wir zusammen eingekauft. Dazu hat Thomas eine exakte Einkaufsliste erstellt, welche wir in einem ca. zwei Stunden langen Einkauf zu viert besorgten. Thomas erklärte dann alles sehr detailliert und wir haben immer auf einwandfreien Zustand des Artikels (besonders bei Obst & Gemüse) geachtet, denn dies wird bei tagelanger Lagerung und wiederholten Erschütterungen nicht besser. Nach dem Einkauf wurde alles in die Kanoe Fässer und eine Box verstaut und nacheinander auf der Liste nochmals abgehakt – Sachen zu vergessen ist einfach nicht erlaubt.
15.05.2018
Morgen geht es dann auf Trainingstour! Von Carmacks aus startend werden wir vier bis fünf Tage nach Dawson City paddeln. Die ganze Ausrüstung ist gepackt und Kanoes verladen, sodass wir morgen um kurz nach 9am in Whitehorse losfahren können. Heute Abend werde ich noch ein paar Sachen einkaufen (Regenhose, Sandalen, Sonnencreme, Sonnenbrille, Hut ...) und dann bin auch ich bereit für das erste Abenteuer. Ich freue mich, dass es endlich los geht!
16.05.2018
Mit Felix, Maxim, Sanita und Thomas wurden wir vom Fahrer Tom nach Carmacks gefahren. Auf der Fahrt konnten wir die immer noch zugefrorenen Seen des Yukon Rivers bestaunen – erst wenn diese auftauen, können wir den oberen Teil des Yukon Rivers (Whitehorse bis Carmacks) paddeln/trainieren. Der obere Teil ist jedoch weitestgehend Eisfrei und in Carmacks ließen wir die Boote nahe der Brücke ins Wasser. Beladen und los ging es! Sanita war die ganze Zeit mit Thomas in einem Kanoe, Max die meiste Zeit ein Kajak und ich startete als Steuermann mit Felix im Kanoe. Carmacks lag dann recht schnell schon hinter uns und der erste Schwarzbär ließ nicht lange auf sich warten. Am Ufer lag/lief er auf den Eisresten und hat sich nicht an uns gestört. Nach einer Weile war ich dann echt gut eingefahren und bei super Sonnenschein ging es immer weiter Flussabwärts. Die Flusskarte zu lesen ist sehr einfach und man kann sich quasi nicht wirklich verfahren – muss nur aufpassen nicht in umgestürzte Bäume zu krachen oder so. Bei den legendären Five-Finger Rapids handelt es sich um Strömungskanäle, welche durch Felsen abgetrennt sind. Da der Wasserstand sehr niedrig und die Strömung damit von Anfang an nicht überragend war, waren auch die Rapids kein Problem – Wenn man den rechten Kanal auf der linken Seite durchfährt. Danach war es wellig und wir wurden ein bisschen durchgeschaukelt bis wir kurze Zeit später für unsere Mittagspause an Land gingen. Äpfel, Brot, Mayonnaise, Gurke, Salami, Käse, Orangen, Müsliriegel und eine Art Bifi gab es dann jeden Tag zum Mittagessen - weiter ging es nach einer knappen Stunde. Da wir ja erst um 1pm in Carmacks losgefahren sind, kamen wir auch erst recht spät an unserem Tagesziel in Merrice Creek an. Als erstes wurden die Boote ausgeladen, ausgerieben, an Land gebracht und festgebunden. Wir haben dann zwei tote Bäume gefällt, gesägt und unser Feuer gestartet. Neben dem Feuer graben wir immer ein Loch für unser Abwasser, sodass der Geruch des Feuers unsere Essensreste, Zahnpasta, etc. überdeckt und keine Tiere anlockt. Da unser Camp direkt an einer Bachmündung lag, hatten wir richtig gutes Wasser, welches wir trotzdem noch abgekocht haben. Dann stellten wir unsere Zelte auf uns schnitten Tomaten und so für unser Abendessen – es gab Beef Burger. Gegen Ende des Bratens erblickten wir einen Schwarzbären wenige hundert Meter entfernt, weshalb wir schnell abwaschen und den Fleischgeruch loswerden mussten. Der Bär hat sich nicht wirklich an uns interessiert und lief einige Male zum Wasser und verbrachte einige Stunden dort bis er wieder irgendwo im Gebüsch verschwand. Diesbezüglich habe ich übrigens immer ein Bär Spray an meinem Gürtel mit welchem man sich im Notfall vor einem Bär aus wenigen Metern Entfernung verteidigen kann. Dieses Spray ist in Europa übrigens verboten #Chemiewaffenschutzgesetz oder so - normalerweise greifen Bären aber nicht an. Am ersten Morgen gab es Müsli mit Wasser und Milchpulver zum Frühstück. Da alle anderen Kaffee Trinker sind hatte ich meinen Tee für mich alleine. Dann ging es wieder aufs Wasser und das Paddeln ging weiter. Mittagspause hatten wir an dem eigentlichen Tagesziel mit den Gästen in einem Camp mit historischen Gebäuden und verrosteten Fahrzeugen. Zuvor haben wir an der Uferlinie zwei Gryzlys gesehen, welche aber weggelaufen sind. Nur eine kurze Restdistanz hatten wir dann von Hells Gate bis Fort Selkirk. Dort ist eine Geisterstadt und ein First Nation Sommercamp. Unsere ganze Ausrüstung mussten wir diesmal über einen Steg/Treppe hochtragen und aufgrund der starken Strömung (direkt nach Pelly River Mündung) haben wir auch die Boote hochgeschleppt. Vor dem Abendessen sind wir in der Geisterstadt noch ein bisschen herumgelaufen und sind in fast alle Häuser reingegangen. In der Kirche kann man die Glocke läuten und in anderen Gebäuden kann man zum Beispiel in den Keller oder ins Obergeschoss gehen. Eine ehemalige Schule war auch noch vorhanden, aber wie bereits erwähnt keine Einwohner. Da wir eine richtige Feuerstelle hatten und wir relativ früh angekommen sind, schnitten wir Zeug für einen Obstsalat und machten Reis mit einer Currysoße – ein aufwendiges und leckeres Abendessen. Am nächsten Tag waren dann 102Kilometer Distanz geplant und zum Frühstück gab es Bacon, Ei, Brot und gebackene Bohnen. Bei Sonnschein war ich am Nachmittag dann mehr oder weniger Oberkörperfrei unterwegs (natürlich mit Schwimmweste). Da das Camp am Coffee Creek nicht erreichbar war, mussten wir weiterfahren und ein nächstes Camp suchen. Da der Tag schon so lange, warm und anstrengend war, hatte ich dann absolut keine Lust mehr als wir das nächste geeignete Camp endlich erreichten – dieses war dann auch noch falsch auf der Karte markiert, weshalb ich mich auch noch aufgeregt habe :D. Auf der Insel schlugen wir 113 Kilometer von unserem vorherigen Camp unser Zelt dann mit direktem Flussblick auf und kochten Ravioli mit Käsesahnesoße zu Abend. Mit einem Schokoladenpulvermix können wir übrigens Kakao mit Wasser anrühren (schmeckt echt gut) und mit einem Orangenpulver Orangensaft. Übrigens haben wir bereits viele Herden Dall Sheeps, zwei Moose und einen Biber gesehen – zudem einige Bären am Tag. Am Delta des White Rivers lag vieles trocken und erst sehr spät hat noch etwas Wasser gemündet, was uns im richtigen Kanal einen super Schub verschaff hatte. Jedoch erschwerte der starke Wind dann den nächsten Abschnitt und die Wellen machten es auch nicht einfacher. Dann mündete der Stewart River und verpasste einen weiteren kleinen Schub :). Das Paddeln fiel zunehmend schwerer und die Schultern waren über jede kleine Pause froh :D. Das letzte Mal Campen stand dann wieder auf einer Insel an - mit etwa 60 Kilometern Restdistanz bis Dawson City. Dort gab es Top Sirloin Beef Steak mit Salat zu Abend #überragend. Am letzten Tag durfte ich dann mal das Kajak ausprobieren :). An das erste Mal Kajak paddeln habe ich mich aber recht schnell gewöhnt und dank des Ruders bin ich auch schon ziemlich gerade gefahren. Da der Sitz tiefer liegt, ist es recht frisch und das spritzende Wasser erfrischt dann auch nochmal, weswegen ich drei Hosen angezogen habe. Überall waren schon Goldminen (Klondike Goldfields) und langsam kamen die ersten Häuser, welche jedoch noch zwei Stunden paddeln von der City entfernt sind. Nach einem Schlusssprint habe ich dann auf die anderen gewartet und wir ließen unsere Boote nur noch von der Strömung treiben während wir Kekse gegessen haben :). Vor der Fähre mussten wir dann links anlegen und das ganze Zeug ausladen. Die Kanoes und das Kajak werden dann auf eine Konstruktion aus zwei Rädern gelegt und den Berg zum Campingplatz hochgefahren – Dawson City River Hostel/Campground. Dort haben wir einen teilweise überdachten Bereich für unsere Gruppe, sowie Toilettenhäuser und ein Duschhaus. Das Duschhaus musste dann erst befeuert werden. Der Kaltwassertank wird über eine Pumpe vom Bach aufgefüllt und dann muss man mit einer Schöpfkelle das Wasser in den Warmwassertank umfüllen (mit dem Feuer darunter). Die Hütte ist dabei nicht super isoliert und hat auch einige Lücken zwischen den Holzbalken, das Feuer heizt den kleinen Raum jedoch ordentlich ein und man fühlt sich fast wie in einer Sauna. Mit einer Schöpfkelle kann man dann das kalte mit dem warmen Wasser auf gewünschte Temperatur mischen und sich über den Kopf leeren. Dieses Waschen nach vier anstrengenden, schweißvollen und rauchigen Tagen fühlt sich dann echt gut an. Alle sind jetzt sauber und nach dem Abendessen rannten wir runter zur Fähre, welche gerade anlegte. Thomas hat uns kurz die Stadt gezeigt bis wir ins Casino (Gerties) gegangen sind. Als Guides bekamen wir dafür Saisonpässe, denn zu den Shows und der Livemusik gehen wir auch mit den Gästen. Bei den drei verschiedenen Shows jeden Abend tanzen/singen vier Tänzerinnen, sowie eine Solistin und ein Solist – Dies wird die ganze Saison (Mai bis September) jeden Abend wiederholt. Das Casino ist in sehr schönem alten Stil gehalten und bis auf die elektronischen Spieleautomaten mit blinkenden Displays fühlt man sich echt in der Zeit zurückgesetzt. Als die Show um Mitternacht zu Ende war gingen wir noch ins sogenannte „Pit“ und danach ging es in leichter Dämmerung um 2:30am zur Fähre. Am Morgen wurden wir dann wieder vom Tom abgeholt und nach einigen kleinen Stopps und um die sechs Stunden waren wir wieder zurück in Whitehorse angelangt. Kanoes und die ganze Ausrüstung ausgeladen, sowie kurz nach den Essensresten geschaut und auch dieser Tag war zu Ende. Der nächste war dann ein Putz- und Aufräumtag… Alles geschrubbt, abgerieben, zum Trocknen aufgehängt und schließlich aufgeräumt. Damit war dann der erste Trainingsdurchgang mit Thomas abgeschlossen.
Die nächsten zwei Tage hatte ich frei und besuchte am Donnerstag meinen geliebten Hot Tub :). Am Freitag half ich Robert aus und traf ihn am ehemaligen Farmer Roberts Store. Dort schickte er mich erstmal mit Henry zu einem Baumarkt, um zwei Türen abzuholen, während er den Trockenbau im Büro abschließen konnte. Da ab ersten Juni vermietet wird, muss alles raus. Diesbezüglich haben wir nochmal viel weggeschmissen und anschließend nochmal den Anhänger vollgeladen. Dabei hat es teilweise gehagelt. Mit einer vollen Anhängerladung, einer vollen Pick-up-Ladefläche und zugerammelten Rücksitzen ging es noch an der Tankstelle vorbei, als Robert den Anruf von Victoria bekam die Kinder von der Schule abzuholen. Mit dem ganzen Scheiß beladen fuhren wir dann zu Schule, luden alles nochmal um und dann gings zur Farm. Die Kinder sind übrigens immer noch verrückt :D. Das Lamm lebt jetzt draußen im Hundegehege in einem kleinen Stall und ist schon deutlich größer geworden. Die Bienen sind daneben und werden noch mit Zuckerwasser gefüttert, bis sie ihre ersten Waben gebaut haben oder so – wir werden sehen, ob das was wird. Das ganze Zeug (Holz, Kabel, Maschinen, Werkzeuge, Farben, Möbel, Rohre, einen Gasofen, Baumaterial und noch mehr Werkzeuge) musste dann natürlich auch noch abgeladen und werden und „aufgeräumt“ werden. In der Garage sind jetzt große Berge angehäuft und auch draußen tobt die Unordnung überall – Robert hat aber immer noch fest vor, alles aufzuräumen und zu organisieren, sodass alles einen dafür vorgesehenen Platz hat. Auch da werden wir sehen, ob das funktionieren wird ;D. Das Abendessen war dann wie immer aller Arbeit wert und nach ein bisschen Wein hat mich Robert heim gefahren – er selbst hat sich am Abend noch mit Freunden in Whitehorse getroffen. Samstag Sonntag war Thomas mit seinem Team trainieren für den Yukon River Quest Ende Juni. Deshalb musste ich mit Felix die Stellung in Shop und Büro halten. Ich habe in unseren zukünftigen Hütte dann das neue Treppengeländer abgeschliffen und am nächsten Tag gestrichen.
Am Montag ging es dann auf Trainingstour Nummer 2: Whitehorse bis Carmacks. Mit den kleinen Wägelchen haben wir die Boote (ein Kanoe und ein Kajak) die wenigen Meter bis zum Fluss gebracht und nach kurzem Umladen konnte es auch schon losgehen. Ich startete mit Felix im Kanoe und Maxim hatte den ersten Tag das Kajak und da damit nur ein Kanoe als Stauraum zur Verfügung stand, mussten wir recht knapp bzw. effizient packen und auf so Sachen wie Orangenpulver oder heiße Schokoladenpulver verzichten. Der Wasserstand bei Whitehorse war sehr niedrig und wir mussten aufpassen nicht auf eine Bank aufzulaufen. Nach kurzer Zeit lag Downtown hinter uns und nach einigen weiteren Zeichen von Zivilisation wurde es nach der Mündung des Takhini Rivers ruhiger (Klondike Hwy. biegt ein bisschen Weg vom Fluss). Hinter uns hat sich eine massive Regenfront gebildet und auch zu unseren Seiten konnten wir deutliche Regenwolken beobachten. Diesbezüglich hatten wir auch einige kurze Regenschauer, sind aber von dem Meisten verschont geblieben. Bis dahin haben wir schon einige Steinadler sowie einen Lux gesehen, welcher am nahen Ufer irgendwie nicht von uns beeindruckt/verängstigt war. Nach Ploicemen´s point mündet der Fluss in den mehr als 40km langen Lake Laberge. Der Wind wehte von allen Seiten und die Wellen hatten weiße Kappen – mit den Gästen würden wir unmittelbar am Ufer entlang paddeln und müssten noch mit der Brandung kämpfen. Es war dann echt hart das Kanoe vorwärts zu bekommen, die Wellen schaukelten uns ordentlich durch und teilweise spritze auch eine Welle in das Boot (ich saß vorne). Am Abend hatten wir dann 10km vom See gemeistert und legten an einem sumpfigen Ufer mit nettem Camp an. In der Bucht haben wir zuvor drei bizarre Tiere gesehen (eins weiß, eins braun und eins schwarz) welches wir uns nicht wirklich erklären konnten – Gryzzly, Schwarzbär und Polarbär waren sie dann nicht, sondern Pferde :D. Den restlichen Teil des Trips habe ich Maxim im Kajak abgelöst, da sein Arm stark angeschwollen ist. Mit Rückenwind und nach kurzer Wiedereingewöhnungsphase konnte ich dann auf den Wellen surfen :). Diese waren teilweise mehr als einen halben Meter in der Amplitude und verliehen einen tollen Schub, wenn man Vollgas paddelt und sein Gewicht und richtigen Moment nach vorne verlagert. Nach so einer Welle (oder mehreren) konnte ich dann schon mal bis zu hundert Meter vom Kanoe entfernt sein und musste viele Pausen einlegen. Zur Mittagspause hatten wir dann 20 weitere Kilometer bestritten und es wurde um die 2 Stunden Rest Zeit auf dem See berechnet. Diese „just two more hours“ zogen sich dann knapp doppelt so lange hin, bis wir endlich den ausfließenden Yukon River gefunden und erreicht hatten. Danach war der Ende des Tages noch nicht erreicht, denn es lagen noch 50 Kilometer Fluss vor uns, bevor wir unser Camp „Hutalingua“ erreichten. Um 9:30pm mussten wir dann natürlich noch Boote putzen, Holz holen, Küche aufbauen, Feuer machen, Zelte aufbauen, kochen, essen, abwaschen… und waren dann froh über den Schlaf. Dieses Camp lag direkt hinter der Mündung des Teslin Rivers, welcher aber nicht soooo viel Wasser brachte. Am nächsten Tag ging es dann bis zu den Twin Creeks am Abend und am Mittag haben wir kurz das Camp bei der Big Salmon River Mündung angeschaut. Mittaggegessen wurde auf dem Fluss, während wir uns treiben lassen haben. In dieser Stunde haben wir dann zwar nur um die fünf Kilometer gemacht, was jedoch besser ist als diese noch paddeln zu müssen :). Twin Creek war dann ein sehr schönes Camp mit einem Steg über den Bach. Da es jedoch leicht anfing zu regnen mussten wir schnell die Plane spannen und alles trocken absichern. Unser nächstes Tagesziel lag dann nur noch 18 Kilometer von Carmacks entfernt und lag schon nahe zu einer Straße. Man fühlt richtig, wie man wieder aus der Wildnis herauskommt, wenn man die ersten Autos hört, Strommasten sieht oder mehr und mehr Hütten stehen. Dann habe ich nicht mehr das Gefühl auf mich alleine gestellt zu sein, denn wenn was passieren sollte, kann man einfach schnell zur Straße oder so laufen und trifft dort dann auch wieder Menschen :D. Die 18km am letzten Tag waren dann super einfache und entspannte zwei Stunden paddeln. Dort wurden wir von Thomas und Sanita um kurz nach 11am abgeholt und beluden das Auto zum Glück bevor wenige Minuten später eine riesen Regenfront reingezogen ist. Dann ging es zuerst noch in die andere Richtung nach Pelly Crossing. Dort hat Thomas einen kleinen Bus (22 Sitzer) gekauft und wir machten uns auf den mehr als drei stündigen Heimweg.
Dann natürlich wieder alles aufräumen und so… Gestern waren wir dann noch die frischen Sachen einkaufen für unsere nächste Tour – diesmal mit Gästen. Heute haben wir dann das ganze Essen in den Fässern verpackt, die Küchenboxen gefüllt und die Zelte und Säcke und Zelte für die Gäste vorbereitet. Die Boote und Paddel sind auf dem Anhänger und werden morgen Vormittag dann die wenigen Meter zum Fluss gefahren. Einen Teil der Gäste haben wir gerade vom Flughafen abgeholt (Condor Direktflug von Frankfurt) und zum Hotel gefahren. Dort habe ich sie dann eingecheckt und anschließend mit allen (insgesamt 7) und Maxim die Tourenbesprechung durchgemacht. Da alle Deutschsprachig sind, hielt ich das meiste auf Deutsch und Maxim versuchte mitzukommen oder am Schluss noch einige Sachen zu ergänzen :D. Morgen um 10am werden die Gäste dann wieder im Hotel abgeholt und es geht alsbald los! Wir paddeln den Yukon River von Whitehorse bis Carmacks mit Zwischenstopp und Verpflegungsaustausch in Carmacks. Anschließend noch mehr als einen ganzen Tag in Dawson City und einen Tag eine Führung durch Goldminen. Zurück in Whitehorse bin ich dann erst wieder am 23.06.2018. Endlich geht es richtig los! Hoffentlich spielt das Wetter einigermaßen mit und dann wird das Arbeiten im Paradies überragend :).Heute Nacht muss ich noch mein Zeug für die Tour packen, meinen Koffer packen und meine Hütte aufräumen, denn nach meiner Rückkunft werde ich (hoffentlich) endlich nach Whitehorse Downtown umziehen.
03.06.2018
Die Tour startete Reibungslos und die Gäste waren pünktlich am Hotel abholbereit. Schwimmwesten galt es dann noch zu verteilen und Kerstin hat sich eine Angellizenz ausstellen lassen. Nach weiteren Einweisungen von Thomas gingen wir zum Fluss und luden Boote, Ausrüstung und persönliche Packsäcke ab. Thomas gab dann noch einen kleinen Crashkurs in Kanoe paddeln und hat anschließend geholfen die Boote ausgeglichen und richtig zu Beladen. Aufgrund der ungeraden Gruppengröße waren vier Kanoes am Start und ich bin den ersten Teil bis Carmacks alleine im Kajak mitgefahren. Dadurch war ich recht wendig und konnte schnell zwischen den Booten hin- und herfahren um die Lage zu checken oder Nachrichten zu überbringen. Am ersten Tag hat es einige Male leicht geregnet und in unserer Mittagspause zog dann ein kurzes Gewitter durch. Alle zogen Regenzeug an und kurz danach hat es auch schon wieder aufgehört. Das erste Nachtcamp lag dann auf einer Insel vor „Policemen´s Point“ und war mit einem kleinen Tisch ausgestattet. Ich gab allen eine kurze Einweisung fürs Zelt Aufbauen und mit Maxim eine ausführliche Einweisung in Bärensicherheit und Bärenspray. Wie immer gibt es am ersten Abend Burger, welche wieder sehr lecker waren. Die Gäste waren glücklich und zufrieden und am Abend lernten sich alle ein bisschen kennen. Am nächsten Tag ging es dann nach ein paar Kurven auf den „Lake Laberge“. Wir hatten leichten Rückenwind und einen sehr niedrigen Wasserstand, sodass wir am Anfang viele Sandbänke umfahren mussten. Das Wetter war teilweise überragend mit mittäglichem Regenschauer und zunehmender Bewölkung – wie wir es dann eigentlich fast jeden Tag hatten. Aufgrund dieses sehr wechselhaften Wetters spannten wir zu Beginn jedes Mal eine Plane über den Küchenbereich. Wir erreichten das Camp auch schon recht früh und es war warm und sonnig. In der Bucht am See fühlte sich das Wasser recht angenehm an und ich beschloss etwas schwimmen zu gehen. Nach kurzer Zeit war es dann arschkalt und es fiel zunehmend schwerer zu atmen, weshalb ich nach wenigen Minuten wieder draußen war. Da alle noch deutsche Zeit gewohnt sind, gab es auch schon um halb acht Frühstück und vor halb zehn waren wir wieder in den Booten. Es waren nicht viele Leute auf dem Wasser unterwegs und wir trafen täglich einen deutschen im Kanoe, welcher auch nach Dawson unterwegs war. Mit den Camps gab es dann keine Probleme und wir konnten immer das Camp beziehen, welches in unserem Zeitplan vorgesehen war. Als ein Sturm kurz vor unserem Nachtcamp aufzog wurden die Wellen schlagartig größer und größer. Da wir nur eine Bucht entfernt waren, beschlossen wir dies durchzustehen, was uns auch erfolgreich gelang. Es schwappte ein bisschen Wasser in die Kanoes und für mich im Kajak begann es gerade so richtig Spaß zu machen mit den Wellen zu spielen. Die Wellen blieben hoch, jedoch wurden wir wenigstens vom Großteil des Regens verschont, welchen man eindrucksvoll vorbeiziehen sehen konnte. Das Camp ist schön, jedoch etwas knapp an Zeltplätzen gewesen und das Zelt von Max und mir stand dann direkt mit einem Baum am Ausgang. 13,5 Kilometer galt es dann am nächsten Tag zu paddeln, um den See endlich hinter uns zu bringen. Vor Mittagszeit gelang uns dies und in „Lower Laberge“ konnten wir unsere Zelte auf einem schönen Platz mit überdachtem Küchenbereich und Feuerstellen aufstellen. Heute war dann der Tag gekommen an dem ich das erste Mal angeln war :). Dazu habe ich mir ein Kanoe geschnappt und bin mit Kerstin auf die nächstgelegene Insel gepaddelt. Dort zeigte sie mir dann erstmal, wie das denn so funktioniert und die Zeit verging recht schnell. An allen Seiten der Insel haben wir es versucht, wir haben die Köder gewechselt und hatten trotzdem keinen Angelerfolg. Ich hab es dann auch noch am Ufer von unserem Camp versucht und hab vermutlich einen sehr schönen Stein am Haken gehabt. Deshalb bin ich nochmal in mein Kajak gehüpft und habe den Haken vom Wasser aus befreien können. #An other day in the office. Am Abend habe ich dann junge Kiefernnadeln gesammelt und machte einen Tee, welcher jedoch zu lange kochte und dann viel zu stark/bitter und quasi ungenießbar war :D. Den schönsten Teil des Yukon Rivers paddelten wir dann am nächsten Tage, den „30 Mile River“. Dieser ist sehr kurvenreich und hat auch einige Stellen mit leichtem „Wildwasser“. Die Strömung ist recht schnell und so die vielen Berge, Felsen und Hügel zogen an uns vorbei. An dem gleichen Berg wie das letzte Mal habe ich dann die ersten Bären entdeckt, welche jedoch nur mit dem Fernglas als Bären zu identifizieren waren – ich habe die zwei schwarzen Punkte lange angeschaut und konnte eine Positionsveränderung erahnen :). Das Delta des „Teslin Rivers“ kam in Sichtweite und unser Camp „Hutalingua“ kurz nach der Mündung lag noch ein bisschen in der Sonne. Dies nutzten Kerstin und ich, um nochmal angeln zu gehen. Kurz nachdem wir einen Fisch in nächster Nähe hochspringen sahen, hatte Kerstin einen an der Angel und zog ihren ersten Fisch in freier Wildbahn aus dem Wasser – einen ca. 60cm. großen Hecht (Northern Pike). Heute Abend stand eigentlich Steak, Salat und Kartoffeln auf dem Speiseplan und die Zubereitung des Fisches war ein bisschen unvorbereitet. Es gab dann Fisch mit Salat und anschließend Steak mit Kartoffeln, da wir nur eine Grillplatte zur Verfügung haben. Das beste Abendessen mit den Top Sirloin Steaks wurde mit dem frisch gefangenem Fisch dann nochmal besser und Kerstin strahlte vor Freude. Und wenn die Kunden zufrieden sind, ist auch der Guide zufrieden :). Auch die nächsten Tage war das Wetter sehr wechselhaft und am Camp beim Big Salmon River kam auf einmal Hagel runter. Zudem starker Regen, welcher alles durchnässte… ein klassischer Keks Tag! :). Kekse ausgepackt, die Gemüter aufgeheitert und von dem schlechten Wetter abgelenkt. Als ich am Abend aufs Outhouse (hat keine Tür, sondern nur drei Seitenwände) gegangen bin, hat es auf einmal im Gebüsch neben mir geraschelt und ich bin zu Tode erschreckt als mich auf einmal ein Kaninchen angesehen hat! Der nächste Morgen war wettertechnisch nicht überragend und wir beschlossen nach einem schnellen Frühstück den Weg zum nächsten Camp anzutreten, um dort unsere Sachen hoffentlich ein bisschen trocknen zu können. Der Regen in den lezten Tagen und die Gewitter in der letzten Nacht haben den Wasserstand um mehr als 15cm ansteigen lassen und wir hatten eine Geschwindigkeit von bis zu 16km/h anhand der Karte bestimmt. Im Sonnenschein packten wir in der Mittagspause die Goldpfanne aus und ich fand einen kleinen winzigen Goldflake – den ich aber auch wieder in den Fluss ausgewaschen habe. Als „Twin Creek“ schon fast in Sichtweite lag türmte sich vor uns eine riesige grauschwarze n auf. An unserem Camp lagen dann schon andere Boote, welche aber zum Glück nur Mittags- und Angelpause gemacht haben. Also konnten wir das Camp beziehen und schnell Zelte und Küchenplane aufspannen. Dann begann es zu schütten wie aus Eimern, was plötzlich in Hagel überging. Zum Glück standen wir alle beisammen unter der trockenen Plane! Die andere Gruppe ist kurz vorher weitergefahren und sie haben uns später gesagt, ihre Boote seien vollgelaufen und alles war durchnässt. Auch in solchen regnerischen Situationen müssen wir als Guides dann immer fröhlich bleiben und die positiven Aspekte der Situation hervorheben. Am Abend hatte ich leider nur wieder Steine und Äste an der Angel, wie auch am nächsten Tage. Das letzte Camp hatte dann nur eine Restdistanz von ca. 18km bis Carmacks und als wir die ersten Anzeichen von Zivilisation (Hochspannungsleitung und Hwy.) neben uns hatten, kamen auf einmal so Bedürfnisse wie „Wäschewaschen“ oder „Duschen“ ins Gespräch. Dies konnte man dann am nächsten Tag in Carmacks machen. Zudem kam Sanita mit unseren neuen Lebensmitteln vorbei und Max und ich füllten unsere Vorräte wieder auf. Zwei verließen planmäßig die Gruppe und eine neue Teilnehmerin (Nicole aus Ontario) kam dazu. Sie war neben Max die einzige nicht deutschsprachige und ich als Übersetzer kam dann endlich mal so richtig zum Einsatz :). Da Kerstin kein Englisch spricht und mit Max immer nur auf Deutsch und mit Händen und Füßen kommuniziert, hat er jetzt sogar schon einige Wörter Deutsch dazugelernt :D. Bei unserer Lebensmittellieferung fehlte am Ende nur noch Salz, welches ich dann am Kiosk auf dem Campingplatz auftreiben konnte. Nun war dann alles vorbereitet für den zweiten Teil der Tour
Das beladen der Boote am Bootssteg in Carmacks dauerte dann ungewohnt lange und nach wenigen Minuten Fahrt war die Brücke in Sicht. Kurze Zeit später lag Carmacks dann auch schon hinter uns, wobei der Klondike Hwy. noch lange Zeit sehr nah am Fluss verläuft. Am frühen Nachmittag befanden wir uns dann kurz vor den „Five-Finger-Rapids“, welche aufgrund des höheren Wasserstandes bedeutend größer waren als beim letzten Mal. Kurz vor den Rapids knieten wir in die Boote, um den Schwerpunkt niedrig zu halten und wir paddelten in einer Entenlinie im rechten Kanal auf der linken Seite zwischen den Felsen. Dann wurde es sehr wellig und Wasser schwabbte in einige Kanoes. Ich war Steuermann mit Eckardt im Boot, welcher zuvor etwas Angst vor den Rapids geäußert hatte. Im Nachhinein sah er diese dann endlich auch selber als unberechtigt ein und hatte Spaß an dem Geschaukel. In der mittagspause kurz danach konnte ich kleine Fische im Wasser sehen und ich überredete Kerstin mit mir zu Angeln. Als ich mal wieder an etwas auf dem Grund festhing hatte ich voll keinen Bock mehr auf Angeln und bei einem Befreiungsversuch ist dann die Leine abgerissen… Kurz darauf hat es bei Kerstin an der Angel gewackelt und sie zog wieder einen Hecht aus dem Wasser! Dann habe ich es noch mit ihrer Angel versucht und einmal habe ich einen Fisch am Haken wieder verloren… Als Max das Ende der Mittagspause ansagte und ich ein letztes Mal die Angel aufwickelte hatte ich einen Hecht am Haken, der des Lebens Müde war und kein bisschen gekämpft hat! Langsam zog ich ihn herein, nahm den Haken aus dem Mund erschlug ihn mit einem Holzblock mit einem Betäubungsstich zwischen Bauch und Kopf war er dann tot. Schnell ausgenommen, gewaschen und ein paar Beweisfotos von meinem ersten Fisch gemacht :) einem 70cm großen, männlichem Hecht (Northern Pike). Um die beiden Fische für den Rest des Tages frisch zu halten füllten wir einen Topf mit Flusswasser und kühlten die Fische darin. Das geplante Abendessen „Burger“ haben wir dann zu Fisch mit Risotto geändert und ich aß glücklich und zufrieden von meinem ersten Fisch. Mittagspause am nächsten Tag war an „Toms Location“ bei einer Hütte und dem letzten Camp mit Straßenanschluss. von dort aus konnten wir auch schon die ersten „dall sheeps“ beobachten. Außerdem mussten wir noch das Lagerfeuer von den Idioten vor und auslöschen – wäre ja nicht so, dass man hier manchmal tagelang durch ein Waldbrandgebiet gepaddelt wäre…! Am „Minto Bluff“ fanden wir dann mehrere hundert Schafe vor, welche teilweise sehr weit unten auf den Felsen waren und schon mit dem bloßen Auge klar zu sehen waren. Kurz danach querte von der linken Seite ein junges Moose den Fluss, welches wir aber verängstigten und es umkehrte. Auch kurz vor unserem Nachtcamp waren vermutlich sogar drei moose am Ufer im Gebüsch, welche sich aber komplett gar nicht bewegten und nicht wirklich identifizierbar waren. Das Anlegen an „Hells Gate“ war dann schwierig, denn die große Kiesbank beim letzten Mal hat sich nun auf zwei Bootslängen verkürzt. Die Mosquitos haben mich am Abend dann ordentlich massakriert, was auch daran lag, dass ich am Ufer eingeschlafen bin. Nach einer guten Stunde paddeln am nächsten Morgen kamen wir auch schon an die Mündung des Pelly Rivers. Dort lag auch schon unser Camp für die Nacht: Fort Selkirk. Um 11:15am konnten wir die Boote dann schon wieder ausladen und alles über den Steg auf die Ebene tragen. Am Nachmittag gab uns eine nette First Nation eine Führung durch die Überreste von Fort Selkirk und jeder hatte genug Zeit sich zu entspannen oder sich zu waschen. So tat auch ich und aufgrund der starken Strömung beschloss ich mit Schwimmweste baden zu gehen, welche dann zum Glück über Nacht wieder trocknete. Den ersten Gryzzly entdeckte ich dann am nächsten Vormittag vorn den „Twin Falls“ auf einer Anhöhe. Mittags wollten wir dann an einem Bach anlegen, als Max von hinten deutlich zu verstehen gab, auf keinen Fall an Land zu gehen, da er zwei Gryzzlys direkt daneben erblickte. Diese riesen Bären rannten dann anschließend in nächster Nähe den Berg hinauf und wir konnten die keuchen hören! Beeindruckend! Abends zog Max dann einen Hecht aus dem Wasser und wir konnten Bieber beobachten. Ein anstrengender Teil lag am nächsten Tag vor uns, denn die Gebirgsformation des „White Rivers“ erzeugt einen Windkanal, welcher uns das Leben erschwerte. Am Abend freuten wir uns dann auf das Camp, welches in unsere Karte aber falsch markiert war und wir vorbeipaddelten. Dann mussten wir nochmal 10km weiter und Max und ich waren dann sehr wütend auf die Karte :D. Am Abend haben wir dann den heutigen und morgigen Tag besprochen als direkt neben uns ein Bieber vorbeigeschwommen ist!! Er hat uns entweder nicht bemerkt oder es hat ihn nicht gestört und wir staunten noch eine ganze Weile über diese Schönheit. Der White River gab uns am nächsten Vormittag dann einen ordentlichen Schub und brachte auch Unmengen an Sedimenten mit sich. Das Wasser ist jetzt hoch genug und löst Vulkanische Aschen aus den Gesteinen des Flusses, weshalb des Fluss sich cream weißlich färbt (daher der Name). Das ursprünglich geplante Camp erreichten wir dann schon vor Mittagszeit, weshalb wir noch ein paar Stunden weiter zu einem möglichen Camp auf einer sandigen Insel weiterfuhren. Dort kam am Abend die Sonne am Abend dann nochmal so richtig raus und ich ging ein weiteres Mal im Fluss baden. Das letzte Camp am nächsten Tag lag dann nur noch gut 40km von Dawson City entfernt und wir verabschiedeten uns ein bisschen von der Wildnis. Auf dem letzten Stück bis Dawson rannte dann noch ein Schwarzbär an uns vorbei, in einem Bachbett waren immer noch Eisplatten und als Dawson zu sehen war gab es die wohlverdienten Kekse :). Auf dem Campingplatz war das Waschhaus dann sehr willkommen und zum Abendessen gingen wir in die „Drunken Goat“ und anschließend noch ins „pit“. Während der Sommersonnenwende in Dawson so nah am Arctic Circle zu sein war beeindruckend, denn wenn man um zwei Nachts aus der Bar kommt scheint halt trotzdem die Sonne :D. Der nächste Tag (der 21. Juni) war dann bis zum Abend ohne Programm und jeder konnte machen, was er will. Ich bin mit Max zum Klondike River gelaufen und habe eine Weile geangelt, jedoch ohne Erfolg. Dann habe ich mich auf einem wunderschönen Baumstamm zum Mittagsschlaf gelegt. Nach dem Abendessen gingen alle zusammen dann ins Casino „Diamont tooth Gerties“ zur Tanzshow. Diese war anders als vor einem Monat und der Hauptdarsteller wurde ausgetauscht. Am Roulette Tisch habe ich 20$ verloren und nachdem die anderen Shows zu Ende waren, ging ich mit Nicole noch ins „Pit“ dort haben wir ein Shuttlebus genommen, um auf den Dome zu gelangen. Etwa zehn Minuten Fahrt führte uns zu einem grandiosen Aussichtspunkt über Dawson und die weiten des Yukons. Da mein Akku leer war leider keine Bilder. Einfach googeln „Dome Hausberg Dawson City“. Dem Verlauf des Yukon Rivers mit der Mündung des Klondike Rivers zu Folgen war sehr schön, ebenso den „Top oft he World Hwy. zu sehen oder auf der anderen Seite eine riesen Gebirgsfront. Einfach nur Wow! Der Shuttlebus wurde übrigens angeboten, da aufgrund des Feiertages eine Party (Man kann es auch Saufgelage nennen) dort oben stattfand. Zu meiner Überraschung wurde dort nichts gegen das Trinken in der Öffentlichkeit unternommen. Um kurz nach drei habe ich mein Zelt und Schlafsack dann bezogen. Am Freitag nahm uns Fahrer Tom alle im Bus mit uns wir machten eine Minen Tour. Die Klondike Goldfields zu durchfahren war toll und die riesen Maschinen sind beeindruckend. An der „dredge nr.4“ kann man die technische Meisterleistung einfach nur bestaunen – von dem Aufwand für den Transport ganz zu schweigen. Ich fände es ganz schön so ein Glied der Baggerschaufelkette im Garten stehen zu haben und zu bepflanzen :). Dann ein Stopp am „Discovery Claim“ wo das erste Gold gefunden wurde als nach einem Jagdausflug nach dem Abspühlen im Fluss plötzlich Gold im Teller war (kann man glauben, muss man nicht, war aber angeblich wirklich so). Im Taal daneben bekamen wir dann eine Führung auf einer aktiven Goldmine. Eine Goldwaschanlage, wie ich sie sonst nur aus dem Fernsehen kannte #GoldrauschInAlaska in Betrieb sehen zu können und anschließend selbst nach Gold waschen zu können war toll. Die Gäste sind leider nicht alle im Goldfieber ausgebrochen und so fuhren wir weiter als ich erst zwei Flakes gefunden hatte – wer weiß, sonst wäre ich jetzt vielleicht reich, denn das was man findet darf man übrigens behalten:). Auf der matschigen Straße lag dann ein umgekippter Bus und es stellte sich heraus, dass dieser dem Kamerateam von Toni Bez gehört #GoldrauschInAlaska!!! :). Leider kam er nicht zufällig vorbei, ich hätte ganz gerne ein Bild mit dem verrückten Typ gemacht:D. Am letzten Abend in Dawson bin ich dann ins Downtown Hotel und hab da den „Sourtoe-Cocktail“ getrunken. Dazu haben wir stundenlang in einer Schlange gewartet, um hochoffiziell einen Zehen (es handelt sich um einen menschlichen Zehen welcher erfroren und abgefallen ist) in den Wiskey gelegt zu bekommen, welcher beim anschließenden trinken die Lippen berühren muss. Jetzt bin ich hochoffiziell Mitglied in diesem Club und habe auch ein schönes Zertifikat bekommen.
Die Rückfahrt stand am nächsten Tag an und nachdem alles aufgeladen war fuhren wir mit der nächsten Fähre ein letztes Mal über den Yukon. Dann folgte eine Pause in Moose creek lodge, wo ich eine Bretzel!!!!! bekommen habe. Einen Tankstopp in Stewart Crossing und einen Fotostopp an den Five-Finger-Rapids von oben später hieß die nächste Station: Whitehorse. Die Essensreste haben wir ausgeladen und verräumt und die drei neuen Mitarbeiter haben schnell die Boote geputzt und verräumt :D. Abends bin ich dann mit allen aus der Gruppe Essen gegangen und habe sie am Sonntag dann zum Flughafen auf den Condor Direktflug nach Frankfurt gefahren. Damit war meine erste Tour vollständig abgeschlossen und ich würde es als vollen Erfolg bezeichnen :).^Für diese Tour habe ich mir übrigens extra eine GoPro Kamera (GoPro Hero5) gekauft, um nicht die ganze Zeit in Panik auszufallen, wenn ich mein Handy raushole und auf oder am Wasser Bilder mache. Jetzt habe ich einige Gigabyte Bild und Filmmaterial und weiß noch nicht so genau, wie ich es bei dem schlechten Internet hier oben in die Bildergalerie laden kann :D Die Bilder bis Anfang Juni sind jetzt ja wenigstens endlich hochgeladen.
Eigentlich hätte ich am Flughafen dann noch gleich sechs deutsch abholen sollen, welche mich mit meinem Schild jedoch nicht gesehen habe und den Bus zum Hotel nahmen… Dort habe ich dann auf dem Zimmer angerufen und habe ihnen einige Informationen für den morgigen Tag mitgeteilt. Gestern durfte ich die sechs Gäste am Hotel abholen und im Shop mit Schwimmwesten versehen. Die Boote sowie die restliche Ausrüstung schnell auf den Anhänger geladen und nach kurzen letzten Besorgungen ging es dann auf den Weg zum Quiet Lake. Dorthin führt 130 Kilometer lang der Alaska Hwy. bis Johnsons Crossing und nach der Brücke über den Teslin River startet auf der linken Seite die Canol Road. Diese ist ein Schotter Weg und mein Ziel lag noch ziemlich genau 100km entfernt. Mit Geschwindigkeiten von maximal 50-60km/h in den ersten Kilometern war die Straße zu Beginn noch recht gut zu fahren. Die Straße ist sehr kurvig, an den Seiten teilweise komplett zugewachsen und geht immer Berg auf oder ab. Zudem quasi nur eine Fahrspur in manchen Teilen und alle paar hundert Meter einen Abschnitt mit tiefen Schlaglöchern. Geschwindigkeit verringern auf maximal 40km/h und ständiges abbremsen, in Kurven Löcher umfahren oder auch mal durch ein Loch rauschen. Da dies zum Glück nicht so oft passiert ist, hielt sich der Anhänger mit den Booten recht gut in der Spur und bei meinen Ladungschecks war immer alles noch fest und sicher verstaut. An einem Teil war an einer schlecht einsehbaren Stelle die Straße ausgewaschen und auf weniger als eine Fahrbahn verengt, sodass ich ein bisschen an dem Grünzeug am Rand kratzen musste. Dann kamen noch zwei überflutete Stellen, welche mich beunruhigten. Da zuvor jedoch schon zwei Autos (auf 100km und mehr als 2h) entgegen gekommen sind, bestand die Möglichkeit der Machbarkeit dieses Hindernisses. Das Wasser war dann auch nicht so tief und ich hatte mehr bedenken im Matsch stecken bleiben zu können…War dann aber alles gut. Auf dem Hinweg bin ich auch einmal an einem verdammt großen Gryzzly Bären vorbeigefahren. Da ich ihn erst sehr spät gesehen habe in weniger als 5 Metern Entfernung!! Er war nicht wirklich sehr beeindruckt und ist nicht weggerannt, sondern hat sich gemütlich dort am Rand aufgehalten. In mehr oder weniger sicherer Entfernung legten wir dann eine kurze Langsamfahrphase und damit verbundenen Fotoversuchen ein. Wir hatten übrigens kein Bären Spray dabei… Für Notfälle hat mir Thomas jedoch ein Satelliten Telefon mitgegeben. Auch das war dann gut überstanden und auch die richtige „Ausfahrt“ (einen noch kleineren Weg) habe ich aufs erste Mal gefunden. Anhand einer kurzen Wegbeschreibung von Thomas musste ich dann noch etwas weiter zu einer Bootsrampe fahren, wobei der Weg dahin den bisherigen Teil nochmals übertraf. Auf den wenigen hundert Metern direkt neben dem See wellte sich die Straße wie verrückt und der Anhänger fing bei 5km/h das Tanzen an… Auch im Auto hat es uns nochmals ordentlich durchgeschüttelt. Die anderen waren erleichtern nach fast vier Stunden Fahrt endlich angekommen zu sein. Für mich ging es dann nach dem schnellen Abladen und einer letzten kurzen Einweisung wieder auf den Rückweg. Dieser war dann natürlich auch nicht besser als der Hinweg, nur ohne die sechs Leute aus Bayern weniger unterhaltsam und kommunikativ. Um ehrlich zu sein bin ich auf dem Rückweg dafür schneller gefahren, jedoch war die Geschwindigkeit aufgrund physikalischer Gesetze und dem leeren Anhänger begrenzt. Mein Ziel von 50km/h konnte ich dann auch alleine nicht halten und kam nach mehr als 2,5h und nach den ca. 100km wieder auf den Alaska Hwy.. Dort fühlte ich mich dann schon erschöpft von dem ständigen Lenken, nach Löcher Ausschau halten und umfahren, den Gegenverkehr rechtzeitig zu sehen (insgesamt 5 Fahrzeuge auf Hin- und Rückweg :D) und nebenbei noch nach Tieren Ausschau zu halten. Die nächste Zeit auf dem Hwy. war dann sehr entspannt und ich freute mich auf mein Bett. Schnell noch Felix am Shop in Whitehorse abgeholt und kurz vor acht war ich dann daheim. Duschen, kochen, abwaschen und ein langer Tag war zu Ende. Es gefällt mir recht gut solch einen Fahrdienst zu machen, jedoch war mein Bein danach echt kaputt und ich konnte kurz fast nicht mehr laufen.
Am heutigen Tage ging es dann wie meistens um neun am Morgen los und neben vielem Kleinkram haben wir einige Boote und Ausrüstung geputzt und aufgeräumt. Für das Rennen stehen im Moment der riesige Anhänger mit so 10 Rennbooten und ein weiterer Anhänger mit den beiden sechser Kanoes herum, an welchen meistens irgendwelche Sportler herumrennen und letzte Vorbereitungen treffen. Extrem stressig! Dann zwischendurch noch den Suburban putzen und zum Schluss ein Ausrüstungsset packen. Morgen ist dann endlich die „Yukon River Quest 2018“. Thomas als Captain im sechser Kanoe startet als Vorjahressieger mit Startnummer 1 mit dem Ziel den Rekord zu knacken!! Viel Erfolg.
26.06.2018
Am Tag des Rennens fuhren wir die Rennboote um halb acht zur Startlinie und luden alle Boote ab. Thomas hat abschließend noch letzte Informationen an uns gegeben, denn der Arbeitsplan hat sich schon wieder geändert, da neben der Kündigung von Sanita und Felix nun auch Marc aus persönlichen Gründen nicht mehr führ uns arbeitet. Diesbezüglich muss Max jetzt eine Wanderung durch den Kluane National Park machen und ich habe einen Fly In zum Lower Laberge übernächste Woche. Zudem werde ich die nächste große Yukon River Tour Mitte Juli alleine machen. Auf jeden Fall waren die letzten Tage vor dem Rennen und besonders der Tag des Rennens dann sehr stressig und ich war froh, als diese Verrückten Sportler (darunter auch Thomas:D) endlich gestartet sind. Der Start war dann schon beeindruckend und Thomas war mit seinem Team quasi von Anfang an vorne. Eigentlich wollten sie den Rekord knacken und die 715 Kilometer in weniger als 40 Stunden paddeln. Aufgrund der schlechten Windverhältnisse auf dem See und einem Gewitter kurz vor Dawson gelang ihnen die Rekordzeit leider nicht – trotzdem haben sie das Rennen gewonnen :D. Gratulation dazu! Er kam gestern Abend schon an und bleibt jetzt einige Zeit in Dawson, bis endlich alle zur Siegerehrung angekommen sind. Kelly ist mit den Kindern im Wohnmobil bei ihm, weswegen ich den Hund füttere und mich um den Garten kümmere. Vorgestern haben wir dann Quads an Constantin Entertainment vermietet, welche einen Film/Doku im Yukon drehen (kommt angeblich im Frühjahr 2019 raus). Und heute ist mein erster und einziger freier Tag im Monat Juni. Morgen ist Canada Day.
30.06.2018
Am Sonntag, den 8. Juli begann dann meine Karriere als Guide dann so richtig! An besagtem Tag bin ich mit meiner ersten Gruppe – einem Ehepaar aus Deutschland, nahe Hannover – zum Schwatka Lake in Whitehorse gefahren worden. Die beiden Gäste paddelten im Kanoe (old town exporer) und ich im grünen Kajak (Prion – Yukon Expedition). Natürlich nicht vom Stausee aus, nein…. Das Wasserflugzeug wurde vollgepackt und die Boote an den Schwimmer gegurtet, aufgetankt und los ging es! Ich saß vorne und hatte die Instrumente direkt vor mir (quasi Co-Pilot). Das Abheben war ungewohnt langsam und ich dachte schon die Geschwindigkeit reicht doch nicht, um das Teil in die Luft zu bekommen – hat dann aber alles gut funktioniert. Der Pilot kam ursprünglich aus Stuttgart und brachte uns dann zum Ende vom Lake Laberge :). Direkt über den Miles Canyon in einer Kurve an Whitehorse Downtown vorbei und über Seen oder Gewässer, welche ich noch nicht kannte ;D. Der Takhini River hat dann beeindruckend trübes Wasser reingebracht und den Yukon eingetrübt. Lake Laberge lag dann schon bald vor uns - endlich mal nicht 53 Kilometer auf dem See paddeln :). Auf der rechten Seite sieht man noch das trübe Wasser, welches sich ca. nach dem ersten Drittel wieder komplett abgesetzt hat und das kristallklare Wasser im Sonnenschein strahlt. Die Berge sind aus dieser Perspektive nochmal anders, denn man erkennt den Abschliff der Gletscher der letzten Eiszeit deutlich. Am Ende vom See – Lower Laberge – Dann noch eine 180° Kurve und gegen die Ausflussrichtung landen. Die Landung war soft und kurz, nachdem das Flugzeug im steilen Senkflug auf das kurze gerade Flussstück zusteuerte. Nach dem Ausladen baute ich das Camp und wir unsere Zelte auf und wir gingen noch ein bisschen wandern. Das Wetter war super und es war schon etwas heiß (so 25°C) bei starkem Südwind. Das Wandern belief sich auf einen ca. 1km langen Weg bis zur nächsten Bucht und zurück, zudem auf einen traumhaften Aussichtspunkt an einer Abbruchkannte und durch ein paar alte Hütten. Die Mosquitos und Bremsen waren in diesem Camp echt extrem, aber als ganz viele Libellen aufgetaucht sind, waren auf einmal alle Stechmücken weg! In einer Hütte waren ganz viele Fledermäuse an den Balken und sonst haben wir nicht viel mehr Tiere gesehen am ersten Tag. Zum Abendessen gab es wie immer am ersten Abend: Burger. Das Holz war in großen Brocken schon vorhanden und musste nur noch gespalten werden, sodass ich am Nachmittag noch das Kanoe wieder zusammenbauen konnte. Ein bisschen Angeln war wie meist erfolgslos und der erste Tag war schon vorbei. Hootalingqua war dann das Ziel des nächsten Tages; Alf hinten als Steuermann und Astrid vorne im Kanoe. Auf dem wunderschönen Abschnitt des 30 Mile Rivers war der Wasserstand höher als die letzten Male und die Natur immer noch extrem beeindruckend. Aus meinen Notizen entnehme ich „Ein nicht identifizierbares kleines schwarzes Lebewesen mit kurzen dircken Beinen und kurz gebogenem Schwanz [lief am Wasser entlang]. Es war etwas kühler am heutigen Tag, jedoch trotzdem sehr schön. Trotz mehrfacher Einweisung in Ein- und Aussteigen ist Alf etwas ins Wasser gefallen und musste sich nach einer kurzen (der ersten) Pinkelpause erstmal umziehen. Bei den nächsten malen hat alles dann gut geklappt. Als ich nach der Mittagspause meine Spritzdecke am Kajak aufgezogen habe, machte es auf einmal *Platsch* und nach ungefähr einem Bruchteil einer Sekunde wusste ich mein Leaderman (Multifunktionsmesser, Zange, etc.) ist untergegangen …. Das war extrem ärgerlich ist so am ersten richtigen Tag der Tour auch echt beeinträchtigend. Ich habe dann die Zange von Alf für den Rest der Tour verwenden können, aber trotzdem scheiße... Die Gäste waren aber generell sehr hilfsbereit und der Campaltag ging quasi wie von allein. Kein Gemecker über unnötige Kleinigkeiten oder das Wetter – sie haben den Trip einfach nur genossen und das ist auch gut so! Der nächste Tag war mit über 70Kilometern der längste und anstrengendste und im Camp kam dann ein Sturm auf, welcher den Sand sehr aufwühlte. Bei der alten Gold dredge am Freemans Rock haben wir ein bisschen Goldstaub gefunden und in der Nacht dachte ich der knaxende Baum neben mir fällt gleich auf mein Zelt. Von diesem Camp an haben wir uns am nächsten Tag dafür hauptsächlich treiben lassen können. Diese RUHE war unbeschreiblich schön und man nimmt winzige Geräuschveränderungen im Gebüsch – leider kein Großwild gesehen. Im abendlichen Camp am Twin Creek angekommen war dieser Bach komplett ausgetrocknet und ich spazierte etwas im steinigen Bachbett entlang und fällte zwei schöne Bäume fürs Lagerfeuer. Thomas hat mir über das InReach geschrieben, dass wir erst zwei Stunden später in Carmacks abgeholt werden, weshalb wir am nächsten Tag ein anderes Camp als geplant anfuhren. Mandana Creek hatte rauschendes Wasser und das Waldbrandgebiet direkt hinter dem Camp versorgte uns mit hervorragendem Feuerholz. Da es ein recht kurzer Tag war bin ich noch Angeln gegangen. Dazu habe ich das Kajak geschnappt und bin knapp 2 Kilometer flussaufwärts zu einer erfolgsversprechenden Insel gepaddelt – leider ohne Erfolg. Dann waren knapp 3 Stunden auch schon wieder vorbei und ich ging zurück zum Camp … An other day in the office.. :) . Der letzte Tag dieser Tour war dann auch schon gekommen und wir machten uns auf für das letzte Stück bis Carmacks. Dort waren wir überpünktlich angekommen, mussten allerdings auf den noch verspäteten Fahrer warten. Wir genossen dann die Zeit in der Sonne liegend bis Max uns an der Bootsrampe neben der Brücke abholte. Auf der Rückfahrt liefen einmal zwei Schwarzbären direkt vor uns her und verweilten einige Zeit auf der Straße und in einer Kurve in ein des Lebens müder Braunbär über die Straße gerannt und ist zum Glück der Motorhaube entgangen. Es war eine sehr schöne und gelungene Tour mit glücklichen Gästen – happy guests, happy guide! :).
Am nächsten Tag ging es dann ans Putzen der Ausrüstung und an das Packen der Ausrüstung für die nächste Tour. Sonntags hatte ich dann ein Shuttle einer Norwegischen Familie nach Faro und am Abend die Tourenbesprechung für die am nächsten Morgen startende Tour. Pausenlos im Einsatz!
Die nächste Tour folgt dann später… nach über 1,5 Stunden für diesen Artikel habe ich jetzt keine Lust mehr meine letzten Minuten in Kanada mit tippen zu verbringen. Das Boarding für den Flug nach Frankfurt beginnt zwar erst in 45 Minuten, aber die Boeing 747-400 ist vor einer guten halben Stunde angekommen und sieht wieder beeindruckend riesig aus. Nächster Post folgt dann wieder zurück in Deutschland! Bis dann.
04.09.2018